C … what it takes to change

Wissen, Kreativität, Ideen: die Rohstoffe der Zukunft. Geschenkt! Das hat sich nun wirklich schon herumgesprochen und wird routiniert und eifrig von Politik und Wirtschaft propagiert. Alle sind für Kreativität, alle wollen besser ausgebildete MitarbeiterInnen und alle wollen von neuen Ideen profitieren. Super! Aber wer will dazu etwas beitragen? Wer versteht, dass diese Rohstoffe nicht abgebaut, sondern aufgebaut werden müssen, dass man sie nicht gewinnen, sondern nur investieren kann? Nur wenn wir das Ökosystem von Kreativität und Innovation verstehen, respektieren und ausreichend mit Nährstoffen versorgen, können wir uns auch erhoffen davon zu profitieren.

Kreativität und Innovation fallen nicht vom Himmel und lassen sich auch durch kein noch so schlaues Designthinking und strategisches Innovationsmanagement herbeiplanen. Interdisziplinarität kann nicht heißen, dass sich viele den gleichen Kuchen teilen und jeder sein Stück bekommt, sondern den Kuchen gemeinsamen zu backen, indem jeder sein Stück einbringt. Binsenweisheit? Ja natürlich, aber reden Sie mal mit den CEOs, den Forschungs- und EntwicklungsleiterInnen, mit den MarketingdirektorInnen und KulturmanagerInnen, mit den PolicymakerInnen.

Also, was braucht es und was ist zu tun? Was ist eigentlich wichtiger, neue Wege zu gehen oder eine andere Richtung einzuschlagen? Offene Räume, Orte der Begegnung und des Austausches, Überraschungen und Inspirationen, die Erfahrung, Dinge selbst zu machen, zu gestalten, zu entwickeln, den Mut zu scheitern, den Spaß, die eigenen Ideen mit den anderen zu teilen. Künstler, Wissenschaftler, Ingenieure, Unternehmer, Vordenker, Nachahmer und Bessermacher, Einzelgänger und Teamgeister, Querulanten und Konsprianten, Tüftler und Träumer, uns alle.

… oder ist es ohnehin nur eine Illusion, wenn wir meinen, den Lauf der Dinge ändern zu können? Das C im Titel der Ars Electronica 2014 steht für Change, für Confidence und für Craving – das Vertrauen und die Sehnsucht nach Veränderung aber auch für Creativity, Collaboration und für Catalysts. Wenn es darum geht, eine chemische Reaktion herbeizuführen, muss Energie zugeführt werden. Manchmal reicht das nicht aus und man braucht dafür auch einen Katalysator. Einen Stoff, der es den Elementen, die man zum Reagieren bringen will, leichter macht, sich aufeinander einzulassen und etwas Neues hervorzubringen. Konkret gesagt, reduziert ein Katalysator die freie Energie, die für eine Reaktion notwendig ist, ohne sich selbst dabei zu verbrauchen.

Ist das nicht auch eine großartige Beschreibung der Wirkung, die Kunst in gesellschaftlichen Transformations- und Erneuerungsprojekten entfalten kann? Künstler als Katalysatoren, ein Konzept, das es wert ist, genauer untersucht zu werden.


Foto: Stadtplanung Linz, Heimo Pertlwieser

Das Ars Electronica Festival zieht es heuer in die City

Schon seit Jahren ist das Markenzeichen von Ars Electronica, dass ein guter Teil des Festivals draußen, auf den Straßen, Plätzen und Parks der Linzer Innenstadt über die Bühne geht. Und ganz in dieser Tradition wird heuer alles neu auf den Kopf gestellt und das Festival aus den Häusern der Kunst und Kultur in die Stadt verlagert, als Festival in Bewegung, auf der Suche nach neuen Wegen in die Zukunft. Neben klassischen Festivalschauplätzen wie dem Linzer Hauptplatz, dem OK, der Kunstuni, dem Brucknerhaus und dem Ars Electronica Center selbst werden vor allem die Arkade, das Sparkassengeviert und das Akademische Gymnasium, aber auch der Innenhof und Garten der Bischofsresidenz, die Spittelwies, der Dom mit seinem Vorplatz beispielt – eine „FestivalCity“, die sich von Promenade bis zur Bischofstraße und von der Landstraße bis zur Herrenstraße erstrecken wird. Fünf Tage lang wird sich das Festival innerhalb dieser Grenzen ansiedeln.

