GewinnerInnen 2016

Insgesamt 3.159 Projekte aus 84 Ländern wurden zum Prix Ars Electronica 2016 eingereicht. Das sind die GewinnerInnen:

Computer Animation / Film / VFX

Golden Nica

RHIZOME / Boris Labbé (FR)
„Rhizome is a very complex and complete piece of artwork, blending complementary techniques in a post-digital painting-like visual poem.“ (Statement der Jury)
In seiner in Schwarz-Weiß gehaltenen Animation kreiert Boris Labbé ein sich ständig veränderndes Universum von dynamischen Figuren. Letzte muten wie kleine grazile geometrische Skulpturen an, deren Gestalt und Struktur sich permanent verändern, die sich aneinanderreihen und dabei schier endlose Ketten bilden. Je mehr dieser Wesen auftauchen, desto größer wird auch der Abstand zum Betrachter, der schließlich in einen vermeintlich unendlichen Raum voller mikroskopisch kleiner Wesen blickt.
RHIZOME

Award of Distinction

Nosaj Thing / Cold Stares ft. Chance The Rapper + The O’My’s / Daito Manabe (JP), MIKIKO (JP), TAKCOM (JP), ELEVENPLAY (JP), Rhizomatiks Research (JP)
Das Musik-Video Cold Stares ist ein beeidruckendes Wechselspiel von Realität und Illusion. Das Video thematisiert die Suche nach dem Sinn des Lebens und persönlichen Erinnerungen. Zu sehen sind zwei Tänzerinnen, einmal als Akteurinnen in der realen Welt und dann wieder als computergenerierte Figuren in einer abstrakten Umgebung.

Peripheria / David Coquard Dassault (FR)
David Coquard Dassaults dystopische Animation zeigt eine riesige, verlassene Hochhaussiedlung. Aus dem Off sind Kinderstimmen und einzelne Wortfetzen zu hören, im Bild ist ein Rudel streunender Hunde zu sehen, die das ehemals von Menschen besiedelte Gebiet zu ihrem Revier gemacht haben. Doch auch sie erwartet in dieser Umgebung keine rosige Zukunft. Plötzlich nimmt die Geschichte aber eine unerwartete Wendung.

Honorary Mentions

7001 / Nataša Teofilović (RS)

Accidents, Blunders and Calamities / James Cunningham (NZ), Media Design School (NZ)

Bio-Inspire
FullDome Performance
/ Yusuf Emre Kucur (TR), Bahadır Dağdelen (TR)/ Void

Coordinated Movement / Mike Pelletier (CA)

Die Gegenwart sucht ihren Mund in der Spiegelung der Suppe
(The present searches for its mouth in the reflection of the soup) / Yves Netzhammer (CH)

geist.xyz / ZEITGUISED (DE)

Ghost Cell / Antoine Delacharlery (FR)

Moom / Tonko House – Robert Kondo (US) & Daisuke ‚Dice‘ Tsutsumi (JP)

Never Say Never / Saman Kesh (IR), Skunk

Simulacra /Theo Tagholm (UK)

Tehran-Geles / Arash Nassiri (IR)

UNCANNY VALLEY / AlteredQualia (SK) + Fractal Fantasy (AT/CA)

Interactive Art +

Golden Nica

„Can you hear me?“ / Christoph Wachter (CH), Mathias Jud (CH)
„Can you hear me? is a powerful and playful act that engages in questions challenging who gets access to information and data, privacy and the state of surveillance. It is a testament to the importance of artists who use the medium of interaction in a way that allows them to leave the traditional space for artistic discourse and occupy the space for dialogue currently used by a system of governance known for overriding basic rights of the democratic society – personal privacy and freedom of speech.“ (Statement der Jury)
Edward Snowdens Enthüllungen ließen Berlins Regierungsviertel als einer jener Spots in den Blickpunkt der Öffentlichkeit geraten, die von Geheimdiensten lückenlos überwacht und ausspioniert werden. Genau hier wollten Christoph Wachter und Mathias Jud deshalb auch mit einer temporären Installation nach Macht und Machtlosigkeit im digitalen Zeitalter fragen. Auf dem Dach der Akademie der Künste, also genau zwischen den Horchposten der Amerikanischen und Britischen Botschaft, brachten sie improvisierte Antennen an und installierten ein unabhängiges Wifi-Kommunikations-Netzwerk, das über den Reichstag und das Kanzleramt bis zur Schweizer Botschaft reichte. Jeder und Jede konnte mittels einem eigenen Wifi-fähigem Gerät Teil des Netzwerks werden, chatten, Text-Nachrichten senden und File-Sharing betreiben. Auch die Angestellten der Botschaften und des Regierungszentrums wurden eingeladen, mitzumachen. Wer wollte, konnte zudem auf genau den Frequenzen, die von der amerikanischen NSA und dem britischen GCHQ abgehört wurden, Nachrichten an die Geheimdienste schicken.
"Can you hear me?"

