Sound Art beim Ars Electronica Festival 2017: Sonic Saturday und Music Monday

Mit dem Sonic Saturday am 9. September 2017 und dem Music Monday am 11. September 2017 stehen am diesjährigen Ars Electronica Festival gleich zwei Tage im Zeichen der Sound Art. Was uns dieses Jahr erwartet? Wir haben es herausgefunden.

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Credit: Vanessa Graf

Zwei ganze Tage widmen sich am diesjährigen Ars Electronica Festival der digitalen Klangkunst: Der Sonic Saturday am 9. September 2017 und der Music Monday am 11. September 2017 befassen sich beide intensiv mit Sound Art, Computermusik und auditiver Medienkunst. Zentraler Partner für beide Tage ist die Anton Bruckner Privatuniversität, die dieses Jahr bereits zum zweiten Mal die Gestaltung des Sonic Saturdays übernimmt und auch am Programm des Music Monday maßgeblich beteiligt ist.

Wir haben uns mit Volkmar Klien, Professor des Studienzweigs für Computermusik und Medienkomposition, der Medienkünstlerin Se-Lien Chuang und Andreas Weixler, Professor und Leiter des Computer Music Studio (CMS), getroffen – und dabei nicht nur erfahren, was uns dieses Jahr am Sonic Saturday und Music Monday erwartet, sondern auch, warum die Räumlichkeiten an der Anton Bruckner Universität besonders geeignet für Sound Art sind…

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Volkmar Klien, Andreas Weixler und Se-Lien Chuang. Credit: Vanessa Graf

Obwohl das neue Gebäude der Bruckner Universität erst seit knapp zwei Jahren in Betrieb ist, wird es dieses Jahr schon zum zweiten Mal Schauplatz für den Sonic Saturday. Was passiert an diesem Tag?

Volkmar Klien: Es hat sich gezeigt, dass die Bruckner Uni mit den neuen Räumlichkeiten im neuen Gebäude und das Ars Electronica Festival eigentlich sehr gut zueinander passen. Wir veranstalten am Sonic Saturday einen Tag, der sich, ein bisschen im Gegensatz zum Music Monday, tatsächlich an die Spezialistinnen und Spezialisten aus dem Feld richtet. Das geschieht mit einem Symposium, einem Listening Room, mit einer Guided Tour durch die Studios, und mit einem Konzert, dem Medium Sonorum, das den Abend am Festival-Samstag ab 20:00 Uhr beschließt. Wir versuchen, für die Leute, die sich intensiv für digitalen Klang, für Komposition, Computermusic und Sound Art interessieren, alle diese Themen in einer Art Digital Music Focus zu bündeln.

Andreas Weixler: Dieses Jahr geht es beim Sonic Saturday und speziell beim Medium Sonorum auch darum, zu zeigen, dass das Computermusikstudio an der Bruckner Uni ein Kompetenzzentrum ist, vor allem in der Region, aber auch national und international. Insofern würde ich sagen, der Tag richtet sich nicht nur an Expertinnen und Experten – wir versuchen auch, neugierige Novizinnen und Novizen anzusprechen. Es hat zwar ein hohes Niveau, aber es richtet sich einfach an Neugierige. Es ist durchaus offen für alle.

Sonic Lab

Das Computer Music Studio. Credit: Christian Herzenberger

Auch den Music Monday gestaltet die Bruckner Universität mit – welche Programmpunkte sind für den Montag vorgesehen?

Volkmar Klien: Der Music Monday nimmt zwar seinen Anfang an der Bruckner Uni, aber es geht eigentlich um alle Projekte des Ars Electronica Festivals, die mit Klang zu tun haben. Das zentrale Merkmal ist, dass es tatsächlich ein Musik- und Vermittlungsprogramm ist, das die versammelte Kunst einem breiteren Publikum vermitteln möchte. Es ist kein hermetisches Unterfangen, sondern sehr offen.

