Mother Goose – Ma mère l’oye 2016

Der künstlerische Leiter der Ars Electronica, Gerfried Stocker, arbeitete in der zweiten Hälfte des Jahres 2015 gemeinsam mit dem Ars Electronica Futurelab an einer Visualisierung zu Maurice Ravel’s „Mother Goose“ (Ma mère l’oye). Das Ergebnis war eine Multimedia-Aufführung gemeinsam mit dem Los Angeles Philharmonic Orchestra, die im Rahmen des renommierten LA Phil’s in/SIGHT Programms von 12. bis 14. Februar in der Walt Disney Concert Hall an drei Abenden stattfand, wobei Esa-Pekka Salonen als Dirigent fungierte.

 

 

Die Visualisierung aus Sicht der Musiker des L.A. Philharmonic Orchestra. Credit: Roland Aigner

 

Auf 7 die Konzerthalle umgebenden Projektions-Leinwänden erlebten die Zuschauer und Zuschauerinnen Ravel’s Komposition visuell untermalt von reaktiver und interaktiver Echtzeit-Computergrafik, wobei moderne Tracking-Technologien zum Einsatz kamen, um das Orchester sowie einzelne Musiker Teil der Installation werden zu lassen.

Der Titel von Henri Dutilleux‘ Liederzirkel suggeriert sowohl das Verhältnis zwischen Klang und Farbe (Dutilleux war ein hervorragender orchestraler Farbengeber und verweist auf Baudelaires berühmtes Gedicht über Synästhesie) und Schriftverkehr als Kommunikationsmittel (die Haupttexte sind von tatsächlichen Briefen). Salonen hat sich lange Zeit für die Musik des alten französischen Komponisten stark gemacht, und als er den Zyklus mit dem Orchestre Philharmonique de Radio France aufführte, war Dutilleux so sehr beeindruckt, dass er eine Aufnahme vorgeschlagen hat (welche Salonen und jenes Orchester für die Deutsche Gramophon aufgezeichnet hat) und komponierte ein neues Finale.

 

Impressionen von den technischen Probeläufen der Visualisierung von Mother Goose in der weltberühmten Disney Hall. Hängen der 7 Screens über der Orchesterbühne.
Impressionen von den technischen Probeläufen der Visualisierung von Mother Goose in der weltberühmten Disney Hall. Credit: Roland Aigner

 

Die Herausforderung bestand darin, sich in dem „Ökosystem von Aufmerksamkeiten“ (Gerfried Stocker), das vor allem von der spektakulären Architektur der Disney Hall dominiert wird, zu behaupten. Die einzelnen Sätze sollten laut den Vorstellungen des Dirigenten losgelöst von den Erzählsträngen den jeweiligen Klangfarben von Instrumentalgruppen entsprechen. Das Ars Electronica Futurelab hat dazu ein Programm entwickelt, das dem Computer Pinseln gibt, mit denen die jeweiligen abstrakten Vorlagen je nach Tonalität dynamisch, reaktiv geändert werden können. Darin verwoben sind klassische Elemente der kunstgeschichtlichen Epoche, die zur Zeit der Entstehung des Stückes geherrscht hat, also die Vorläufer des Impressionismus aber auch die Romantik.

 

Illustrationen der Grafiken für Mother Goose im Foyer der Disney Hall.
Illustrationen der Grafiken für Mother Goose im Foyer der Disney Hall. Credit: Roland Aigner

 

Die Zwischenspiele funktionieren als Bindeglieder und wurden mittels der Schatten der Musiker orchestriert. Sie rücken via Livekameras ins Zentrum der Darstellung. Diese Schatten sind ebenfalls abstrahiert. Man erkennt in ihnen andere Figuren, die wie in der Einschlafphase vor dem geistigen Auge vorbeihuschen.

 

In der Steuerungszentrale der L.A. Phil an den Mischpulten: Florian Berger, Horst Hörtner, Gerfired Stocker (v.l.n.r.)
In der Steuerungszentrale der L.A. Phil an den Mischpulten: Florian Berger, Horst Hörtner, Gerfired Stocker (v.l.n.r.) Credit: Roland Aigner

Idee und Konzept:

Gerfried Stocker, Horst Hörtner

Development:

Gerfried Stocker, Horst Hörtner, Florian Berger, Roland Aigner