Connecting Cities: A European Network of Media Façades 2015

Connecting Cities ist ein von der EU gefördertes Kulturprojekt mit dem Ziel, ein weltweites expandierendes Netzwerk von Medienfassaden, urbanen Screens und anderen digitalen Projektionsflächen im städtischen Raum zu schaffen. In Opposition zur größtenteils kommerziellen Nutzung dieser Flächen unterstützte Connecting Cities die Darstellung künstlerischer und gesellschaftlich relevanter Inhalte.

 

Connecting Cities Banner

 

Im Rahmen des Jahresthemas 2015 In/Visible City fanden an drei der im Netzwerk teilnehmenden Institutionen künstlerische Residencies statt: der Ars Electronica in Linz, FACT in Liverpool und im Public Art Lab in Berlin. Jede Stadt legte dabei einen anderen Fokus auf das Jahresthema wodurch drei unterschiedliche künstlerische Annäherungsweisen erforscht und sichtbar gemacht wurden. Hier im Ars Electronica war der Fokus vor allem auf die Sichtbarmachung des Unsichtbaren

Die vier in Linz produzierten Kunstprojekte wurden vor allem auch auf der interaktiven LED Fassade des Ars Electronica Centers verwirklicht. Darüber hinaus wurden die Projekte am sound:frame Festival in Wien präsentiert und im Rahmen der beim Ars Electronica Festival 2015 stattfindenden Connecting Cities Konferenz gezeigt.

 

Grafik InVisible Citiy zeigt den Datenstrom einer Stadt

Das Ars Electronica Futurelab ist ein fruchtbarer Boden für Künstler und Künstlerinnen um solche herausfordernden Projekte zu verwirklichen. Hier im Lab können die Künstlerinnen und Künstler mit ExpertInnen zur Realisierung von Fassadenprojekten zusammenarbeiten und können sich mit den Mitarbeitern und Mitarbeiterinnen des Ars Electronica Futurelab austauschen.

Die Residencies starteten im März 2015, die erste Präsentation der Ergebnisse fanden am 4. April auf der Ars Electronica Fassade statt und im Rahmen der Eröffnung des sound:frame Festivals am 9. April wurden die Projekte noch einmal vorgestellt.

 

AEC Blog Recap zur Präsentation der Projekte beim sound:frame Festival. 

AEC Blog Vorstellung Anita Brunnauer, Dietmar Offenhuber und Ursula Feuersinger.


RESIDENCIES

 

Anita Brunner – blindage.

*blindage. ist das französische Wort für Abschirmung, es steht für eine Wand die das dahinter verborgene schützt, einen Umschlag der seinen Inhalt bewahrt.

Das Projekt blindage von Anita Brunner (nita.) visualisiert die digitale Maske von zeitgenössischen Menschen.
credit: Anita Brunnauer

 

Zwischen Preisgabe und Verhüllung, inmitten des Datenüberflusses und der Überwachung – können wir unser Gesicht zu wahren ohne es zu verlieren, dürfen wir uns noch offenbaren ohne gläsern zu werden. blindage. ist der poetische versuch einer Verteidigung des natürlichen Menschen inmitten der digitalen Ära. als visuelle Metapher wird das Kulturobjekt Maske eingesetzt. das Projekt spielt mit Referenzen traditioneller ethnologischer Masken und ihrer Bedeutung und setzt diese in einen zeitgemäßen Kontext mit dem digitalen Menschen. – fleurêve. synanthrope. abîme. – gleich einer Evolution führen drei Kapitel durch blindage. Organisches & taxidermisches Ausgangsmaterial als auch Tanz treffen auf Technologie. auch die Fassade des AEC kann als Maske verstanden werden. eine Melange aus archetypischen & surrealen Bilderwelten lädt die RezipientInnen einen Blick auf das jenseits der Oberfläche verborgene zu werfen.

