u19 Exhibit: Die Jugendlichen gestalten ihre Ausstellung selbst!

Auch dieses Jahr dürfen die jungen GewinnerInnen der u19-Kategorie beim Prix Ars Electronica wieder selbst entscheiden, wie die Ausstellung ihrer Projekte am Ars Electronica Festival, vom 7. bis 11. September 2017, aussieht. Beim Workshop zur Ausstellungsgestaltung formen sich erste Ideen – bis zum Festival im September soll daraus Wirklichkeit werden.

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Credit: Vanessa Graf

Es ist Donnerstag, die letzte Schulwoche vor den Sommerferien. Die jugendlichen Gewinner und Gewinnerinnen der u19-Kategorie des Prix Ars Electronica drücken ausnahmsweise nicht die Schulbank: Sie treffen sich in der POSTCITY Linz, um gemeinsam mit Marion Friedl und Hans Christian Merten vom Team der Ars Electronica an einem Ausstellungskonzept für ihre preisgekrönten Projekte zu arbeiten.

Bei der Kinder- und Jugendkategorie des Medienkunst-Wettbewerbs werden jedes Jahr die spannendsten Arbeiten von jungen Menschen unter 19 Jahren ausgewählt, die anschließend beim Ars Electronica Festival, dieses Jahr vom 7. bis zum 11. September 2017, als Teil des Create Your World Festivals prämiert und ausgestellt werden. Bereits zum zweiten Mal sind es aber nicht die Erwachsenen, die diese Ausstellung gestalten, sondern die Jugendlichen selbst.

Wir waren beim Workshop und haben uns umgehört: Was erwartet das Publikum bei der diesjährigen u19-Ausstellung? Marion Friedl, Hans-Christian Merten und die kreativen Jugendlichen Manuel Achhorner, Florian Buger, Sonja Futterknecht und David Holy verraten uns mehr.

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Credit: Vanessa Graf

Marion, du leitest dieses Jahr den Workshop mit den Jugendlichen. Aus welchem Grund gibt es diesen Workshop mit den jungen Prix PreisträgerInnen?

Marion Friedl: Den gibt es deswegen, weil wir, wie auch letztes Jahr, überlegt haben: Wie können wir die u19 Prix-Preisträger und Preisträgerinnen besser in den ganzen Prozess inkludieren? Wir wollten einfach, dass sie kennenlernen, wie man ein Projekt so aufbereiten kann, dass es wirklich vermittelt wird. Wir haben letztes Jahr erkannt, dass das am besten funktioniert, wenn wir die Preisträger und Preisträgerinnen nach der Bekanntgabe zu uns einladen und sie sich ihre Projekte gegenseitig vorstellen. Was sind eigentlich diese 16 Projekte, wer sind die Leute, die dahinter stecken? Wie sind diese Projekte entstanden? Und alleine deswegen entstand irgendwie eine gemeinsame Basis.

Dieses Jahr wollen wir noch einen Schritt weiter gehen: Wir wollen nicht nur, dass sie uns Ideen liefern, wie wir ihre Projekte ausstellen sollen, sondern, dass sie wirklich aktiv dabei sind und den ganzen Prozess auch miterleben. Wir machen das mit den anderen Künstlern und Künstlerinnen ja auch. Wir geben den Jugendlichen die Möglichkeit, dass sie selbst mitarbeiten können und dadurch vieles über ihre eigenen Projekte und darüber, wie sie im Endeffekt bei den Besuchern und Besucherinnen ankommen, erfahren.

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Credit: Vanessa Graf

Kann man schon etwas darüber verraten, wie die Ausstellung dieses Jahr aussehen wird?

Marion Friedl: Auf jeden Fall wird es sehr viel zum Ausprobieren geben. Wir wollen, dass der u19-Bereich innerhalb des Create Your World Bereichs sofort sichtbar ist; es wird also ein relativ großer Teil. Im Moment kann man am meisten über die einzelnen Projekte sagen, aber wie sie im Zusammenspiel sein werden, bleibt noch offen. Es gibt aber schon erste Versuche, dass Wirkungen aufeinander identifiziert werden: Kann man zum Beispiel ein Spiel mit dem anderen verbinden? Es ist noch ein Prozess des Träumens, im nächsten Schritt geht es dann um die Umsetzung.

Das Musikvideo Thaiboxbrüderschaft ist eines der Projekte, das 2017 eine Honorary Mention in der Kategorie U19 erhielt. 

Welche Trends kann man bei den Einreichungen beobachten?