Award of Distinction

OpenSurgery – a do-it-yourself surgery robot for domestic laparoscopy / Frank Kolkman (NL)
Mit seiner „OpenSurgery Initiative“ geht Frank Kolkman der Frage nach, ob sich chirurgische Do-It-Yourself-Werkzeuge als Alternative zu den oft zu teuren Gesundheitsdiensten eignen. Frank Kolkman hat ein chirurgisches System für den Hausgebrauch entworfen, dessen Komponenten allesamt im Internet bestellt und zuhause zusammengebaut werden können. Mit seiner „OpenSurgery Initiative“ will Frank Kolkman weniger einen voll funktionsfähigen Operationsroboter schaffen als vielmehr eine Diskussion über das Spannungsverhältnis zwischen sozioökonomischen Aspekten und ethischen Werten im Bereich der Medizinischen Versorgung anstoßen.

Parasitic Symbiotic / Ann-Katrin Krenz (DE)
In einem immer größeren Ausmaß scheint sich die Technologisierung unserer Welt auf Kosten der Natur zu vollziehen. Mit „Parasitic / Symbiotic“ widmet sich Ann-Katrin Krenz genau diesem Spannungsverhältnis. Sie bringt Fräsen an den Stämmen von Bäumen an und lässt sie einen codierten Text – ein romantisches Gedicht rund um das Eins-Werden mit der Natur – in die Rinde ritzen. Wie Parasiten kleben die technischen Gerätschaften an den Bäumen und fügen ihnen auch Schaden zu – wenngleich in einer derart moderaten Form, dass es den Baum nicht ernstlich bedroht. Gleichzeitig lässt dieser – parasitische – Eingriff etwas Neues entstehen, das durch die – symbiotische – Verbindung von Technik und Natur eine ganz eigene Ästhetik entfaltet.

Honorary Mentions

All Things Fall / Mat Collishaw (UK)

Architecture of Radio / Richard Vijgen (NL)

Aurelia 1+Hz / proto viva sonification / Robertina Šebjanič (SI), Slavko Glamočanin (SI)

Exhausting a Crowd / Kyle McDonald (US)

Inferno / Louis-Phillippe Demers (CA), Bill Vorn (CA)

Jennifer Lyn Morone™ Inc / Jennifer Lyn Morone (US)

Jller / Prokop Bartoníček (CZ), Benjamin Maus (DE)

Marble Machine / Martin Molin (SE), Wintergatan (SE)

Pathfinder
generative approach for conceptual choreography / onformative (DE) in collaboration with Christian Loclair (DE)

Fairy Lights in Femtoseconds / Yoichi Ochiai (JP)

Random Darknet Shopper / !Mediengruppe Bitnik (UK/CH)

Rare Earthenware / unknown fields division (UK/AU)

Digital Communities

Golden Nica

P2P Foundation
„P2P Foundation“ is a new generation of communities that help to build communities. It is dedicated to advocacy and research of peer to peer dynamics in society. Established ten years ago, it evolved into one of the main drivers of the ‚commons transition‘.” (Statement der Jury)
Die dezentrale und selbstorganisierte Non-Profit-Organisation analysiert, dokumentiert und promotet Peer-to-Peer-Strategien, die geeignet erscheinen, den Herausforderungen und Problemen unserer Zeit auf eine zukunftsfähige Weise zu begegnen. Im Mittelpunkt steht dabei das Verbinden von Nachhaltigkeit, Offenheit sowie Solidarität. Seit dem Launch 2006 hat die Community der „P2P Foundation“ mehr als 30.000 Einträge erstellt, die die Entwicklung und Geschichte der Peer-to-Peer-Bewegung dokumentieren. Seit dem Launch im Jahr 2006 wurde die „P2P Foudation Wiki“ mehr als 27 Millionen Mal aufgerufen und ist damit jene Plattform, die weltweit das meiste Wissen über P2P bündelt.
P2P Foundation

Award of Distinction

Refugee Phrasebook
„Refugee Phrasebook“ ist ein offenes Gemeinschaftsprojekt für Flüchtlinge, HelferInnen und Interessierte weltweit. Das Buch ist eine Sammlung relevanter Informationen zu verschiedenen Aktivitäten, Behördengänge und Besorgungen im täglichen Leben. Auf lokale Bedürfnisse und Besonderheiten hin angepasst und mit freien Lizenzen vertrieben, will das „Refugee Phrasebook“ die Kommunikation zwischen Flüchtlingen und HelferInnen fördern.

