Water Light Graffiti – Wasser macht Licht

Einen Schwamm, eine Bürste oder eine Spritzpistole sowie etwas Wasser: mehr braucht es nicht, um ein Water Light Graffiti auf eine Wand mit tausenden wasserempfindlichen LEDs zu zaubern. Das Prinzip ist einfach, das Ergebnis wunderschön anzuschauen.

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Einen Schwamm, eine Bürste oder eine Spritzpistole sowie etwas Wasser: mehr braucht es nicht, um ein Water Light Graffiti auf eine Wand mit tausenden wasserempfindlichen LEDs zu zaubern. Das Prinzip ist einfach, das Ergebnis wunderschön anzuschauen.

Das Wasser erzeugt eine elektrische Brücke, die den Strom zwischen den in das Wandpanel eingelassenen LEDs fließen lässt. Die Wassermenge bestimmt auch, wie intensiv die angesprochenen LEDs leuchten. Je mehr Feuchtigkeit im Spiel ist, desto heller erstrahlt das kurz aufblinkende Graffiti.

Bevor das Water Light Graffiti beim Ars Electronica Festival 2014 zu sehen und zu testen sein wird, haben wir uns mit Antonin Fourneau, dem Erfinder dieser wunderbaren Installation, unterhalten und unter anderem erfahren, warum Water Light Graffiti auch den Spitznamen „Mückenfalle“ trägt.

Hast du zuvor „klassisches“ Graffiti gesprüht?

Antonin Fourneau: Während meines Kunststudiums war ich von Sprühfarben fasziniert. Ich hatte ein ganzes Lager voller Sprühfarben im Haus. Ich habe sie in der Regel aber nur dazu benutzt, um auf Objekte Visualisierungen mittels Schablonen zu machen. Einmal habe ich versucht ein Graffiti auf einer Wand zu sprayen, aber mir hat das Ergebnis überhaupt nicht gefallen. Im Keller meiner Eltern habe ich dann auch ein Graffiti gesprüht. Das gelang dann schon ein wenig besser. Ich mag es aber nicht auf öffentlichen Plätzen zu üben. Ich trainiere lieber auf Oberflächen, auf denen man das Graffiti wieder entfernen kann. Ich glaube so bin ich auch zu der Idee mit Water Light Graffiti (WLG) gekommen.

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Was begeistert dich an Graffitis?

Antonin Fourneau: Es ist traurig, aber ich bin weit davon entfernt ein Experte für Graffitis zu sein. Ich liebe es Graffiti-Künstlern zuzusehen. Vor allem jenen, die mehr machen als die typischen Graffiti-Malereien und den gesamten urbanen Raum modifizieren. So macht das zum Beispiel Aram Bartholl bei seinem Projekt Dead Drops oder der  schwedischen Künstler Akay in dem Projekt Robo Rainbow. Ich glaube, wir träumen auch alle von Science Fiction Graffitis, wie die graffiti machine in Demolition Man.

Wie bist du auf die Idee gekommen Graffiti mit Wasser auf LEDs zu malen?

Antonin Fourneau: Ich war in China und habe einen Mann beobachtet, der mit Pinsel und Wasser auf dem Fußboden gemalt hat, um Kalligraphie zu üben. Ich habe mich gefragt, ob das auch auf einer anderen, originelleren Oberfläche möglich wäre. Schon vor WLG habe ich viel mit Wasser gearbeitet. Es ist ein sehr dynamisches und faszinierendes Material. 2009 habe ich einen Prototyp von einer Zahnprothese mit LEDs gebaut. Jedes Mal, wenn die Zunge die Zähne, also die LEDs berührt hat, haben diese heller gestrahlt. Der Hintergedanke war visuelle Morsecodes zu erzeugen. In einem anderen, älteren Projekt habe ich Wasser in Sushi verwendet, um mit dem elektrischen Widerstand der Metallstäbchen verschiedene Melodien während eines japanischen Abendessens erklingen zu lassen.

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Water Light Graffiti feiert große Erfolge und tourt durch unzählige Städte. Wo war es bereits zu sehen und wo wird es noch zu sehen sein?

