Sky Compass: Schlägt die Sterne als Navigationshilfe

Da Tokyo einen massiven Zustrom von Touristen im Jahr 2020 erwartet, arbeiten NTT, Japans größter Telekommunikationsanbieter, und das Ars Electronica Futurelab zusammen an einem Himmelskompass, der die Besucher und Besucherinnen leiten soll.

Sky Compass by AndreasRöbl
LIVA, Andreas Röbl

Was Urbanisierung betrifft liegt Tokyo an der einsamen Spitze: es übertrifft das nächst-größte städtische Einzugsgebiet in seiner Ausbreitung um 50%. Außerdem trägt Japans Hauptstadt die Krone als  Stadtlandschaft mit der weitesten Ausbreitung schon länger als alle seine Vorgänger. Tokyos erstaunliche Dichte wird noch offensichtlicher wenn in Zukunft der Touristenzustrom wächst, eine Hauptherausforderung für eine Landeshauptstadt, die im Zusammenhang mit baldigen Megaevents gemeistert werden soll – allerdings auch eine Chance für innovative Gestalter wie dem japanischen Telekommunikationsgiganten NTT.

Spaxelstest im Rahmen der Sky Compass Entwicklung am Ars Electronica Futurelab. Das Team (von links nach rechts: Otto Naderer, Peter Holzkorn, Hideaki Ogawa, Martin Mörth, Michael Platz

Spaxels-Proben am Ars Electronica Futurelab: (links nach rechts) Otto Naderer, Peter Holzkorn, Hideaki Ogawa, Martin Mörth, Michael Platz. Credit: Markus Scholl

Als ein Folgeprojekt im Bereich Kommunikationsdesign, das auf die Entwicklung eines frischen und aufregenden Beschilderungssystems gerichtet war, werden NTT und das Ars Electronica Futurelab ihre bereits begonnene Zusammenarbeit in den kommenden Jahren vorantreiben. Sie werden allerdings den roten Faden, der sie beim Ars Electronica Festivals 2016 zusammengebracht hat, nicht weiter spinnen. Waren es mit Ars Wildcard+ noch ein ausgetüfteltes APP-basiertes System, das von NTTs winkelfreier Objekt-Such-Technologie unterstützt wurde, und mit Deformation Lamp ein magisches Lichtsystem, das statische Objekte bewegte, experimentieren beide Parteien nun mit den SPAXELS® als mögliche Wegweiser.

Spaxels im Formationsflug bilden einen Pfeil im Rehearsal Space des Ars Electronica Futurelab.

Das Szenario der Flugformation mit einer Gruppe von interagierenden SPAXELS ® Credit: Markus Scholl

Dieser illuminierte Schwarm von unbemannten Luftfahrzeugen, der von Horst Hörtner, Senior Direktor des Ars Electronica Futurelab, erfunden wurde, schrieb mit dem Event Drone 100 Geschichte und ist bereits zu einer eigenen Sprache geworden. Die erstaunliche Vielseitigkeit der SPAXELS® macht eine unendliche Zahl an Formationen und ein riesiges Spektrum von Farben möglich, was wiederum eine gefühlsgeladene Erfahrung für Zuschauer bedeutet.

Da Drohnen bereits bei einer Vielzahl von Dienstleistungen zum Einsatz kommen – zum Beispiel bei Filmdrehs, der Gebirgsrettung und in der Logistik — werden sie in der Zukunft eine noch viel größere Rolle im Alltag der Menschen spielen. Bis jetzt wurden sie allerdings noch nie als Orientierungshilfe oder als Beschilderung eingesetzt. Bevor es dazu kommt, gibt es allerdings eine Menge Herausforderungen für NTT und das Ars Electronica Futurelab zuö meistern. Der Ausgangspunkt für eine größere Unternehmung, der so genannten “SPAXELS® Research Initiative” (Arbeitstitel) wurde mit der bisweiligen Zusammenarbeit bereits  gesetzt.

Projektleiter Hideaki Ogawa mit der "Leine" und dem Ring, der die Drohne als "Haustier" steuert.

Hideaki Ogawa zeigt den Ring und die “Leine”, die die Drohne mit dem Träger verbindet. Credit: Markus Scholl

Bis Drohnen zum Alltagsgegenstand werden, müssen noch eine ganze Menge Probleme gelöst werden; neben den rechtlichen Aspekten, natürlich die technischen aber auch die psychologischen Implikationen. Die Akzeptanz von Drohnen in einer alltäglichen Umgebung ist bis dato noch nicht gesellschaftlich durchgedrungen. Sie werden bis dato hauptsächlich als Hobby wahrgenommen. Aber da es sich in diesem Zusammenhang um Japan dreht, ein Land in dem es eine ungleich größere Akzeptanz gegenüber dem Einsatz von Robotern gibt, wird der dortige Nutzen von Drohnen im Jahr 2020 ein ganz anderer sein; zumal die technische Revolution auf diesem Gebiet gerade erst richtig beginnt.