SAZAE bot
Ein Bot – Kurzform für „Robot“ – ist ein Computerprogramm, das bestimmte, sich stets wiederholende Aufgaben automatisch abarbeitet, ohne dabei auf einen menschlichen User angewiesen zu sein. Der „SAZAE bot“ ist so ein Computerprogramm. Der Bot ging im Sommer 2010 online und ist seither auf Twitter aktiv. Er präsentiert sich als Parodie, der in Japan äußerst populären Mangafigur SAZAE-San (Hauptprotagonist der gleichnamigen Manga-Serie, die seit 5. Oktober 1969 ohne Unterbrechung im Japanischen TV gezeigt wird und den Guinness World Rekord für die am längsten laufende TV-Serie der Welt hält). Der „SAZAE-bot“ reagiert auf Tweets und Retweets und ist bei seinen Followern vor allem seiner Witze wegen beliebt. 2014 wurde schließlich Hitoyo Nakano „geboren“ und der anonyme menschliche User hinter dem „SAZAE-bot“ mit einer vermeintlichen Identität versehen. Der „SAZAE-bot“ wird seither via Google-Forum gesteuert, in dem jede und jeder völlig anonym als „SAZAE-bot“ Tweets posten kann. Ausgetauscht werden auf diese Weise nicht nur Meinungen und Witze, man verabredet sich durchaus auch zu Treffen und Aktionen in der realen Welt – sei es zur Verteilung von Süßigkeiten rund um Weihnacht, zu Luftballonstarts, für Guerilla-Aktionen, dem Ted-Talk oder einem Auftritt bei der Berliner UN|COMMONS-Konferenz.

Honorary Mentions

Clone Zone

Crowdcrafting

D-CENT (Decentralised Citizens ENgagement Technologies)

Enspiral

Give Something Back To Berlin (GSBTB)

HACKberry

Quipu Project

Radwende – der Radweg ist das Ziel

SafetiPin

Social Street

Trade School

Watch the Mediterranean Sea

u19 – CREATE YOUR WORLD

Golden Nica

Die Entscheidung / Jonas Bodingbauer (geb. 1998)
„Die Entscheidung ist eine Referenz auf das Milgram-Experiment und ein kritischer Kommentar zum blinden Befolgen von Regeln. Jonas Bodingbauer übt damit einerseits Kritik daran, wie viele Videospiele funktionieren und was sie mit den SpielerInnen machen, aber diese Kritik lässt sich auch auf alle anderen Lebensbereiche übertragen. Nicht nur die Beschäftigung mit dieser ernsthaften Thematik, sondern auch die originelle Umsetzung des Spielprinzips zeichnen Die Entscheidung aus: als spannendes Videospiel, das dem zeitgemäßen Stand des Mediums entspricht, aber vor allem als gekonnte Verknüpfung all dessen, wofür der Prix Ars Electronica steht.“ (Statement der Jury)
Die Goldene Nica in der Kategorie u19 – CREATE YOUR WORLD geht 2016 nach Linz. Jonas Bodingbauer, 17 Jahre alt, entwickelte das Spiel „Die Entscheidung“. Zwei SpielerInnen treten dabei gegeneinander an: Eine Person widmet sich dem Leben eines an Krebs erkrankten Menschen, die andere Person kümmert sich um einen Tumor und sorgt mittels gesammelter Credits für dessen Wachstum. Erst im Verlauf des Spiels erfährt der Tumor-Spieler, dass der an Krebs erkrankte Patient gute Heilungschancen hätte, wenn sich die Krankheit – sprich der Tumor – nicht weiterentwickeln würde. Abhängig davon, wie sich der Tumor-Spieler nun entscheidet, überlebt der Patient – oder stirbt.
Die Entscheidung

Award of Distinction

Blackout / Jasmin Selen Heinz (geb.1998), Tanja Josic (geb. 1998), Emily Poulter (geb. 1996)
Für ihren gesellschaftskritischen Experimentalfilm Blackout wurden heuer Jasmin Selen Heinz, Tanja Josic und Emily Poulter aus Wien, mit einer Auszeichnung bedacht. In beeindruckenden Bildern fragt der Film nach dem Sinn des Lebens und zeichnet das Bild einer Welt, in der kein Platz mehr für Individualität gegeben ist, sondern nur noch perfekte Körper gefragt sind und das „Funktionieren“ des Menschen an oberster Stelle steht.

Flucht / Dimitri Teufl (geb. 2003)
„Flucht“ ist ein mit Lego-Figuren und Stop-Motion-Technik erstellter Film des 13-jährigen Dimitri Teufl aus Salzburg. Der rund sechs-minütige Film besteht aus insgesamt 2592 Einzelaufnahmen und zeigt das Leben einer Familie, die aus ihrer Heimat flüchten muss und nach einer ereignisreichen Reise per Schlepperboot schließlich in Österreich ankommt, wo sie freundlich aufgenommen wird.