Marion Friedl: Die Jury hat sehr viele unterschiedliche Projekte prämiert, von den Medien, die verwendet werden, bis hin zu den Inhalten, die uns geschickt werden. Letztes Jahr stellte die Jury fest, dass es viele Projekte gab, die sich mit Migration auseinandersetzten, dieses Jahr ist dieses Thema fast gar nicht vorhanden. Unter den Einreichungen waren heuer viele Dystopien  – Schuldystopien, Prüfungssituationen, Horrorfilme. Es gibt auch zwei Projekte bei den Gewinner-Projekten, die sich mit den Schulsystemen oder mit Lernformen auseinandersetzen. Der Fokus war dieses Jahr generell sehr auf die Schule gerichtet, sie wird ein bisschen hinterfragt, ein bisschen auf die Schnippe genommen, aber auch vorgestellt.

Es gibt wieder viele Basteleien, auch viel mit Arduino, die zusammengelötet oder programmiert wurden. Bei den Animationen merkt man, dass immer jünger angefangen wird. Dadurch, dass die Technik ein bisschen einfacher wurde, können auch Jüngere schon früher beginnen.

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Credit: Vanessa Graf

Manuel Achhorner ist einer der u19-Gewinner. Gemeinsam mit Josef Adelsberger, beide Schüler an der Handelsakademie Kitzbühel im Digital Business Zweig, hat er mit dem Spiel „You Are President“ eine Anerkennung beim Prix Ars Electronica in der Kategorie u19 bekommen. 

Manuel, kannst du uns kurz dein Projekt erklären?

Manuel Achhorner: Mein Projekt ist „You Are President“, ein Spiel, in dem man als Präsident Problemstellungen gestellt bekommt, die man dann mit „Ja, wir machen das“ oder „Nein, wir machen das nicht“ beantworten kann. Man bekommt Hinweise darüber, welche Auswirkungen die Handlungen hätten und sieht das in Werten. Wenn einer der Werte auf null ist, hat man verloren, wird abgesetzt, stirbt, oder verliert seinen Job. Wenn man es bis 20 schafft, wird man wiedergewählt beziehungsweise geht in den Ruhestand.

Wie wichtig ist es dir, selbst bei der Ausstellungsgestaltung mitbestimmen zu können?

Manuel Achhorner: Sehr, weil ich selbst sehen will, wie ich mich, meine Schule und mein Projekt präsentiere. Ich will sehen, wie sich das entwickelt und auch, wie die anderen ihre Projekte präsentieren.

Wie sollte dein Spiel idealerweise am Ars Electronica Festival ausgestellt werden?

Manuel Achhorner: Idealerweise stelle ich mir vor, dass es einen richtig schönen Massivholz–Schreibtisch gibt, im Design wie beim Oval Office. Man hätte hinter sich also zwei Fahnen, vorne die Anleitung, als Executive Order dargestellt, und natürlich einen Bildschirm. Es soll alles so aussehen, als wäre man wirklich Präsident.

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Credit: Vanessa Graf

Auch Florian Buger, Sonja Futterknecht und David Holy wurden, zusammen mit Mario Kerndler und Maria Raser, für ein Spiel ausgezeichnet. Für das 2D Action Adventure „LARES erhielten die SchülerInnen der HTBLVA Wien 5 Spengergasse von der Prix Ars Electronica Jury eine Auszeichnung.

Florian, Sonja und David – um was geht es in eurem Spiel, LARES?

David Holy: Man spielt den Schutzgeist einer Familie. LARES, das kommt aus der römischen Mythologie, von Lares Familiares, das sind Familien-Schutzgeister. Man spielt einen davon in Form einer Puppe eines kleinen Mädchens. Als das Mädchen in einer Nacht Alpträume hat, dringt man praktisch in den Traum ein, um sie vor dem Alptraum zu beschützen und sie zu befreien. Dabei kämpft man gegen Schattenmonster oder Alpträume.

Was sagt ihr dazu, bei der Ausstellungsgestaltung dabei zu sein?

David: Es ist schon ziemlich cool. Wir wussten nicht, wie viel Freiheit wir bekommen, aber jetzt haben eigentlich sehr viel –in einem bestimmten Maß können wir genau bestimmen, was wir machen möchten.

Florian: Unsere Grundidee war – zwei Computer, Tastatur, Maus. Jetzt haben wir erfahren, dass wir viel mehr machen können und dass es viel aufwändiger sein kann, viel ansprechender. Das finden wir schon cool, dass wir unser Spiel so toll präsentieren können.

Wie stellt ihr euch die Ausstellung eures Spiels jetzt vor?

Sonja: Im Moment haben wir die Idee, dass wir Elemente aus dem Spiel auf Pappaussteller ausdrucken und dadurch die Spielwelt mehr oder weniger nachbilden.