Andreas Weixler: Um 10:00 gibt es eine Art Werkstätte, in der man Studierende beim Arbeiten besuchen kann. Von 11:00 bis 12:00 wird das Sonic Experimental Showcase stattfinden, für alle, die sich einfach etwas kurzbündiger informieren wollen, wie gearbeitet wird. Der Sonic Experimental Showcase wird von Lukas Löcker, einem Masterstudenten von mir, betreut. Das ist eine wunderbare Kooperation zwischen der Kunstuniversität Linz, der Bruckner Uni und der Ars Electronica. Wir hatten schon in den letzten zwei Jahren eine Kooperation zwischen dem Computermusikstudio an der Bruckner Uni und der Kunstuni Linz, jedes Jahr mit Lukas Löcker als Verbindungsglied. Studierenden der Kunstuniversität wird das Sonic Lab ganztägig als Experimentierraum zur Verfügung gestellt. Sie können hier alles, woran sie gerade arbeiten, audiovisuell oder interaktiv in einem professionellen Rahmen umsetzen. Währenddessen werden sie besucht von unseren Studierenden, hauptsächlich aus der Komposition und der Medientechnologie, aber grundsätzlich ist es offen für alle, ein Kommen und Gehen. Im Vorjahr hatten wir das besondere Glück, dass aus diesem Sonic Experimental Lab eine Arbeit entstand, von Michael Mayr, die wir anschließend im Computermusikkonzertsaal im Rahmen des Sonic Saturday am Ars Electronica Festival gezeigt haben. Da sieht man schon, dass es eine ganz ernstzunehmende Experimentierbasis gibt.

Se-Lien Chuang: Der Music Monday ist eine langjährige Tradition bei der Ars Electronica. Mit diesem Experimental Showcase kommt dieses Jahr etwas Neues dazu. Der Sonic Saturday findet heuer hingegen erst zum zweiten Mal statt, er hat dieses Jahr neben dem Symposium noch das spezifischere Thema der Radiokunst als Zentralpunkt. Am Abend gibt es ein Mehrkanal-Computermusik-Konzert, das speziell elektroakustischer Komposition gewidmet ist, das Medium Sonorum; Im Großen und Ganzen sind die Unterschiede zwischen Sonic Saturday und Music Monday die Kuratoren und Kuratorinnen, die Auf-und Ausführenden, die Schauplätze und die fokussierenden Themen.

Das Computer Music Studio (CMS), oder Sonic Lab, an der Bruckner Universität eignet sich besonders für solche Mehrkanal-Computermusikkonzerte. Was macht diesen Saal dafür so ideal?

Se-Lien Chuang: Wir haben ein 20.4 Lautsprechersystem im Sonic Lab – dem Mehrkanal-Computermusikkonzertsaal, das heißt wir haben zwanzig Lautsprecher, verteilt auf vier Ebenen. Die erste Ebene ist auf Ohrenhöhe – wenn man sitzt, hört man die Musik bzw. die Klänge auf Ohrenebene. Hier sind der „ring of eight“ – acht Lautsprecher um das Publikum und Bühne herum. Auf der zweiten Ebene, etwas höher, sind vier Lautsprecher, auch genau positioniert, und dann die dritte Ebene, noch höher, mit weiteren vier Lautsprechern. Auf dem Boden sind noch dazu vier verteilt, also sechzehn plus vier am Boden, insgesamt zwanzig. Dazu kommen noch vier Subwoofer, mit denen man Bässe kräftig und massiv erleben kann.

Neben der Audio-Ebene haben wir auch eine visuelle Ebene, eine Doppelprojektion in HD-Auflösung. Heuer kommt noch ein dritter Projektor dazu, in der Mitte, das heißt wir haben insgesamt drei Projektionen in verschiedenen Konstellationen. Daraus ergeben sich dementsprechend audiovisuelle Kompositionen, und auch interaktive real-time Prozesse.

Wie hört sich also ein Konzert im CMS an?

Andreas Weixler: Physisch. Es ist echtes 3D Audio. Man muss sich das so vorstellen: Wenn man zuhause einen Stereolautsprecher hat, hat man vor sich links und rechts einen Lautsprecher. Manche haben auch Dolby 5.1 zuhause, das heißt fünf Lautsprecher – vorne, hinten, links, rechts und einen in der Mitte. Trotzdem ist alles noch auf einer Ebene. Genau diese Ebene haben wir hier höher aufgelöst mit acht Lautsprechern, darüber hinaus heben wir den Ton bis hinunter an den Boden und bis nach oben an die Decke. Das sind die Momente, die man auch im Konzert sehr gut wahrnimmt. Vier Lautsprecher sind das Minimum per Ebene, um vorne, hinten, links und rechts den Klang zu verteilen. Es gibt natürlich immer die Option, weitere Lautsprecher dazu zu stellen.