Honorary Mention & netidee SPEZIALPREIS 2016

kameleon.ws /Ulrich Formann (geb. 1996), Kilian Hanappi (geb. 1996), Simon Wesp (geb. 1997)
Im Rahmen des diesjährigen Prix Ars Electronica wurde erstmals auch der netidee SPEZIALPREIS 2016 vergeben. Mit dem Preis werden Arbeiten gewürdigt, die sich auf innovative Weise mit dem Internet der Zukunft auseinandersetzen oder das Internet als Impulsgeber zur regionalen Entwicklungen nutzen. „netidee“ ist eine Förderplattform der Internet Foundation Austria. 2016 geht der Preis an „kameleon“, ein Projekt der drei Wiener Schüler Ulrich Formann, Kilian Hanappi und Simon Wesp. Sie haben einen völlig autonom funktionierenden Webshop entwickelt, über den T-Shirts mit individuellem Aufdruck erworben werden können. Die Motive werden von einem lernfähigen Computerprogramm generiert und basieren auf Daten des aktuellen Tagesgeschehens.

Merchandise Prize U14

Skateboard Ladegerät / Fabian Krautgartner (geb. 2002)

Merchandise Prize U10

Meine Webseite / Simon Heppner (geb. 2006)

Honorary Mentions

BIOKoSMoS
BioInk für die Kunst / BIOKoSMoS Projektgruppe

COPY/PASTE / Fachstelle beteiligung.st

Eletrofahrzeug „Scorpion“ / Niko Kremsmair (geb. 1997), Christian Pausch (geb. 1997), Robin Krah (geb. 1997), Josef Niederbrucker (geb. 1997), Markus Meister (geb. 1997)

Guilt / Zeia Gholam (geb. 1997)

Kim’s Life / Lena Krautinger (geb.1998), Safia El Maataoui (geb.1998)

reflecty / Felix De Montis (geb. 1997), Johannes Eschner (geb. 1997)

Salam Saeculum / Kasper Helml (geb. 1999)

Teem / Timo Lins (geb. 1997), Emil Bruckner (geb. 1998), Noel Kurtaran (geb.1996)

the best is yet to come / Daniela Kubesch (geb. 1998), Alina Groer (geb. 1998), Leo Mühlfeld (geb. 1998)

Visionary Pioneers of Media Art

Golden Nica

Jasia Reichardt (PL/UK)
Als Visionary Pioneer of Media Art wird heuer die profilierte Kunstkritikerin und Ausstellungsmacherin Jasia Reichardt ausgezeichnet. Ihr wegweisendes Werk und ihre zahlreichen Verdienste um die Medienkunst werden damit in Form einer Goldenen Nica gewürdigt. Untrennbar verbunden ist der Name Jasia Reichardt vor allem mit einer bahnbrechenden Ausstellung, die 1968 am Londoner Institute of Contemporary Arts und danach in der Corcoran Gallery of Art in Washington, D.C. sowie im Exploratorium in San Francisco gezeigt wurde. „Cybernetic Serendipity“ lautete der Titel dieser aufsehenerregenden Schau, die an Stelle von Menschen plötzlich Computer, Maschinen und Algorithmen als „Künstler“ in Szene setze. Unter Jasia Reichardts Leitung arbeiteten damals KünstlerInnen mit MathematikerInnen, IngenieurInnen, TechnologInnen zusammen und schufen gemeinsam eine völlig neuartige Form der Präsentation – lange bevor die Kooperation zwischen Kunst und Wissenschaft wegen ihres großen Potentials an Innovation in aller Munde war. Zahlreiche interaktive Exponate ließen die BesucherInnen hautnah erleben, um was es Jasia Reichardt ging: das ungeheure Potential, das neue Technologien mit sich bringen und die Frage, wie Menschen und Maschinen künftig wohl zusammenwirken und -arbeiten werden. Jasia Reichardt setzte Maschinen und Programme nicht länger nur als ausführende Werkzeuge in Szene, sondern zeigte sie als Teil kreativer Prozesse. Jasia Reichardt wurde 1933 in Warschau geboren. Sie floh mit ihren Eltern vor den Nazis und lebt seit 1946 in England. Hier besuchte sie die Old Vic Theatre School in Bristol und war danach als Kunstkritikerin und Ausstellungsmacherin tätig. Zwischen 1963 und 1971 war sie als Assistant Director am Institute of Contemporary Arts in London tätig, von 1974 bis 1976 als Director der Whitechapel Art Gallery. Heute lebt sie in London.

Winners ARCHIVE

Das Archiv des Prix Ars Electronica mit allen bisherigen Gewinnerprojekten kann hier eingesehen werden.