Nonvisual-art: Neuartige Bilder magischer Schönheit

In akribischer Feinarbeit hat die Schülerin Lisa Buttinger der HBLA für Künstlerische Gestaltung Linz ihr Abschlussprojekt fertiggestellt. Im Interview spricht sie über ihre „nonvisual-art“ – ein neuartiges künstlerisches Medium, mit dem sie gleich zwei Preise erhalten hat: Die Goldene Nica des Prix Ars Electronica 2017 in der Kategorie „u19 – CREATE YOUR WORLD“ und eine Anerkennung des STARTS Prize 2017.

Lisa Buttinger
Credit: Martin Hieslmair

„Es überzeugt durch Wissbegier und Forschungsdrang“ – ob Prix Ars Electronica in der Kategorie u19 – CREATE YOUR WORLD oder STARTS Prize, in beiden Jurys war das Staunen groß, als Lisa Buttingers neuartiges Bild zum ersten Mal präsentiert wurde. Sie hat ein neuartiges Medium entwickelt, das auf dem physikalischen Phänomen der Lichtbrechung beruht. Mittels Cellophan-Folie, Polarisationsfilter und 3-D-Brille lässt sie eine zauberhafte Fantasiewelt in ihrem Bild entstehen, das je nach Betrachtungswinkel seine Farben wechselt.

Wie hat es eigentlich begonnen, dass du dich für die verschiedenen Formen der Lichtbrechung interessiert hast?

Lisa Buttinger: Eigentlich habe ich mich schon vor vielen Jahren mit Lichtbrechung beschäftigt. Als ich acht Jahre alt war, haben mich die schimmernden CDs fasziniert und da habe ich bereits begonnen, daran herumzubasteln. Das hat mich sehr fasziniert. In der vierten Klasse habe ich dann im Physikunterricht an dem Thema Polarisationsfilter gearbeitet, mein Physiklehrer hat mich dabei unterstützt und so habe ich dann auch in meiner Freizeit weiter recherchiert. Dann bin ich auf diese Idee gekommen.

Press Conference

Lisa Buttinger stellte ihre „nonvisual-art“ bereits bei der Pressekonferenz des Prix Ars Electronica im Mai 2017 vor. Credit: Robert Bauernhansl

Hast du lange gebraucht, um nonvisual-art fertigzustellen?

Lisa Buttinger: Ich habe eigentlich mehrere Monate daran gearbeitet. Mein erstes Motiv war ein Baum, da habe ich noch in Verbindung mit dem Computer experimentiert. Zuerst war nur der kahle Baum mit Ästen sichtbar und dann – mit dem Polaristationsfilter – die bunten Blätter des Baumes. Das war mein erstes Experiment. Im Computerbildschirm war bereits ein Polarisationsfilter eingebaut, so habe ich nur einen weiteren gebraucht. Schließlich habe ich mit verschiedenen Farben und auch mit Farbmischungen weiter experimentiert. Letztendlich hat es viele Motive gebraucht, bis ich dann zu diesem gekommen bin – es muss ja auch mit den Farben der 3-D-Brille zusammenpassen.

Was ist auf deiner nonvisual-art zu sehen und wie funktioniert sie?

Lisa Buttinger: Man sieht eine Fantasiewelt, die ein bisschen die kindli che Neugierde erwecken soll, etwas Neues zu entdecken. Die nonvisual-art funktioniert durch Lichtbrechung – und das auf zwei verschiedene Arten: Einerseits wird das Licht durch das Cellophan gebrochen, andererseits auch durch die Gläser der 3-D-Brille.

nonvisual-art

Credit: Martin Hieslmair

Wo ist dein Projekt entstanden, hast du zuhause eine Werkstätte?

Lisa Buttinger: Nein, ich habe keine professionelle Werkstätte *lacht*, sondern eher improvisiert mit dem, was ich bereits zuhause gehabt habe. Eine Glasplatte, eine Lampe darunter, einen Polarisationsfilter aus dem Second-Hand-Laden. Erst wie ich dann entdeckt habe, wie das alles funktioniert, habe ich mir die Materialien besorgt. Mein Freund hat mir dann sehr geholfen beim Ausschneiden und Kleben der Folie – das war sehr viel Arbeit und er hat mich wirklich sehr unterstützt dabei.

Wo könnte man deine Entwicklung in Zukunft verwenden? Und hast du selbst schon Ideen, wie es nun weitergeht?

Lisa Buttinger: Wenn man kreativ ist, dann kann man das in sehr vielen Bereichen einsetzen. Gerade aber für die Innenausstattung ist es sicher recht praktisch, weil es vor allem schön aussieht.  Ich habe selbst überlegt, ob ich in dieser Richtung weitermachen möchte – so könnte ich dreidimensionale Lampen bauen, denn wenn man den Polarisationsfilter direkt auf die Lampe montiert, dann verändert sich die Farbe nur dann, wenn man sich selber bewegt. Das wäre dann von den Materialkosten etwas teurer, aber es wäre sehr interessant, dies auszuprobieren.

Lisa ButtingerLisa Maria Buttinger, geboren 1997 in Braunau am Inn, besuchte von 2004 bis 2008 die Volksschule Schalchen, danach von 2008 bis 2012 das Gymnasium Braunau und schließlich die HBLA für künstlerische Gestaltung in Linz, die sie im April 2017 abgeschlossen hat. Im Rahmen eines Talentförderangebotes besuchte sie während der Schulzeit am Gymnasium die Schloss Traunsee Akademie. Das Pflichtpraktikum absolvierte sie 2014 vier Wochen lang bei dem Unternehmen media.dot.

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