Hier und da wird dies ganz subtil passieren, sodass bloß der Ortskundige weiß, dass die Änderungsschneiderei wirklich hier hergehört und nicht etwa Teil des Festivals ist, das sich dem Wandel, eben der Veränderung, verschrieben hat. Dann wieder wird es ziemlich offensichtlich sein, dass es KünstlerInnen sind, die da auf Einladung der Ars Electronica hin die jeweiligen Shops und Auslagen, Foyers, Gastgärten, Innenhöfe, Klassenzimmer, Turnsäle, Werkräume, Tiefgaragen, Straßen und Plätze mit ihren Objekten, Installationen und Sounds bespielen, gestalten, beeinflussen und verändern. Hier mit Augenzwinkern und Ironie, dort ganz ernsthaft und nachdenklich. Alles in allem wird es also ein spannendes Experiment, das die Ars Electronica heuer wagt. Ganz genau das ist es aber auch, was ein Festival tun muss, das sich den Wandel auf die Fahnen schreibt. Den Mut aufbringen, sich selbst zu verändern – und sich auf die Probe zu stellen. Kommen Sie mit bei einem ersten Rundgang durch die FestivalCity auf unserem Ars Electronica Blog.


Festival Ars Electronica

Jedes Jahr wieder beinhaltet das Programm der Ars Electronica eine ganze Palette an verschiedenen Formaten und Angeboten. Die vielfältige Auswahl reicht von Konferenzen und Vorträgen über Ausstellungen bis zu Konzerten, Performances und Interventionen. Schauplatz dieser künstlerisch-wissenschaftlichen Recherche sind diverse Kunst- und Kulturhäuser, genau wie der öffentliche Raum in der Stadt Linz. Einen Eindruck vom Festivalreigen des Vorjahres erhalten Sie auf der Website der Ars Electronica 2013. Impressionen dazu finden Sie hier.

Konzerte

Orchestermusik und digitale Klänge einerseits, Live-Elektronik und Visualisierungen andererseits: Seit 2002 sind das die programmatischen Pole der Großen Konzertnacht von Ars Electronica Festival, Brucknerhaus Linz und Bruckner Orchester Linz. Der langen Tradition der elektronischen Musik im Festival verpflichtet, widmet die Ars Electronica dem für die Medienkunst so wichtigen Feld der Musik einmal mehr einen eigenen Programmschwerpunkt im und vor dem Brucknerhaus. Der Ars Electronica Music Day ist eine Plattform für Sound Art, Radiokunst, Klangskulpturen und Klanginstallationen. Die Konzertsäle und der Donaupark werden zu Klang- und Aktionsräumen für Listening Sessions, Performances, Vorträge und Gespräche. Fotos von der Großen Konzertnacht 2013 und vom Ars Electronica Music Day 2013 finden Sie auf Flickr.

Ausstellungen

Die CyberArts-Ausstellung im OK im OÖ Kulturquartier zählt alljährlich zu den Festival-Highlights. Die hier präsentierten Werke sind allesamt aktuelle Einreichungen zum Prix Ars Electronica, dem weltweit renommierten Medienkunstwettbewerb und sind somit Leistungsschau und Gradmesser der digitalen Kunst. Bei der Themenausstellung in der FestivalCity erwarten BesucherInnen Jahr für Jahr unterschiedliche künstlerische Zugänge zum jeweiligen Festivalthema. Impressionen von der CyberArts-Ausstellung des Vorjahrs finden Sie hier.

Konferenzen

Das diesjährige Konferenzprogramm der Ars Electronica gruppiert sich rund um das Themensymposium C … what it takes to change, dessen Sessions in der FestivalCity stattfinden werden. Mehrere Locations mitten in der Stadt Linz werden so während des Festival zu Orten des Gesprächs und der Begegnung von und mit herausragenden WissenschaftlerInnen und KünstlerInnen. Während des „Future Innovators Summit“ werden sowohl erfahrene Fachleute als auch JungunternehmerInnen und SozialaktivistInnen, TechnikerInnen und WissenschaftlerInnen, und natürlich auch KünstlerInnen und DesignerInnen zusammentreffen, um sich gegenseitig zu inspirieren und Ideen und Know-how auszutauschen. Impressionen zum Themensymposium des Vorjahrs finden Sie hier.

