kameleon.ws gewinnt netidee-Spezialpreis

Das Schulprojekt „kameleon.ws“ hat beim Prix Ars Electronica 2016 den netidee-Spezialpreis gewonnen. Ernst Langmantel, der Vorstand von netidee, erklärt, was ihm an diesem Projekt so gefällt und stellt die größte Internet-Förderaktion Österreichs näher vor.

kameleon.ws
Credit: Formann, Hanappi, Wesp

Beim Prix Ars Electronica 2016 in der Kategorie „u19 – CREATE YOUR WORLD“ wurde erstmals der Spezialpreis netidee vergeben – ein Preis, der Arbeiten würdigt, die sich auf innovative Weise mit dem Internet der Zukunft auseinandersetzen oder das Internet als Impulsgeber zur regionalen Entwicklungen nutzen. 2016 geht der netidee-Spezialpreis an „kameleon.ws“, ein Projekt der drei Wiener Schüler Ulrich Formann, Kilian Hanappi und Simon Wesp, das als Diplomprojekt des Multimediazweiges der Höheren Graphischen Bundes-Lehr- und Versuchsanstalt Wien XIV entstanden ist. Sie haben einen völlig autonom funktionierenden Webshop entwickelt, über den T-Shirts mit individuellem Aufdruck erworben werden können. Die Motive werden von einem lernfähigen Computerprogramm generiert und basieren auf Daten des aktuellen Tagesgeschehens. Die Website „kameleon.ws“ selbst ist derzeit noch im Beta-Stadium und wird am 13. Juni 2016 online gehen. Wir haben mit Ernst Langmantel, dem Vorstand von netidee, über das Siegerprojekt und die noch laufende und größte Internet-Förderaktion Österreichs gesprochen.

T-Shirt kameleon.ws

Credit: Formann, Hanappi, Wesp

Wie gefällt Ihnen das Projekt „kameleon.ws“?

Ernst Langmantel: Das Projekt „kameleon.ws“ gefällt mir ganz ausgezeichnet. Es zeigt eine Möglichkeit, die weg geht von der Massenproduktion hin zu individueller On-Demand-Herstellung – im konkreten Fall von T-Shirts. Es nutzt eine neue digitale Wertschöpfungskette und ist für mich eine Ausprägung des vieldiskutierten Themas „Industrie 4.0.“ Das Projekt enthält wichtige Aspekte, die auch bei der „großen“ netidee-Projektförderung im Mittelpunkt stehen: Ein sehr kreativer, innovativer Lösungsansatz mit dem Internet als wesentliches Element, ein hohes Potential für die Verbreitung und Weiterentwicklung auch für andere Einsatzfälle und der hohe Anspruch insgesamt, den das Team selbst zu recht beschreibt als „(…) eine neue Herangehensweise an Produktion, Herstellung und Vertrieb eines Produkts“.

Sourceode kameleon.ws

Credit: Formann, Hanappi, Wesp

Die netidee selbst ist ja bereits in die nächste Runde gestartet. Warum ist es der Internet Privatstiftung Austria (IPA) so ein großes Anliegen, Fördergelder bis zu insgesamt einer Million Euro zu vergeben?

Ernst Langmantel: Die Förderung des Internet in Österreich ist der zentrale gemeinnützige Stiftungszweck der Internet Privatstiftung Austria, der in der Stiftungsurkunde verankert ist. Das netidee-Förderprogramm unterstützt in diesem Sinn Internet-Innovationen, die einen Beitrag zu einer positiven gesellschaftlichen Entwicklung leisten können. Das können technologische Innovationen sein oder auch Internet-Anwendungen. Wir freuen uns natürlich, dass wir als private Organisation dafür in den jährlichen Calls mittlerweile insgesamt eine Million Euro zur Verfügung stellen können!

Zentral ist dabei der Open-Source-Ansatz. Alle netidee-Projektergebnisse werden für die Nutzung und Weiterentwicklung öffentlich zur Verfügung gestellt. Für einzelne Projekte gibt es bis zu 50.000 Euro Förderung, bis zu 100 Prozent der Projektkosten werden damit finanziert. Neben der Projektförderung gibt es im Rahmen der netidee auch Stipendien für Diplom- und Masterarbeiten sowie für Dissertationen an österreichischen Fachhochschulen und Universitäten, die sich mit spannenden Themen des Internet beschäftigen. Für Diplom- und Masterarbeiten 5.000 Euro, für Dissertationen 10.000 Euro. Einreichschluss des heurigen netidee-Call11 ist übrigens der 13. Juli 2016. Alle Detailinformationen findet man auf www.netidee.at. Wir freuen uns auf viele spannende, kreative Einreichungen!

netidee 2015 winner

Die Gewinner der netidee 2015. Credit: netidee

Im Jahr 2016 gibt es erneut zwei netidee-Sonderpreise. Einer davon richtet sich an das Internet der Dinge. Was können wir von dieser immer dichter werdenden digitalen Vernetzung in den kommenden Jahren erwarten?