Anita Brunner PressebildAnita Brunnauer alias nita. lebt und arbeitet in Wien als selbstständige Grafikdesignerin. Zuvor absolvierte sie das Studium Multimedia Art an der Fachhochschule Salzburg mit dem Schwerpunkt Mediendesign, während der Studienzeit Praktikum bei nitrocorpz™ in Goiânia/Brasilien, später Artdirektorin für servus tv.

Anfang 2014 folgte die Gründung von nita. Studio für visuelle Gestaltung. nita. ist Mitglied des sound:frame AV Labels, sowie seit Beginn der stille duzz down san records graphic ghost. Der visuelle Stil lässt sich als konstanter Wandel zwischen Tagtraum und Nachtwache, Oberfläche und Tiefgang beschreiben; ein visueller Seiltanz zwischen Kitsch und Melancholie. Entführung in einen surrealen Bilderwald, dort wo Tiere mutieren & vergessene ahnen auf Blätter gebettet werden.

www.studionita.at


 Dietmar Offenhuber – Urban Enthropy

“Maintenance is a drag; it takes all the fucking time” Mierle Laderman Ukeles, 1969

Die Stadt ist konstant im Reparaturzustand, nie unter Kontrolle. Aber wir wurschteln dahin. Jemand ist wieder in die Trafobox gekracht. Unrat hinter der Bushaltestelle. Warum zeigt die Gehsteigmarkierung immer einen Mann mit Hut, ist das gendergerecht? Seht zu dass man euch sieht, wenn ihr das Schlagloch ausbessert. Die Leute sollen sehen wofür sie Steuern zahlen. Ist Jammern ein Akt ziviler Partizipation? Urban Entropy ist eine Inszenierung von Beanstandung und Reparatur. Die Fassade des Ars Electronica Centers reflektiert die tägliche Routine von Instandhaltung öffentlicher Infrastruktur, basierend auf Echtzeitdaten des Linzer Bürgerservices. Das Projekt zeigt Infrastruktur als Prozess. Ein binäres Zufallsmuster wird auf der Fassade unaufhaltsam sortiert, bis die nächste Meldung die Anstrengungen wieder vereitelt und die Geschichte von neuem beginnt.

 

Dietmar Offenhuber Pressebild

Dietmar Offenhuber ist Assistant Professor für Art + Design und Public Policy an der Northeastern University in Boston. Er promovierte in Stadtplanung am Massachusetts Institute of Technology, studierte am MIT Medialab und der TU Wien. Dietmar beschäftigt sich mit formeller und informeller Infrastruktur und hat mehrere Bücher im Bereich Stadt und Technologie veröffentlicht.

 

offenhuber.net


Ursula Feuersinger – DEEP CITY

Ursula Feuersinger, eine Grafik- und Videodesignerin aus Wien wird als dritte Künstlerin ein Projekt auf der Fassade des Ars Electronica Centers verwirklichen.
So wie die Geschichte einer Stadt durch eine archäologische Ausgrabung freigelegt werden kann, ist es es möglich, die kollektiven Informationen, die ihre Gegenwart und mögliche Zukunft definieren, in einem digitalen Querschnitt zu repräsentieren, der unter den sichtbaren Strukturen zum Vorschein kommt. Die Fassade des Ars Electronica Centers macht diese wie unterirdische Proben sichtbar: BeobachterInnen werden zu TeilnehmerInnen, in dem sie die unsichtbaren Artefakte, physisch aus der Tiefe extrahieren und an die Oberfläche bringen, um sie eingehender zu untersuchen. Die entstandenen Schichten visualisieren politische, soziologische, kulturelle oder auch persönliche Merkmale des urbanen Raums und ermutigen dessen BewohnerInnen, sich kritisch mit Ihrem Umfeld auseinander zu setzen.

