Karl Markovics: „Ich möchte mich wieder überraschen lassen“

Der Schauspieler, Regisseur und Drehbuchautor Karl Markovics wird erneut seine Rolle als Juror in der Kategorie “u19 – CREATE YOUR WORLD” des Prix Ars Electronica übernehmen. Im Interview spricht er über neue Medien sowie über Kinder und Jugendliche im Jahr 2016.

Karl Markovics
Credit: Florian Voggeneder

Spätestens seit seiner Hauptrolle im Film „Die Fälscher“, der 2008 den Oscar in der Kategorie „Bester fremdsprachiger Film“ gewann, ist Karl Markovics einem breiten Publikum über die Grenzen Österreichs hinaus bekannt. 2016 ist er bereits zum zweiten Mal als Juror in der Kategorie „u19 – CREATE YOUR WORLD“ beim Prix Ars Electronica mit dabei. Welche Gedanken sich der Schauspieler, Regisseur und Drehbuchautor über die heutige Zeit der jüngeren Generation macht und was für ihn eigentlich „Kreativität“ bedeutet, darüber haben wir mit ihm vorab gesprochen.

Auf welche Weise blicken Kinder und Jugendliche anders in die Zukunft als Erwachsene? Wie war das bei Ihnen als 9- und 17-Jähriger?

Karl Markovics: Man muss sehr vorsichtig sein, als Erwachsener über Ansichten von Kindern oder Jugendlichen zu sprechen; auch was die Erinnerung an die eigene Kindheit und Jugend angeht. Wenn man erwachsen ist, kann man die Welt nicht mehr mit Kinderaugen sehen. Und auch die Erinnerung ist geprägt davon, wer wir heute sind. Eines aber kann man mit Sicherheit sagen: Die Welt von heute ist eine völlig andere, als die Welt meiner Kindheit und Jugend, in der es noch kein Internet gab. Wir können heute von nahezu jedem beliebigen Ort Informationen, Bilder und Kontakte von anderen bekommen oder sie an andere verschicken. Das gibt uns eine tolle Möglichkeit und gleichzeitig birgt es eine große Gefahr.

„Die Möglichkeiten liegen auf der Hand: Wir können die ganze Welt auf einen kleinen Bildschirm holen. Die Gefahr: In der Fülle von Informationen „gute“ von „schlechten“, „richtige“ von „falschen“ zu unterscheiden. Aus Vielfalt kann rasch Überfülle und damit Beliebigkeit werden.“Karl Markovics

Karl Markovics, Ars Electronica Festival 2013

Karl Markovics bei der u19 Ceremony im Rahmen des Ars Electronica Festival 2013. Credit: Florian Voggeneder

Laut einer aktuellen Studie verbringt die jüngere Generation in Österreich vor allem am Wochenende durchschnittlich mehr als fünf Stunden pro Tag im Internet. Welche Chancen, aber auch Probleme, sehen Sie bei der Nutzung von neuen Technologien und Medien durch Kinder und Jugendliche?

Karl Markovics: Ich halte es für ganz wichtig, den richtigen Umgang mit dem Medium „Internet“ zu erlernen. Und damit meine ich nicht EDV-Unterricht, sondern den Umgang mit der Überfülle an Informationen, die uns durch das Internet zur Verfügung stehen. Früher reichte unsere Vorstellung von der Welt immer nur soweit, wie wir sie auch persönlich erlebt haben. Kamen wir nur bis ins nächste Dorf, war unsere Welt eben nur so groß. Heute bringt das Internet die ganze Welt in jedes Dorf. Aber kennen wir dadurch wirklich die ganze die Welt? Allein schon die Wahl der Suchmaschine und unsere persönlichen Vorlieben bestimmen, welche Informationen wir worüber bekommen. Das führt oft zu einem einseitigen Bild der Wirklichkeit.

Visual Drumset

Dominik Koller gewann 2013 die Goldene Nica in der Kategorie „u19 – CREATE YOUR WORLD“ mit seinem Visual:Drumset. Credit: Dominik Koller

Was verstehen Sie eigentlich als erfahrener Schauspieler, Regisseur und Drehbuchautor unter dem Begriff „Kreativität“?

Karl Markovics: „Kreativität“ bedeutet, etwas zu erschaffen, was vorher noch nicht da war. Das unterscheidet uns von allen anderen Lebewesen auf der Welt. Wir können zwar auch Elefanten beibringen, Bilder zu malen, aber sie würden es nicht von sich aus tun.

Sie sind bereits zum zweiten Mal Juror in der Kategorie u19 – CREATE YOUR WORLD. Wenn Sie sich zurückerinnern, was hat Ihnen bei den Einreichungen im Jahr 2013 am besten gefallen?

Karl Markovics: Ich war beim ersten Mal völlig überrascht von der Fülle und der Vielfalt an Ideen. Und ich freue mich schon jetzt darauf, mich wieder überraschen zu lassen. Das ist das Besondere an der u19-Kategorie: sie reicht von Volksschülern bis zu Maturanten, von der Buntstiftzeichnung bis zur 3D-Computeranimation. Und da möchte ich jetzt etwas zurücknehmen, was ich am Anfang gesagt habe:

„Man kann die Welt mit den Augen von Kindern und Jugendlichen sehen, wenn man sie so eindrücklich gezeigt bekommt, wie bei u19-CREATE YOUR WORLD.“ Karl Markovics

Ob fertige Projekte, Prototypen oder Ideen, ob Animationsfilme, Websites oder Zeichnungen, ob alleine, mit Freunden oder als Schulklasse – alle in Österreich lebenden Kinder und Jugendliche unter 19  Jahren können noch bis zum 13. März 2016 ihre Arbeiten online einreichen und haben die Chance, die begehrte Goldene Nica des Prix Ars Electronica 2016 sowie weitere Preise zu gewinnen.

Karl MarkovicsKarl Markovics, 1963 geboren, ist ein österreichischer Schauspieler, Regisseur und Drehbuchautor. Er arbeitete zunächst als Schauspieler in Wien, bevor er 1993 in der Rolle des Bezirksinspektor Stockinger in der TV-Krimiserie „Kommissar Rex“ auch einem breiteren Publikum bekannt wurde. Es folgten zahlreiche TV- und Filmrollen, daneben Theater-, Opern- und Musicalengagements. Die Hauptrolle des Salomon Sorowitsch in Stefan Ruzowitzkys Film „Die Fälscher“, der bei der 80. Oscarverleihung als „Bester fremdsprachiger Film“ ausgezeichnet wurde, blieb bis heute Markovics’ größter internationaler Erfolg als Schauspieler. Es folgten zahlreiche internationale Produktionen wie „Unknown“ mit Liam Neeson, „The Grand Budapest Hotel“ (Regie: Wes Anderson), „Lida Baarova“ (Regie: Filip Renc) und „Kongens Nei“ (Regie: Eric Poppe). 2009 war Markovics zusammen mit anderen österreichischen Filmschaffenden Mitbegründer der Akademie des Österreichischen Films. 2011 gab er mit dem Spielfilm „ATMEN“ sein Debüt als Regisseur und Drehbuchautor – die Produktion wurde unter anderem mit dem Prix Europa Cinemas Label bei den 64. Filmfestspielen von Cannes ausgezeichnet. 2015 folgte Markovics‘ zweite Arbeit „SUPERWELT“, die auf der 66. Berlinale seine Welturaufführung hatte und bei der Diagonale 2015 als Eröffnungsfilm gespielt wurde.

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