Der neue Treffpunkt für Berlins Start Up Szene: SAP Data Space

Seit 15 Jahren arbeitet SAP mit dem Linzer Ars Electronica Futurelab zusammen. Das neueste Projekt davon wurde am 12. Dezember 2016 erstmals der Öffentlichkeit präsentiert: der „Data Space“ an der Rosenthalerstraße 38 in Berlin Mitte.

Credit: Peter Holzkorn

Berlin gilt neben London für Gründer und Tech Start Ups als die beliebteste Stadt. Entlang der U8, einer der Haupt-Nord-Süd Verbindungen des öffentlichen Nahtransports, verdichtet sich die Szene vor allem ab Mitte in Richtung Kreuzberg, wo in Hinterhöfen kleine Büros und Werkstätten in den letzten Jahren wie Pilze aus dem Boden geschossen sind. Verlässt man die U-Bahn am Rosenthaler Platz, hat man nicht weit zu den Hackeschen Höfen, deren Räumlichkeiten sowohl von gastronomischen Einrichtungen als auch von Betreibern kreativer Berufe genutzt werden.

In der Rosenthalerstraße 38 bei den Hackeschen Höfen findet man den Eingang zum SAP Data Space. Credit: Peter Holzkorn

Der Softwaregigant SAP hat nun in unmittelbarer Nachbarschaft dieses Treff- und Kommunikationspunktes ein Café eröffnet, das einen digital gesteuerten Gastronomiebetrieb mit der technologisch orientierten Start Up-Szene unter ein Dach gebracht hat. Als langjähriger Partner für künstlerische Umsetzungen prestigeträchtiger Projekte (Quell.Code, Building Bridges, Monolith/Vedaport) hat das Ars Electronica Futurelab einen Teil dieses so genannten „Data Space“ mit gestaltet. Projektleiter Stefan Mittlboeck-Jungwirth-Fohringer, Künstler & Entwickler Peter Holzkorn und Entwickler Clemens Francis Scharfen verbrachten mehrere Wochen mit der Installation zweier innovativer Features, die sie in dem folgenden Interview vorstellen. In Teil 1 geht es um die Ideenfindung und den so genannten „Data Room“.

Der Blick aus der Mitte der Data Kitchen fällt der Blick auf den Data Room (rechts) und die Außenterrasse des SAP Data Space. Credit: Peter Holzkorn

Wie ist das Projekt rund um den „Data Space“ entstanden und was verbirgt sich hinter der Idee?

Stefan Mittlböck: Die Idee ein Café einzurichten kam von SAP. Dieses Café ist Treffpunkt und zugleich ein Arbeitsplatz, der technische Innovatoren zusammenbringt um neue Ideen auf den Weg zu bringen. Grundgedanke ist der, dass man, um an der Innovationsspitze bleiben zu können, außerhalb seiner eigenen Mauern Plätze schaffen muss, die inspirierend sind. In der Location der Rosenthalerstraße 38 gibt es zwei Ebenen, wobei das untere Stockwerk das Café beherbergt und das obere, Räumlichkeiten für Start Up Unternehmen bietet. Das Unterfangen dient der Schaffung eines Veranstaltungsraumes und gleichzeitig als potenzielles Reservoir kreativer Zuarbeiter. Natürlich sollte man den Aspekt eines fortschrittlichen Images nicht außen vor lassen.

Der Data Room mit dem vom Ars Electronica Futurelab in Kooperation mit der Designmöbel-Manufaktur artisengineering und der Innenarchitektin Laura V Rave entwickelten Data Furniture (Table & Wall). Credit: Peter Holzkorn

Peter Holzkorn: Der gesamte Komplex heißt „Data Space“ und der Kantine-Bereich trägt den Namen „Data Kitchen“. Die „Data Hall“ repräsentiert den Veranstaltungsbereich und schließlich gibt es noch den „Data Room“. Alles in allem ist der Hauptaspekt dieser Idee eine Community, die sich in der ersten Etage, dem sogenannten „Data Hub“ einmietet und in einem entsprechenden Ambiente kreativen Austausch betreibt. Die Start Ups sollen idealerweise mit dem Kerngeschäft von SAP etwas zu tun haben, sodass es eine potenzielle Durchdringung gibt.

 Welchen Part hat das Ars Electronica Futurelab bei der Einrichtung gespielt?

Stefan Mittlböck: Die Konzeption der beiden Projekte „Data Kitchen“, bzw. Food Wall und „Data Room“ ist über einen längeren Zeitraum natürlich gewachsen. Bei der Raumgestaltung kam es darauf an, dass man im Eventbereich jederzeit eine Veranstaltung durchführen kann.  Insofern ist der Bereich der Bar- und der Eventbereich vom „Data Room“ separiert – der Datenraum, wo die Kreativprozesse in Gang gesetzt werden sollen und zwar vor dem Hintergrund des so genannten „Art Thinkings“. Der Tisch ist als Datafurniture ausgeführt – er besteht aus 12 Schichten, wobei jede einzelne Schicht die demographischen Daten eines Stadtbezirks von Berlin repräsentieren soll, was aber ein Designfeature ist und keine Auswirkungen auf die Funktionalität hat.

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Die Eröffnung des SAP Data Space lockt viele Neugierige in die Data Kitchen. Credit: Peter Holzkorn

Könnt ihr den Begriff des „Art Thinking“ in diesem Zusammenhang erläutern?