Florian: Man spielt praktisch in der Spielwelt das Spiel. Umso größer der Bereich ist, desto cooler könnte es wirken.

David: Wir wollen auch Plätze machen, wo die Leute sehen können, wie wir das Spiel erstellt haben, mit welchen Werkzeugen. Wir wollen zeigen, dass jeder eigentlich sein eigenes Spiel machen kann. Besonders heutzutage im Internet gibt es alles, was man braucht, es ist nicht mehr so schwer einzusteigen wie früher.

Lisa Buttinger gewann mit „nonvisual-art“ dieses Jahr die Goldene Nica. 

Die Werke der u19 Prix-GewinnerInnen sind Teil des Kinder- und Jugendfestivals CREATE YOUR WORLD, das dieses Jahr zum siebten Mal beim Ars Electronica Festival stattfindet. Hans Christian Merten leitet das CREATE YOUR WORLD Festival und erzählt, wie sich die u19-Projekte in das Kinder- und Jugendfestival einfügen.

Hans Christian, wie fügt sich die u19 Prix Ausstellung in den Rest von CREATE YOUR WORLD?

Hans Christian Merten: Dieses Jahr hat das Create Your World den Schwerpunkt „Perspektiven“. Wir wollen verschiedenste Blickwinkel generieren. Das, durchaus in einer analogen Form dargestellt, soll ein Teil des diesjährigen u19 Create Your World Festivals sein. Das Herzstück ist da natürlich die u19 Exhibition, wo wir viele Blickwinkel von Jugendlichen aus den unterschiedlichsten Alterskategorien haben und zeigen. Davon dürfen sich die Erwachsenen ein bisschen inspirieren lassen.

Speziell hervorheben kann man im Bezug auf Perspektiven die Zusammenarbeit mit Joseph Herscher, einem Künstler aus New York. Er leitet das diesjährige Jugendbegegnungsprojekt – das ist ein Workshop, zu dem 20 Jugendliche aus ganz Europa während des Festivals zusammenkommen und irgendetwas bauen oder gestalten. In den vergangenen Jahren wurde hier zum Beispiel schon einmal ein Computerspiel entwickelt, ein Musikstück gestaltet und ein eigener Film gedreht. Dieses Jahr dreht sich alles um „The Unintelligent Machine“. Dabei geht es darum, dass die Jugendlichen ihre Perspektiven auf verschiedenste Themen wie Künstliche Intelligenz oder Zukunft von Technologie oder Umweltthemen einbringen, die dann in einer analogen Maschine dargestellt und gemeinsam mit dem Künstler gebaut werden. Es ist also noch überhaupt nicht klar, wie das am Schluss ausschauen wird. Es wird auf jeden Fall eine Maschine sein, bei der sich Alltagsgegenstände gegenseitig beeinflussen und mechanisch Reaktionen auslösen.

Hier steckt ein Entschleunigungsgedanke dahinter. Man beschäftigt sich hier mit mechanischen Elementen, die in Summe schon zu einem Ergebnis führen, das auch die Frage beantwortet, die gestellt wurde, aber man hält sich dabei sehr lange mit Sachen auf, die scheinbar sinnlos sind. Man könnte es ja viel schneller erledigen! Das führt dann zu einer Art Entspannung und man vergisst phasenweise vielleicht sogar, was die Frage eigentlich war, weil man sich so stark auf den Prozess konzentriert. Das führt dazu, dass die Frage Endeffekt aus einer anderen Perspektive gesehen werden kann.

 

Manuel AchhornerManuel Achhorner (geb. 1999) besucht die Digital Business HAK in Kitzbühel. Er und sein Projektpartner, Josef Adelsberger (geb. 2000), sind sehr politikaffin, vertreten jedoch völlig unterschiedliche Weltanschauungen. Durch dieses gemeinsame Interesse und ihre Ausbildung im Bereich Programmierung entstand die Idee für das Spiel „You Are President“.

 

David Holy Florian Buger Sonja FutterknechtFlorian Buger (geb. 1997), Sonja Futterknecht (geb. 1998) und David Holy (geb. 1997) sind SchülerInnen im letzten Jahr der Ausbildung an der HTBLVA Wien 5 Spengergasse, Zweig Gamedesign, befinden. Ihr 2D Adventure Spiel entstand im Zuge ihrer Abschlussarbeit.

Das u19 – CREATE YOUR WORLD Festival findet während des Ars Electronica Festivals, von 7. bis 11. September 2017 statt. Besucht werden kann das Festival in der POSTCITY Linz. Um mehr über das Festival zu erfahren, folgen Sie uns auf Facebook, Twitter, Instagram und Co., abonnieren Sie unseren Newsletter und informieren Sie sich auf https://www.aec.at/ai/.

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