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Aussicht von der Bruckner Universität auf Linz. Credit: Vanessa Graf

Das Computer Music Studio an der Bruckner Uni scheint also ziemlich einzigartig zu sein…

Volkmar Klien: Technische Einzigartigkeit ist eigentlich immer Definitionssache, denn es gibt durchaus an anderen Forschungseinrichtungen auch hochauflösende, virtuelle Klangumgebungen. Im Gegensatz zu vielen anderen Forschungseinrichtungen oder Universitäten ist unser Raum aber tatsächlich auch zugänglich für unsere Studierenden. Man kann hier viel Zeit verbringen und Produktionen testen. Wir haben nicht nur das Sonic Lab als Produktions- und Präsentationsort, sondern auch ein Produktionsstudio, das im Prinzip dieselbe akustische virtuelle Realität ermöglicht. . Es gibt auch in diesem Raum eine 20-kanalige Umgebung mit Bässen, die es auch den Studierenden ermöglicht, die Sache tatsächlich auszuloten, auszuprobieren, neue Wege zu finden. Das ist eigentlich das, was das CMS abseits von technischer Brillanz noch einmal einzigartig macht. Es ist tatsächlich zugänglich und nicht nur theoretisch vorhanden.

Andreas Weixler: Technisch gesehen ist das, was eigentlich wichtig ist, gar nicht so sehr, dass man sich unterscheidet, sondern im Gegenteil – man muss kompatibel zu den anderen sein.

Andreas Weixler und Volkmar Klien

Credit: Christian Herzenberger

Trotz einiger vergleichbarer Räumlichkeiten in Europa sind Konzertsäle für Computermusik mit diesen technischen Möglichkeiten eher selten. Ohne CMS wäre wohl Einiges komplizierter…

Andreas Weixler: Im Altgebäude waren wir in verschiedene Gebäude verteilt, da hieß ein Computermusikkonzert, dass wir das Studio leer räumen, alle Lautsprecher in Taxis packen, ins Hauptgebäude in den Konzertsaal fahren, dort aufbauen, dann erschöpft ein Konzert machen und danach, nach dem Konzert – weil der Saal ja am nächsten Tag für etwas anderes verwendet wird – wieder alles abbauen, wieder in die Taxis, wieder zurück ins Studio. Und dann am nächsten Tag wieder aufbauen. Das ist nicht ressourcenschonend. Der Idealfall hier im CMS ist, dass man den Raum betritt, den Laptop ansteckt und loslegt.

Se-Lien Chuang: In Birmingham gibt es zum Beispiel ein BEAST – Birmingham Electro Acoustic Theatre, das heißt mobiles Lautsprecherorchester. Wenn die Künstlerinnen und Künstler dort ein Stück aufführen, tragen sie fünfzig Lautsprecher mit sich, in einem großen Lastwagen. Wir haben hier einen fixen Raum. Hier kann man das Sonic Lab und die anderen Räumlichkeiten einfach ausforschen, man muss nicht zuerst diese logistische Herausforderung bewältigen. Hier ist schon alles vorhanden für eine individualisierbare auditive Spatialisation.

Volkmar Klien: Andererseits ist es natürlich eine Tatsache, dass, wenn man für hochauflösende Audiosysteme schreibt oder produziert, man sich in gewisser Weise in einer akademischen oder einer Forschungswelt einsperrt. Man kann nicht in irgendeinen heruntergekommenen, aber coolen Club gehen und sagen: Hier ist mein 36-Kanal-Stück. Das ist prinzipiell, nicht nur in der elektronischen Musik, aber in jeder Form avancierter Medientechnologie, ein Problem. Es gibt Bestrebungen, Standards zu etablieren, aber noch ist es im Status eines kreativen Wildwuchses. Das ist auch gut so.

