Ein Flohmarkt für digitale Dinge, aber im realen Raum

Internet Yami-Ichi bedeutet auf Deutsch so viel wie Internet-Schwarzmarkt und ist ein eintägiger Flohmarkt, auf dem Produkte des Internets face-to-face im realen Raum verkauft werden. Die nächste Station des Internet-Schwarzmarkts ist das Ars Electronica Festival 2015 in Linz.

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Credit: IDPW

Sowohl auf Flohmärkten, als auch im Internet, finden sich Ansammlungen erstaunlicher und nutzloser Dinge. „Flohmärkte und das Internet sind in ihrem Hang zu Chaos, Fanatismus und großartig Nutzlosem im Kern miteinander verbunden“, so das Künstlerkollektiv IDPW, die den Internet Yami-Ichi initiiert haben. Internet Yami-Ichi bedeutet auf Deutsch so viel wie Internet-Schwarzmarkt und ist ein eintägiger Flohmarkt, auf dem Produkte des Internets face-to-face im realen Raum verkauft werden. Erlaubt ist alles – solange es legal ist.

Nachdem IDPW diesen Internet-Schwarzmarkt in Tokyo, Berlin, Brüssel und Amsterdam veranstaltet hat, ist das Ars Electronica Festival 2015 in Linz, die nächste Station. Auch Sie können daran teilnehmen und Produkte des Internets verkaufen! Die TeilnehmerInnenzahl ist allerdings begrenzt! Hier geht’s zur Anmeldung: Registrierung

Wir sprachen mit Yae Akaiwa and Kensuke Sembo, zwei Mitglieder des Japanischen Künstlerkollektives IDPW.

Hallo Yae Akaiwa und Kensuke Sembo! Ihr seid Teil des japanischen Künstlerkollektivs IDPW. Was bedeutet diese Abkürzung eigentlich? Auf eurer Website steht, dass ihr eine Geheimgesellschaft seid…

Yae Akaiwa: Der Name IDPW setzt sich aus I.D., also Identifikation, und Passwort zusammen. Der Begriff Passwort kommt aus dem Englischen „to pass“, also „passieren“, was heißt, dass man jederzeit und überall passieren kann, solange man das Kennwort hat. IDPW besteht aus etwa zehn Mitgliedern, die immer wieder mal auf den unterschiedlichsten Internetseiten unter diesem Namen auftauchen. Ursprünglich haben wir unser Projekt anonym begonnen, weil wir frei handeln wollten und nicht mit unseren gesellschaftlichen Positionen in Verbindung gebracht werden wollten.

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Fotocredit: Sebastiaan ter Burg

Auf eurer Webseite schreibt ihr: „Früher einmal, sollte das Internet ein Ort der Freiheit sein. Heutzutage, aber ist es so ‚verklemmt‘.“ Was genau bedeutet das und wie denkt ihr, wird sich das in Zukunft weiterentwickeln?

Yae Akaiwa: In den Anfängen des Internets, hat es online kaum Kommerz gegeben. Es sollte ein Ort der Freiheit sein, an dem alles erlaubt ist. Es war wie ein kleines Dorf, in dem Menschen Dinge miteinander tauschen konnten. Es war so etwas wie Autonomie und niemand hatte die Kontrolle.

Nachdem dann immer mehr Menschen das Internet nutzten, haben große Unternehmen wie Google, Apple und Facebook das Steuer im Internet übernommen und ihre eigenen Regeln aufgestellt. Woraufhin sich Datenschutzfragen und Flame Wars häuften.

Einige Leute sind der Meinung, dass dadurch das Internet heutzutage irgendwie „verklemmt“ ist. Deshalb haben wir Internet Yami-Ichi gegründet, um den ursprünglichen Gedanken des Internets in die Realität zu übertragen.

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Fotocredit: IDPW

Yami-Ichi bedeutet auf Deutsch Schwarzmarkt und ein Schwarzmarkt ist in der Regel etwas Illegales und Verbotenes. Warum habt ihr es so genannt? Hat der Markt etwas mit illegalen Dingen zu tun?

