Linz als Pionierstadt der Medienkunst

Der Titel „UNESCO-City of Media Arts“ ist wichtig für die Entwicklung der Stadt Linz hin zu einer noch stärkeren internationalen Positionierung und Vernetzung. Aus diesem Grund haben wir uns mit dem Kulturdirektor der Stadt Linz, Dr. Julius Stieber, getroffen.

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Stolz darauf, dass Linz City of Media Arts ist (v.l.n.r.): Patrick Bartos, Geschäftsführer Creative Region Linz & Upper Austria, Gerda Forstner, Leiterin der städtischen Kulturentwicklung, Kulturdirektor Julius Stieber, Vize-Bürgermeister Bernhard Baier, Bürgermeister Klaus Luger, Wirtschaftsstadträtin Susanne Wegscheider und Christopher Lindinger, Co-Direktor des Ars Electronica Futurelab (Credit: Stadt Linz).

Wie wir in einem Blogbeitrag mit Christopher Lindinger bereits berichteten, darf sich Linz seit 1. Dezember 2014 UNESCO City of Media Arts nennen und wurde dadurch Teil des internationalen Netzwerks der UNESCO „Creative Cities“. Damit zählt die Stadt nun zu den besonders zukunftsorientierten Orten und Metropolen weltweit. Bislang durften sich lediglich drei Städte offiziell City of Media Arts nennen. Nun wurden fünf weitere Städte in diese Kategorie aufgenommen. Insgesamt gibt es nun 28 Städte aus 19 Ländern als neue Mitglieder im UNESCO-Netzwerk.

Der Titel „UNESCO-City of Media Arts“ ist wichtig für die Entwicklung der Stadt Linz hin zu einer noch stärkeren internationalen Positionierung und Vernetzung.

Aus diesem Grund haben wir uns mit dem Kulturdirektor der Stadt Linz, Dr. Julius Stieber, getroffen und mit ihm über die Bedeutung dieser Anerkennung für die Stadt gesprochen.

Warum ist der Titel UNESCO City of Media Arts für die Stadt Linz wichtig?

Julius Stieber: Linz ist ja die Pionierstadt der Medienkunst – mit Ars Electronica 1979 beginnend – und klarerweise ist das ein Titel, den wir uns unbedingt abholen wollten, weil er uns auch zusteht. Wichtig ist er deswegen, weil er uns erstens einmal in ein gut funktionierendes Netzwerk bringt. Das Creative Cities Netzwerk der UNESCO besteht aus insgesamt 69 Städten und hier sind wirklich auch interessante Großstädte, wie Berlin, Buenos Aires oder Helsinki dabei. Andererseits gibt es natürlich auch bei den Media Arts Städten innerhalb des Creative Cities Netzwerkes – immerhin sind das 8 Städte – ebenfalls sehr interessante Partner, wie Sapporo, Tel Aviv oder Dakar, mit denen wir sicher ganz toll kooperieren können. Wichtig ist er auch deshalb, weil der Titel für die Stadt Linz ein Imageträger ist. Das heißt wir können marketingmäßig im Bereich Tourismus mit dem Titel ganz offensiv spielen und die Stadt sozusagen auch in ihrer Kennung und Profilierung richtig darstellen.

Bild1_1000x500Welche Möglichkeiten eröffnen sich dadurch? Gibt es irgendwelche Vorteile für die Stadt?

Julius Stieber: Es gibt keine finanziellen Vorteile, muss man dazu sagen. Der Vorteil ist, dass wir in dieses Netzwerk eingebunden sind und auch aktiver Partner sein werden. Also gerade mit Ars Electronica sind wir für die anderen beteiligten Städte ein sehr attraktiver Partner und wir wollen diese Rolle auch attraktiv gestalten. Das, was man wirklich davon hat, ist, dass man zu den UNESCO Cities gehört, und die UNSESCO ist einfach nicht irgendeine Organisation, sondern eine weltweit wichtige und anerkannte. Das Label ist für uns, glaube ich, das, mit dem man wirklich gut operieren kann und von dem man auch etwas hat – vor allem in der Darstellung nach außen.

Was glauben Sie ändert sich dadurch für Linz?

Julius Stieber: Ändern wird sich die Attraktivität der Stadt Linz als Standort für innovative Entwicklung. Ich würde es gerne über die Medienkunst hinaus definieren. Die Kennung, also Ars Electronica und Linz, die gibt es ja schon, aber ich glaube, es geht darum, dass man die Basis noch erweitert, dass man generell darstellt, dass die Stadt auf vielen Gebieten kreativ, innovativ, zukunftsorientiert agiert. Da ist, glaube ich, mit dem Label schon noch einmal ein Schub möglich, damit man auch das Aktionsfeld Medienkunst über die Ars Electronica noch hinaus entwickelt. Also vor allem mit dem geplanten Valie Export Center, das ja auch Teil des LENTOS, der Linzer Kunstuniversität und der Tabakfabrik Linz sein wird, hat man schon die Chance den Schwerpunkt noch auszubauen.