Ursula Feuersinger PressebildUrsula Feuersinger ist Grafik- und Video Designerin aus Wien, Österreich. Nach dem Studium Informations-Design im Major Media & Interaction Design, arbeitete sie als Video Designerin in Berlin und produziert Bühnenprojektionen für Theaterstücke. 2007 zog sie nach Wien, wo sie seither als Visualistin, Ausstellungs- , Brand- , Web-, Print- und Video-Designerin tätig ist. Mit dem sound:frame Festival kollaboriert sie seit 2008; und ihre Videoarbeiten wurden in Shanghai, Melbourne, Genf, Moskau und Triest präsentiert. 2013 gründete Sie ihre eigenes Grafk und Motion Design Studio.


 FLORIAN BORN & Christoph FRAUNDORFER

Lebensraum, Entspannungsraum, Raum für Interaktion, Zufall und Raum für Unerwartetes, aber auch verlorener, störender und belästigender Raum. Stadtraum zeigt sich in vielen verschiedenen Facetten.

Florian Born auf einem Fahrad, das die Schlaglöcher einer Stadt markiert und mittels einer App diese für andere Fahraradfahrer ausweist.
credit: Florian Voggeneder

 

Es besteht eine intensive Wechselwirkung zwischen urbaner Mobilität sowie dem Lebensraum in Städten. ESEL-Complain zeigt Möglichkeiten und Potenziale der Interaktion zwischen Radfahrern und Stadträumen. Es versucht durch die Verbindung von zwei Projekten das Fahrradfahren im Stadtraum so angenehm wie möglich zu gestalten. Auto-Complain detektiert mithilfe einer App Schlaglöcher, indem das Smartphone am Lenker befestigt wird. Diese Schlaglöcher werden in einer Onlinedatenbank eingetragen und während der Fahrt mit einer Sprühdose markiert. myESEL entwickelt Fahrräder die auf individueller Bedürfnisse oder speziellen Anforderungen angepasst werden können. Diese Flexibilität bietet die perfekte Möglichkeit Auto-Complain direkt in das Fahrrad zu integrieren. In der Kombination visualisiert und kartographiert das Projekt eine im gesamten Ausmaß ansonsten nicht wahrnehmbare Menge von Schlaglöchern und Unebenheiten. Es verbindet Städte und Menschen, die über den Globus verteilt sind. Bereits in Berlin, Tokyo und OkinawaChristian Fraundorfer Pressebild wurde mithilfe der App auf Schlaglöcher aufmerksam gemacht.

Der Oberösterreicher Christoph Fraundorfer ist Architekt, Designer und Gründer des Linzer Bike-Startups „myESEL“. Bereits während des Architekturstudiums an der TU Wien legte er den Fokus auf Möbel- und Produktdesign – „Rocking Chair“, Ausstellung Zumtobel, 2010 – und realisierte verschiedenste Projekte mit THUM Architekten, Atelier Löwy und Querkraft Architekten – „Lichtbäume“, Technisches Museum Wien 2011. Seit 2012 leitet er seine Firma „Von Johann“ – Design und Prototypenbau (Kohlefaser- & Glasfaser Composites). Produktionen: „Stretched Bench“; „Tree Pots“, Linz 2013.

www.my-esel.com
www.vonjohann.com/

 

Florian Born PressebildFlorian Born ist ein Interaction Designer, der vorwiegend im Grenzbereich zwischen New Media Art und Mediengestaltung arbeitet. Seine Projekte beschäftigen sich mit der Verbindung von virtuellen und physischen Räumen. Dabei beschäftigt er sich viel mit neuen Technologien, dem Bereich des Creative Codings, aber auch mit dem handwerklichen Schaffen von Dingen. 2013 schloss er seinen Bachelor of Arts im Studiengang Digitale Medien an der Hochschule für Künste in Bremen ab. 2015 wurde Florian Born vom Rat für Formgebung mit dem German Design Award (Gold) für Newcomer ausgezeichnet und gewann einen New Face Award auf dem Japan Media Arts Festival in Tokyo. Momentan lebt Florian in Berlin, wo er im Masterstudiengang in der Advanced New Media Class der Universität der Künste Berlin studiert. Parallel dazu arbeitet er für die Forschungsgesellschaft Fraunhofer.

florianborn.com/