Evolution des Sky Compass:

Die Idee die SPAXELS® als Beschilderung und Navigationssystem zum Einsatz zu bringen, stammt von den Ars Electronica Futurelab Teammitgliedern   Hideaki Ogawa, Roland Haring und Nicolas Naveau, die den Nutzen von Drohnen in zweierlei Richtung denken: einmal als einen Hund an der Leine oder in der Gestalt eines Hinweispfeils. Die erste Herangehensweise war die Generierung eines User Responsibility Designs, das den Unterschied zwischen der verkabelten  (Hund an der Leine) und der unverkabelten Lösung (die Himmelsbeschilderung) auszuarbeiten. Mit beiden Ansätzen unter dem Arbeitstitel Himmelskompass “Sky Compass,” steht die erste Lösung im Dienst eines persönlichen Navigationsservices und die zweite der Öffentlichkeit.

Ein Spaxel an der leine simuliert einen Führhund, der das Herrchen zur gewünschten Location bringt.

Die verkabelte Drohne gleicht dem Bild eines Hundes an der Leine. Herrchen Hideaki Ogawa erhält zusätzliche Informationen über die Projektion, die sich auf seinem Körper abzeichnet.  Ars Electronica Futurelab. Credit: Markus Scholl

Andere zu lösende Aufgaben drehen sich um die Fragen wie man mit dem “fliegenden Hund” kommuniziert und wie ein Smartphone zu einem Smart Pet werden kann, das über dem Kopf seines Herrchens oder Frauchens schwebt. Außerdem gibt es noch die Forschungsaufgabe eines ansprechenden Animationsdesigns. Der große Pfeil zeigt Menschen den Weg, aber er schafft auch ein gesellschaftliches Bewusstsein, nämlich über das Sammeln von Big Data, also Daten, die über die Stimmungslage und solche die über den Andrang beim jeweiligen Event Auskunft geben. Am Ende des Tages müsse vor allem Symbole gefunden werden, die analog zu Verkehrszeichen keinen Zweifel über ihre Bedeutung zulassen.

Kürzlich gab es in den Studios des Ars Electronica Futurelab Versuche verschiede Kommunikationsszenarien herzustellen.

Das erste Konzept eines Drohnen-basierten Wegweisersystems war das verkabelte. Immer dann wenn ein User im Besitz eines ringförmigen Interfaces ist, hebt die Drohne vom Boden ab und folgt. In Abwesenheit des Ringträgers landet sie. Indem man der Drohne sprichwörtlich ein Ziel sagt, fängt sie an zu führen (sich zu bewegen). Sie projiziert gleichzeitig Informationen auf den Boden, sodass der Nutzer zusätzliche Informationen erhält. Um die Drone mit einem Spracherkennungssystem zu verbinden wird ein R-env System (Link https://www.r-env.jp) benutzt.

Formationsflug von 6 Spaxels zu einem "Verkehrszeichen" im Rehearsal Space des Ars Electronica Futurelab.

SPAXELS® können sich zu einem Pfeil und generell zu einem x-beliebigen abstrakten Symbol formieren. Credit: Markus Scholl

Das zweite Konzept sieht eine Himmelssprache vor. In der Laborsituation beginnen die Drohnen eine Schlüsselfigur wie ein X oder einen Pfeil zu fliegen um die FußgängerInnen zu leiten. Nach dieser Einführung des Grundkonzepts beginnen die Drohnen auf Echtzeitinformationen zu reagieren. So verweisen sie auf die populärsten Lokalitäten des NTT Forums und geben Stauinformationen.

Das Ziel ist das Jahr 2020, wenn die Olympischen Spiele in Tokyo abgehalten werden. Dann, wenn die Drohnen bei der Formation eines Himmelskompasses involviert sein werden und den BesucherInnen den Weg zum Stadium weisen, wird die Welt um eine spektakuläre Innovation reicher sein, wenn das Ars Electronica Futurelab und NTT Tokyo im Jahr 2020 gemeinsam animieren.

 

NTT R&D Forum 2017

https://labevent.ecl.ntt.co.jp/forum2017/e/index.html

Thursday & Friday, February 16-17, 2017; 10 AM-5 PM

NTT Musashino Research and Development Center, Tokyo, Japan

 

Zu diesem Event kann man sich vorab anmelden.

Contact Info:

cr-team@lab.ntt.co.jp

2020 Epoch-making Project

NTT Service Evolution Laboratories

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