Deep Space

Ein Besuch des Deep Space ist ein unvergleichliches Erlebnis – nirgendwo sonst auf der Welt können Sie Bilder, Filme, Animationen und 3D-Applikationen in einer solchen Auflösung und Größe erleben. Ausgestattet mit insgesamt acht 1080p HD- und Active Stereo-fähigen Barco Galaxy NH12 Projektoren, können hier 16 mal 9 Meter große, gestochen scharfe Bilder auf Wand und Boden projiziert werden. Der optimale Ort für Konzerte, Performances und Präsentationen. Was der Deep Space des Ars Electronica Center zu bieten hat, sehen Sie hier.
Fotos, die beim Ars Electronica Festival 2013 im Deep Space aufgenommen wurden, liegen hier bereit.

Animationen

Als Destillat aus den Einreichungen zum diesjährigen Prix Ars Electronica besticht das Ars Electronica Animation Festival einmal mehr mit Vielfalt im Inhaltlichen wie auch im Gestalterischen. Eindrücklich vermittelt es, wie expansiv das Genre selbst wächst und wie stark es unseren Alltag bereits durchdringt. Wie schon im letzten Jahr findet im Rahmen der Ars Electronica 2014 auch wieder eine Fachtagung, in Zusammenarbeit mit der Fachhochschule Hagenberg, rund um digitale Animationen statt. Fotos rund um das Ars Electronica Animation Festival 2013 liegen hier.

u19 – CREATE YOUR World Zukunftsfestival der nächsten Generation

Das u19 – CREATE YOUR World Zukunftsfestival der nächsten Generation ist Schauplatz für das Entstehen und Austauschen von Ideen, Problemlösungen, Konzepten und Experimenten für die Zukunft von Jugendlichen unter 19 Jahren. Auf der Spittelwiese der FestivalCity – mitten in Linz – können junge KünstlerInnen, ProgrammiererInnen und TüftlerInnen in einer bunten Festivalstadt zeigen, wie sie die Welt von morgen sehen. Junge Leute sind somit nicht nur Publikum, sondern auch MitgestalterInnen des Festivals. Fotos von u19 – CREATE YOUR WORLD 2013 finden Sie hier.


Gerfried Stocker (AT)
Gerfried Stocker ist Medienkünstler und Ingenieur der Nachrichtentechnik. 1991 gründete er x-space, ein Team zur Realisierung interdisziplinärer Projekte, das zahlreiche Installationen und Performance-Projekte im Bereich Interaktion, Robotik und Telekommunikation realisiert hat. Seit 1995 ist Gerfried Stocker künstlerischer Geschäftsführer von Ars Electronica. 1995/96 entwickelte er mit einem kleinen Team von KünstlerInnen und TechnikerInnen die richtungsweisenden neuen Ausstellungsstrategien des Ars Electronica Center und betrieb den Aufbau einer eigenen Forschungs- und Entwicklungsabteilung, des Ars Electronica Futurelab. Unter seiner Führung wurden ab 2004 das Programm für internationale Ars Electronica Ausstellungen aufgebaut und ab 2005 die Planung und inhaltliche Neupositionierung für das neue und erweiterte Ars Electronica Center aufgenommen und umgesetzt.

Christine Schöpf (AT)
Seit 1979 wirkt Christine Schöpf maßgeblich an der Entwicklung von Ars Electronica mit. Zwischen 1987 und 2003 war sie federführend an der Konzeption und Organisation des Prix Ars Electronica beteiligt und ist seit 1996 gemeinsam mit Gerfried Stocker für die künstlerische Leitung des Ars Electronica Festival verantwortlich. Christine Schöpf studierte Germanistik und Romanistik und war anschließend als Radio- und Fernsehjournalistin tätig. Von 1981 bis 2008 leitete sie das Kultur- und Wissenschaftsressort des ORF Oberösterreich. Seit 2009 ist Christine Schöpf Honorarprofessorin der Kunstuniversität Linz.