Ich denke aber auch, dass, weil Lautsprecher jetzt immer billiger und besser werden, es nicht mehr total undenkbar ist, dass man irgendwo in einem Club Achtkanal spielt. Man ist jetzt wirklich nicht mehr ganz so eingesperrt in einem akademischen Turm – Sound Art in einem weiteren Feld breitet sich sehr aus, in die verschiedensten Ecken.

Sonic Lab

Credit: Martin Hieslmair

Eine Auswahl davon, was sich in der Computermusik tut, wird man am Sonic Saturday in einem Konzert live erleben können. Welche KünstlerInnen werden dieses Jahr zu sehen sein?

Andreas Weixler: Dorit Chrysler zum Beispiel, die kein akustisches Instrument spielt, aber doch ein Instrument: das Theremin. Das ist ein ganz alter, induktionsgesteuerter Synthesizer. Er erzeugt nur einen Ton, der aber sehr schön und eindringlich ist. Das Theremin ist in der Geschichte der Elektroakustik ein sehr wichtiges Instrument, und Chrysler ist eine der aktiven virtuosen Spielerinnen. Sie ist daran interessiert, ihr Instrument hier in unseren Raum zu bringen.

Volkmar Klien: Die Steel Girls – Astrid Schwarz, Tobias Leibetseder und Angélica Castelló – haben eigene Instrumente gebaut, aus Stahl und Eisen. Es sind selbstgeschweißte Resonatoren, Instrumente, die dann elektroakustisch abgenommen und verstärkt werden. Man kann eine Synthese zum Einen so machen, dass man etwas im Computer, zum Beispiel ein virtuelles Objekt, baut und dann in Schwingung versetzt; es geht aber auch, indem man selbst etwas aus Eisen baut und es dann streicht, in Vibrationen versetzt, anregt, abnimmt, in den Computer einschleift und dann vielleicht wieder aus dem Computer hinaus in einen anderen Blechkistenresonator einspeist, mit einem Lautsprecher, der dann wieder als Filter verwendet wird, und so weiter. Es ist eine Art hybrides Instrument, das zum einen sehr physisch ist – also, einfach zusammengeschweißtes Eisen – und zum anderen in die digitale Welt hinein erweitert wird. Die Steel Girls, Studierende der Bruckner Uni, spielen live beim Konzert.

Ludger Brümmer, der Studiochef vom Zentrum für Kunst und Medientechnologie (ZKM) in Karlsruhe, wird ein audiovisuelles Werk präsentieren. Auch Dante Tanzi ist dieses Jahr hier.

Se-Lien Chuang: Dante Tanzi ist ein italienischer Komponist. Seit 2012 führt er Werke des akustischen Musikrepertoires auf dem acousmonium SATOR (Centro San Fedele, Mailand) und auf dem mobilen acousmonium AUDIOR durch. Mit Eraldo Bocca ist er der Begründer des AUDIOR Verbandes. Er produziert mit vielen verschiedenen analogen Instrumentalmedien und komponiert normalerweise Stücke für Stereo, also für zwei Kanäle. Er freut sich, im Sonic Lab diese 20.4 Kanäle auszuprobieren, also Stereo auf diese vielen Lautsprecher dispositionieren. Er wird eine Räumlichkeit kreieren, sehen, wie das mit seiner Komposition klingt. Das ist generell ein Anliegen – egal mit wie vielen Kanälen man komponiert hat, die Möglichkeit zu haben, die Musik im Sonic Lab zu entfalten, sie in diesem Raum zu erleben und aufleben zu lassen.

Andreas Weixler: Er macht das live! Die Komposition ist auskomponiert, aber schon dafür ausgelegt, dass man die verschiedenen Richtungen gut hört, mit vielen Geräuschanteilen.

Besonders ist dieses Jahr außerdem, dass wir zum ersten Mal hier im neuen Haus Residencies haben. Jiayi Young und Shih-Wen Young von der UC Davis kommen uns im August besuchen, um im Sonic Lab zu forschen, neue Stücke zu schaffen und auch die Kooperation und den Austausch zu pflegen. Sie werden auch eine Arbeit innerhalb dieses Konzertes Medium Sonorum zeigen, die zum Teil hier entwickelt wird.