5104388914_9f87fc47df_bValie Export ist eine in Linz geborene Medienkünstlerin, Performancekünstlerin und Filmemacherin (Credit: Lorenz Seidler)

Wie kann sich Linz in dieses Netzwerk einbringen?

Julius Stieber: Wir werden nächstes Jahr konkret das Media Arts Meeting im Rahmen des Ars Electronica Festival machen, das haben wir schon angeboten. Das ist ein Ziel, das wir haben, damit wir bereits im ersten Jahr unserer Mitgliedschaft ein Netzwerktreffen veranstalten, zu dem alle Media Arts Städte eingeladen werden. Wir werden uns aber darüber hinaus natürlich auch mit dem Kreativwirtschaftsstandort der Tabakfabrik weiterentwickeln müssen. Das ist ja in gewisser Weise auch ein zweites Standbein neben der Ars Electronica und das muss man natürlich auch substantiell erweitern. Aber da sehe ich die Entwicklung auf der richtigen Schiene.

Was wir auch einbringen werden, als UNESCO-Netzwerkpartner und als Entwicklung vor Ort, ist eben auch die Gründung des Valie Export Center als Forschungsinstitution für Performance und Medienkunst. Voraussetzung dafür ist natürlich ein erfolgreicher Gemeinderatsbeschluss über den Ankauf des Valie Export Archivs, aber da sind wir guter Dinge und hoffen, dass wir das nächstes Jahr ebenfalls gut umsetzen können. Dann hätten wir eigentlich drei Aktionsfelder, auf denen wir unsere Leistungen und Beiträge im Bereich Medienkunst erbringen.

Welche Institutionen werden sonst noch maßgeblich daran beteiligt sein?

Julius Stieber: Ars Electronica und die Creative Region GmbH sind die zwei Hauptbetroffene. Dann natürlich die Tabakfabrik, das OK Offenes Kulturhaus, die Kunstuniversität Linz, auch die Fachhochschule Hagenberg, die ja auch in der Nähe von Linz angesiedelt ist und auch eine starke Rückwirkung auf Linz hat, dann natürlich auch die Johannes Kepler Universität, die Anton Bruckner Universität, viele Vermittlungseinrichtungen und Ausbildungseinrichtungen, also von der Medienwerkstatt in der VHS angefangen, bis hin zu Schulen, wie die HBLA für Künstlerische Gestaltung. Da sind viele große und kleine Player beteiligt. Auch die freie Szene wird daran natürlich genauso mit Einrichtungen wie Time‘s Up oder Stadtwerkstatt, Radio FRO oder DorfTV eingebunden sein. Sie agieren alle in diesem Feld und sind Teil einer Entwicklung.

4540821212_eb6aeeeec7_bKreativwirtschaftsstandort Tabakfabrik

Was sind jetzt die weiteren Schritte?

Julius Stieber: Die nächsten Schritte sind zunächst einmal rein formale. Das heißt, wir müssen gewisse Auflagen der UNESCO erfüllen. Wir werden eine eigene Homepage machen, ein Logo entwickeln, den Advisory Board zusammenstellen. Denn wir müssen auch ein eigenes Beratungsgremium mit Experten und Expertinnen besetzen und die auch nominieren. Das sind einmal die ersten formalen Schritte. Was nächstes Jahr ganz wichtig ist, ist das Vorantreiben des Brandings in der Stadt. Das heißt, im Bereich Tourismus und Stadtmarketing eine Linie zu entwickeln, wie man jetzt mit dem Titel ganz allgemein in der Kommunikation umgeht und wie wir auch logomäßig mit diesem Label auftreten wollen. Das ist, glaube ich, ganz wichtig, dass der Begriff in der Stadt und in der Bevölkerung ankommt. Das wird die Hauptaufgabe des ersten Jahres sein, den Titel entsprechend nach außen zu transportieren.

Bei der Pressekonferenz haben Sie Tel Aviv als besonders interessantes Netzwerkmitglied genannt. Warum genau Tel Aviv?

Julius Stieber: Tel Aviv ist von der Region her und auch durch die politische Konstellation ein interessanter Partner. Tel Aviv ist vor allem eine sehr europäische Stadt und Israel ist von den Voraussetzungen her bestens dazu geeignet, dass wir eine gute gemeinsame Basis aufbauen. Auch aufgrund der Zeitgeschichte mit dem Hintergrund des Nationalsozialismus ist Tel Aviv interessant. Viele Emigranten und deren Nachkommen, die aus Deutschland oder Österreich stammen, leben dort. Also das sind lauter Aspekte, die interessant sind.

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