Antonin Fourneau: WLG war schon in vielen französischen Städten: Poitiers, Paris, Nantes, Rennes, Toulouse, Cergy, Aix-en-Provence, Metz, Reims, Tourcoing und Lyon. Es war auch schon in US-amerikanischen Städten, wie Las Vegas, Chicago und New York. In Europa war es in Kosice, Rotterdam, La Haye, Amsterdam, Eindhoven, Barcelona, London und Cully. Außerdem war es schon in Singapur, Abu Dhabi, Toronto und Casablanca.

Städte in denen es bald zu sehen sein wird sind Riga, Cascais, Chartres, Besançon, Abu Dhabi, Dubai, Tunis und natürlich in Linz beim Ars Electronica Festival 2014.

Wird es eine Performance beim Ars Electronica Festival geben?

Antonin Fourneau: Am Festival wird WLG eigentlich jeden Tag durch die Besucherinnen und Besucher selbst bespielt. Der Spitzname meiner Installation ist auch „Mückenfalle“, weil das Publikum, wie ein Schwarm Mücken an den LED-Screen angezogen wird. Die Besucherinnen und Besucher sind meist so von den Leuchteffekten begeistert, dass sich schnell eine Traube von Menschen vor der LED-Leinwand versammelt.

Ich sehe mich selbst eher als Erfinder eines neuen coolen großen Spielzeugs, so wie der Erfinder des Etch A Sketch, als dass ich mich als großen Künstler meiner eigenen Schöpfung sehe. Aber ich bin jedes Mal fasziniert davon, wie viele Leute sich für WLG begeistern und mitmachen. Das ist jedes Mal meine Motivation, um etwas neues Kreatives zu schaffen.

Wie lange ist das Graffiti am LED Screen zu sehen?

Antonin Fourneau: Das kommt ganz auf das Wetter darauf an, aber normalerweise sind es ca. 5 Minuten bis das Wasser trocknet und das Graffiti nicht mehr zu sehen ist.

In Singapur war es wirklich toll, weil sich das Wetter im Laufe des Tages so oft verändert hat. Vor allem der Nebel war großartig, weil man die Nebelwolken am LED Screen sehen konnte.

Wie viel Wasser verträgt der LED Sreen? Ist schon einmal etwas kaputt gegangen, weil zu viel Wasser auf die LEDs gelangte?

Antonin Fourneau: Keine Sorge, wegen zu viel Wasser. Es braucht dann nur etwas länger um zu trocknen. Während einer Ausstellung wollen immer ganz viele Leute WLG testen, also wird auch viel Wasser darauf geleert. Es ist aber noch nie etwas kaputt gegangen

Das Gefühl einen ganzen Eimer voll Wasser auf eine schwarze LED Wand zu leeren, das dann in leuchtenden Farben die Wand herunterläuft, ist einfach atemberaubend. Ich finde, das sollte immer das Ende einer Opening-Performance sein.

Was passiert wenn es regnet?

Antonin Fourneau: Wenn ein Wassertropfen die Sensoren der LEDs berührt, leuchtet dieses für kurze Zeit in voller Leuchtkraft auf. Ich nenne das den Matrix-Effekt. Aber die Interaktion der Besucherinnen und Besucher mit der Led-Wand ist begrenzt, wenn es regnet, weil die Wand kein Dach hat.

Mein Wunsch für die Zukunft ist es, ein Material für Gebäude zu entwerfen, das in der Lage ist mit dem Wetter zu interagieren.

WLG ist Teil deines Forschungsprojekts. Wo können solche wassersensitiven Materialien noch eingesetzt werden?

Antonin Fourneau: Momentan entwickle ich ein neues cooles Projekt – eine Art großes Wasser-iPad. Ich habe auch für eine berühmte Parfümmarke einen Parfümtester mit dieser Technologie gemacht.

Wer dieses wunderbare Farbenspiel mit eigenen Augen sehen möchte und selbst mit Wasser auf dem LED-Bildschirm malen will, kann das von DO 4.9. bis SO 7.9.2014, jeweils von 20:30 – 23:00 am Linzer Domplatz beim Mariendom machen.

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