Volkmar Klien: Unser letzter Gast ist Seth Cluett, ein englischer Sound Artist oder Komponist, der am Stevens Institute of Technology in Hoboken, USA, unterrichtet. Seth Cluett wird einerseits am Symposium Kunstradio /Radiokunst teilnehmen und außerdem eine live Performance machen, 20.4-kanalig. Es werden Instrumente elektro-akustischer Natur und auch seine Stimme zum Einsatz kommen, die er in Echtzeit bearbeitet.

Neben der Konzertnacht gibt es auch einen Listening Room. Was passiert hier?

Andras Weixler: Der Listening Room entstand letztes Jahr – wir hatten so viele Ideen für das Medium Sonorum, dass es eigentlich zu viel war. Also mussten wir auswählen, wer live gespielt wird und welche Stücke den ganzen Tag lang zum Anhören im Listening Room laufen. Dieses Jahr gibt die Gesellschaft für Elektroakustische Musik Österreich (GEM) eine CD-Sammlung heraus: vier CDs, die elektroakustische Musik aus Österreich repräsentieren. Die Sammlung heißt 30/4, weil es 30 Komponistinnen und Komponisten auf vier CDs sind. Hier geht es vor allen darum, die Breite der österreichischen elektroakustischen Kompositionen zu zeigen. Die Idee ist, dass diese vier CDs im Kreis laufen, man kann jederzeit in den Listening Room und sie anhören. Vor dem Konzert beenden wir den Listening Room, damit sich das Publikum im Sonic Lab auf das Konzert konzentrieren kann.

Se-Lien Chuang: Der Listening Room befindet sich im Produktionsstudio, welches wie eine Miniatur des Sonic Lab wie in der architektonischen Größe als auch in der technischen Ausführung konstruiert ist. Das Produktionsstudio ist mit 20.2 Lautsprechersystem ausgestattet. Man kriegt im Ablauf mittels einer ScreenInfo immer mit, was man jetzt hört. Durch die Präsentation der GEM-CDs im Listening Room wird die Vielfältigkeit der österreichischen elektroakustischen Kompositionen durch die Zeit und mit der Zeit hervorgehoben sein.

Und im Programmpunkt Guided Tour wird die Möglichkeit geben, sich mit uns – Andreas Weixler und mir, Se-Lien Chuang – in der Mitte der schwungvollen architektonischen Linien die CMS Räumlichkeiten mit Live-Performances und Demos zu erkunden.

Der letzte Programmpunkt ist das Symposium. Welche Highlights erwarten uns hier?

Volkmar Klien: Das Symposium steht unter dem Titel „Different Places – From Broadcasting to Transmitting to Processing“. Wir organisieren es dieses Jahr in Zusammenarbeit mit dem ORF Ö1 Kunstradio und dessen Leiterin Elisabeth Zimmermann. Es wird sich mit digitalem Klang befassen, sich dann aber thematisch ausbreiten. Es zeichnet grob die dreißigjährige Geschichte von Kunstradio, Radiokunst nach, die seit Anbeginn auch sehr eng mit dem Ars Electronica Festival verwoben ist. Das Kunstradio, Ö1, bildet seit geraumer Zeit auch wirklich ein globales Zentrum der radiophonen Kunst und hat sich stark bemüht, von diesem hierarchischen Broadcast wegzukommen, hin zu einem Kommunikationsraum. Und das schon in einer Zeit, bevor das Internet spruchreif war! Die letzten 30 Jahre haben doch zu einer ganz fundamentalen Umwälzung der medialen Umwelt geführt, wir alle leben in einer augmentierten Welt, die in der Frühzeit der Ars Electronica und auch in der Frühzeit des Kunstradios noch Zukunftsmusik war. Das, was wir bei den Symposien Different Places versuchen, ist, Leute aus der Theorie und der künstlerischen Praxis zusammenzubringen. Die Überlegung ist: Was von diesen Utopien und Dystopien aus der Frühzeit der Medienkunst, auch des Kunstradios, ist für uns jetzt noch relevant? Was ist relevanter als ursprünglich gedacht, was hat sich in welcher Form nicht oder ganz anders bewahrheitet als ursprünglich gedacht? Zu diesem Symposium kommen eine ganze Menge sehr renommierter Persönlichkeiten aus dem Bereich Klang- und Radiokunst.