Kensuke Sembo: Das japanische Wort „Yami-Ichi“ wird meistens mit „Schwarzmarkt“ übersetzt. Betont man aber das Wort „yami“ anders, bekommt es im Japanischen eine andere Bedeutung. Dann bedeutet es nämlich „krank“ oder „süchtig“. Deshalb könnte eine alternative Übersetzung „Internet-süchtiger Markt“ sein. Auf diesem Markt handelt keiner mit gefährlichen oder illegalen Waren, sondern einfach mit digitalen Dingen in der realen Welt.

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Fotocredit: IDPW

Wie seid ihr auf die Idee gekommen einen Markt zu machen, auf dem Menschen digitale Dinge in der realen Welt, verkaufen können?

Kensuke Sembo: Die Grundidee eine Art Flohmarkt zu machen, hatten wir aufgrund des japanischen Comic-Flohmarkts „Comike“, der bereits seit 1975 zweimal im Jahr veranstaltet wird. Der Markt hat eine wirklich große Fan-Kultur in Japan. Dort werden sowohl selbstpublizierte Comics, als auch andere Do-it-yourself Produkte verkauft.

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Fotocredit: IDPW

Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer nehmen Dinge der digitalen Welt und transformieren sie in physische Objekte, die sie dann am Internet Yami-Ichi verkaufen. Welche Ideen haben die Leute? Was davon hat euch bisher am meisten begeistert?

Yae Akaiwa: Leute verkaufen nicht nur physische Objekte aus dem Internet, sie verkaufen auch Daten oder Rechte ihrer Aktivitäten im Internet. Beispielsweise hat einmal jemand die Rechte darauf verkauft, sein Facebook-Freund zu sein. Die Produkte, die bei Yami-Ichi verkauft werden sind sehr vielfältig und das ist uns auch sehr wichtig. Wir akzeptieren jedes Produkt, über das der Verkäufer oder die Verkäuferin sagen kann, dass es irgendwie mit dem Internet verbunden ist.

Einmal hatten wir einen Verkäufer namens “Internet Dude”, der Internet-Verhaltensweisen in das reale Leben übertragen hat. Er hat beispielsweise jemanden die ganze Zeit verfolgt, als Hommage darauf, wenn man jemandem auf Twitter folgt. Und er hat lauthals einen Satz, den man zu ihm gesagt hat, wiederholt und hat das dann „Real Retweet” genannt.

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Fotocredit: IDPW

Das Ars Electronica Festival 2015 ist die nächste Station. Das Thema des diesjährigen Festivals lautet „Post City. Lebensräume für das 21. Jahrhundert“. Bereits heute sind Onlineauktionen viel beliebter als traditionelle Flohmärkte. Glaubt ihr, Flohmärkte werden irgendwann komplett aussterben?

Kensuke Sembo: Ja, ich glaube, dass Flohmärkte im realen Raum in Zukunft aussterben werden. Nachdem wir mit unserem Projekt schon in verschiedenen Ländern waren, kann ich regionale Unterschiede zwischen den unterschiedlichen Märkten feststellen. Obwohl wir eigentlich alle mit dem Internet verbunden sind, sind wir immer noch sehr stark an unsere regionalen Gepflogenheiten gebunden. Deshalb glaube ich, dass Personen im echten Leben zu treffen, von Angesicht zu Angesicht, in Zukunft einen sehr wichtigen Stellenwert haben wird, nachdem unser Online-Leben dann schon komplett erfüllt ist.

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Fotocredit: IDPW

IDPW

uCiKPVf5Mm13N7LpQ65D03FJGA94HNL02FKUvokmuB0IDPW (I.D. Password, affectionately known as „I pass“) is a loose collective of 10-some Japanese media artists operating under the slogan „a secret society on the internet that goes back more than 100 years“, who descend on various internet scenes from time to time. They are known for having produced the „Internet Yami-Ichi (Internet Black Market)“, „Whatever Button“, „Text Party“ and other projects in monthly get-togethers. Among these, their „Whatever Button“ won the „New Face“ award at the 17th Japan Media Arts Festival, in 2012.

 

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Fotocredit: IDPW

Melden auch Sie sich an und verkaufen Sie am SA 5.9.2015 auf dem “Internet-Schwarzmarkt” ihre „digitalen Dinge“! Die TeilnehmerInnenzahl ist begrenzt! Hier geht’s zur Anmeldung: Registrierung

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