Peter Holzkorn: Der Begriff meint nach dem Verständnis von Horst Hörtner, dass man noch bevor man im Start-Up Unternehmen eine Idee formuliert und Details festlegt, durch freie Assoziationsketten erst einmal Ideen generiert. Deshalb auch der Begriff „Data Room“.

Stefan Mittlböck: Anders als beim „Design Thinking“, wo es um das Lösen einer konkreten Aufgabenstellung geht, beschreibt „Art Thinking“ den Schritt davor, die Stelle, an der man Visionen braucht. Diese sollen durch Kreativprozesse in Gang gesetzt werden. Wenn man so will ist der Tisch ein „Visionsfindungsgerät“

Peter Holzkorn: Es gibt zwei Modi den Tisch zu verwenden… Du lässt die Öffentlichkeit mit dem Tisch spielerisch umgehen, das ist immer dann, wenn gerade nichts Spezielles im Data Room geplant ist. Wenn allerdings ein Start-Up Unternehmen den Raum für eine spezielle Workshop-Session bucht, dann ist die empfohlene Vorgehensweise so, dass es einen Moderator geben soll, der beim Brainstorming lenkt. Als solcher wird er das Thema des Workshops in einer gewissen Art und Weise vorbereitet haben, vielleicht in Texten und Begriffen. Getreu  den Workshops von Hideaki (Ogawa) und Christopher (Lindinger) nennen wir die vorbereiteten Inhalte „Seed Cards“, bei denen die Kunden Projekte oder Designideen auf tatsächlichen Karten präsentiert bekommen, wozu dann in analoger Art und Weise, die Kunden frei assoziieren. Bei den digitalen Workshops wie wir sie mit dem Tisch als Interface nun ermöglichen, können die Teilnehmer und Teilnehmerinnen ohne weiteres Ihre Inhalte hinzufügen, live und „on the spot“ sozusagen. Das Ganze funktioniert ganz ohne USB oder Schnittstellen. Man braucht keinen spezifischen Zugang. Es gibt einen QR-Code, der für die Zeit des Besuchs gilt. Mit diesem kannst Du mittels Deines Tablets oder Smartphones Bilder und Texte übermitteln.

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Eine Detailaufnahme eines Datensatzes, wie sie auf der Datawall ausgewiesen wird. Credit: Peter Holzkorn

Wie kann man den Tisch und die Wand nun einsetzen um Kreativprozesse in Gang zu setzen?

Peter Holzkorn: Man füttert mit dem Content, also Bildern und Texten, einen Algorithmus, der sowohl naheliegende aber auch überraschende Verknüpfungen auswirft. Im Unterschied zu einer Suchmaschine sind die generierten Ergebnisse assoziativ und nicht wie bei Google nach Relevanz generiert. Zum Beispiel bekommt man bei der Begriff-Eingabe von „Wasser“ im letztgenannten Fall mehr oder weniger eine 1:1-Repräsentation von Wasser, wohingegen der Tisch auch mehr oder weniger artverwandte Assoziationen wie „Blautöne“, „Tränen“ oder „Traurigkeit“ als Kette hervorbringen würde. Würde man diesen Algorithmus lokalisieren, wäre er irgendwo zwischen Google, wo die Verknüpfung sehr direkt funktioniert und Pinterest, wo alles Mögliche ausgespuckt wird, finden.

Die gefundenen Ergebnisse lassen sich wie vom Smartphone oder vom Pad her gewohnt per Handbewegung verschieben. Credit: Peter Holzkorn

Wie habt ihr die Koordinaten festgelegt, aus was füttert sich der Algorithmus? Das muss ja eine riesige Datenbank sein…

Peter Holzkorn: Die Datenbank speist sich aus Ergebnissen unserer Meta-Suchmaschine, die Fotodatenbanken inkludiert, und einer Sammlung ausgewählter Blogs bzw. gewisser Pinboards, die User regelmäßig pflegen. Es geht um Plattformen, deren Betreiber und Nutzer kontinuierlich interessante Inhalte hinzufügen. Um bei dem Beispiel „Wasser“ zu bleiben, müssen es bei der Auswertung keine Plattformen sein, wo „Wasser“ das zentrale Thema ist, sondern spannender Content im Allgemeinen vorhanden ist.

Clemens F. Scharfen: Neben unserer Onlinesuche wird auch die eigene Seedcard-Datenbank des Ars Electronica Futurelab abgefragt. Diese beinhaltet viele Kunstprojekte, die im Zusammenhang mit der Ars Electronica stehen. A propos Datenbank … Die Workshop-Sessions werden jeweils unter einem Datensatz abgelegt und können von anderer Stelle durch einen Link abgerufen werden, sodass z.B. das Team an den gefundenen Ergebnissen in den eigenen Räumen weiterarbeiten kann. Diese Ergebnisse, wie Links zu den gefundenen Bildern und Seiten, findet man auf einer Homepage, auf die nur der Moderator der Session Zugriff hat.

Rechts der Bar befindet sich die „Foodwall“, die Designmöbel-Manufaktur artisengineering und der Innenarchitektin Laura V Rave installiert und designed wurde. Credit: Peter Holzkorn

Im zweiten Teil des Interviews geht es um die Foodwall und wie man mit einer App sein Menü ohne Wartezeit im Data Café vorbestellt.

 

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