Ernst Langmantel: Unglaublich viel! Das Thema wird heute hinsichtlich der langfristigen Auswirkungen noch unterschätzt – ein Schicksal, das es mit vielen großen Umwälzungen teilt. Oft werden kurzfristige Effekte neuer Technologien zwar überschätzt, die langfristigen aber bei weitem unterschätzt. Zu den „Dingen“ gehören ja auch alle automatisierten Systeme, die „Roboter“, die mittlerweile verblüffende Fähigkeiten entwickelt haben – und das ist erst der Anfang! Das Internet der Dinge hat daher enormes positives Potential und wird uns gleichzeitig vor ganz große gesellschaftliche Herausforderungen stellen – Stichwort Arbeitsplätze. Umso wichtiger wird es sein, das positive Potential auch für gesellschaftlich positiv wirkende Innovationen zu nützen. Für mich persönlich ist – gerade auch in diesem Zusammenhang – das Thema sichere Internetnutzung noch weit von einem zufriedenstellenden Niveau entfernt. Niemand will beispielsweise mit dem „Smart Home“ neue Einfallstore für Diebe und Erpresser oder auch nur „Spaßvögel“ öffnen.

Mit dem zweiten Sonderpreis, “Internet for Refugees”, greift die netidee ein hochaktuelles gesellschaftliches Thema auf. An welche Einreichungen richtet sich die netidee dabei? Wie kann das Internet Flüchtlingen helfen?

Ernst Langmantel: Wir wollen einen Beitrag zu einer guten und möglichst raschen Integration der Flüchtlinge leisten. Dabei kommt neben Informationen aller Art in vielen Sprachen dem Erwerb der deutschen Sprache hier in Österreich eine besondere Bedeutung zu. Eine selbstverstärkende Wirkung, ein sogenannter Schneeballeffekt, ist ein grundsätzliches Kriterium bei der Auswahl der netidee-Förderprojekte. Für Einreichungen zum Sonderpreis ist das aber ganz besonders wichtig. Wir brauchen Lösungen, die die Flüchtlinge aktiv miteinbeziehen. Jene, die schon bessere Sprachkenntnisse haben, helfen anderen mit schlechteren – in deren jeweiliger Muttersprache.

Es gibt national und international bereits viele Initiativen zur Flüchlingsthematik. Ich würde mir daher wünschen, dass man vor einer Einreichung gut recherchiert und die kreative Energie in die Weiterentwicklung von Bewährtem oder in ganz neue Lösungsansätze steckt. Für Auswahl und Verleihung dieses Sonderpreises beim öffentlichen netidee-Event am 17.11.2016 konnten wir übrigens einen international ganz renommierten Experten gewinnen: Kilian Kleinschmidt, der gegenwärtig auch die deutsche Bundesregierung zur Flüchtlingsthematik unterstützt und auch beim Ars Electronica Festival 2015 als Redner zu Gast war.

bio_langmantelDas Berufsleben begann für Ernst Langmantel nach AHS und einem Studium der Nachrichtentechnik an der TU Wien 1983 mit einem Software-Entwicklungsjob bei Siemens in Wien. Im Bereich Kommunikationstechnik stand das analoge deutsche Mobilfunknetz-C am Programm, wo noch Jubel ausbrach, als der Beschluss bekannt wurde, das System für damals sensationelle 100.000 Teilnehmer zu erweitern. In weiterer Folge wechselte Langmantel in den Bereich der privaten Kommunikationssysteme, wo er mit seinen Mobilfunknetzerfahrungen und einigen Patenten als Projektleiter maßgeblich an den mobilen Funk-Mehrzellen-Erweiterungen für die Telefonsysteme auf Basis des digitalen Schnurlos-Standards DECT beteiligt war. Mit Beginn der EU-weiten Deregulierung öffentlicher Telefonnetze 1998 wechselte Langmantel als Leiter der technischen Abteilung zur österreichischen Regulierungsbehörde für Telekommunikation, später auch für Rundfunk RTR. In dieser Funktion arbeitete er in einem spannenden interdisziplinären Umfeld aus Technik, Wirtschaft und Recht und war in dieser Zeit auch Hauptverantwortlicher für das österreichische Telefonnummernsystem. Die Suche nach neuen Herausforderungen führte 2011 in die Selbstständigkeit als Unternehmensberater im Bereich Kommunikationstechnik mit Projekten bis in den Nahen Osten. Seit Beginn 2013 ist er auch Vorstandsvorsitzender der Internet Privatstiftung Austria – Internet Privatstiftung Austria (IPA) und dort unter anderem für Abwicklung und Weiterentwicklung des netidee-Förderprogramms verantwortlich.

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