 

Volkmar KlienVolkmar Klien verbrachte seine Kindheit und Jugend in Wien; fasziniert vom Musikleben dieser Stadt mit seinen gloriosen Traditionen und antiquierten Ritualen. Ausgehend von diesem Hintergrund versucht er heute die Möglichkeiten von Komponieren, Musizieren und Hören weit über klassische Konzertsituationen hinaus zu erweitern. Sein Interesse an den vielschichtigen Verbindungen zwischen den verschiedenen Modi menschlicher Wahrnehmung und den Rollen, die diese in der gemeinschaftlichen Schöpfung von Wirklichkeit einnehmen, führt ihn in die unterschiedlichsten Bereiche hörbarer – und manchmal auch unhörbarer – Kunst. Seine Installation “Relative Realities” ist im Rahmen des Ars Electronica Festival 2016 im Mariendom zu erleben. Volkmar Klien ist Professor für Komposition an der Anton Bruckner Privatuniversität in Linz.

Chuang Se-LienSe-Lien Chuang ist Komponistin, Pianistin und Medienkünstlerin. Sie wurde 1965 in Taiwan geboren und lebt seit 1991 in Österreich. Ihr künstlerischer Schwerpunkt erstreckt sich von zeitgenössischer Instrumentalkomposition und –improvisation, über Computermusik und elektronische Klangverarbeitung bis hin zur audiovisuellen Interaktivität. Studium der Komposition (Beat Furrer), Musik- und Medientechnologie (Karlheinz Essl), Klavier/Blockflöte sowie der elektroakustischen Musik in Österreich. Internationale Produktion, Forschungsaufenthalte und Vorträge sowie zahlreiche Aufführungen von Kompositionen in Europa, Asien sowie Nord- und Südamerika: Salzburger Festspiele, Wien Modern, Ultraschall Festival Berlin, ICMC Utrecht/Athen/Perth/Ljubljana/ Huddersfield/NYC/Belfast/Kopenhagen, SICMF Seoul, NYCEMF, NIME Lousiana/New York City, ISEA Hong Kong/Singapur/Nagoya, IAMAS Japan, Ars Electronica Linz, SONORITIES Festival Belfast, und viele weitere.

Andreas WeixlerAndreas Weixler, geboren 1963 in Graz, ist Komponist zeitgenössischer Instrumental- und Computermusik mit einem besonderen Schwerpunkt auf audiovisuelle Interaktivität, virtuose Zufälligkeiten und interaktiver Partitur. Derzeit ist er außerordentlicher Professor an der Anton Bruckner Privatuniversität, wo er die Entwicklung des Computer Music Studios und das Sonic Lab, die intermediale Mehrkanal-Konzerthalle für Computermusik, initiierte. Er ist außerdem Dozent an der Kunstuniversität Linz und an der Universität für Musik und darstellende Kunst in Wien. Nach seinem Studium in Graz mit Dobrowolski, Pagh-Paan und Furrer, hat er zahlreiche internationale Projekte, Studienaufenthalte und Forschungen absolviert. Andreas Weixler gründete die Intermedia-Konzertreihe im Ars Electronica Center Linz und betreibt derzeit gemeinsam mit Se-Lien Chuang das Atelier Avant Austria.

Musik und Sound Art am Ars Electronica Festival  von 7. – 11. September 2017

Mit einer ganzen Reihe an hochklassigen Konzerten, Performances, Vorträgen und Diskussionen hat das Festival längst auch für Musikfans eine große Anziehungskraft. Neben dem Sonic Saturday ist auch die Große Konzertnacht am 10. September 2016 in der POSTCITY ist ein weiteres Highlight, das Sie sich nicht entgehen lassen sollten. Im Deep Space 8K des Ars Electronica Center wird es eine Reihe an audiovisuellen Präsentationen geben, aber auch das tägliche Abendprogramm während des Festivals kann sich mit Opening, Nightline und OK Night „hören“ lassen. Fast schon traditionell widmet sich der letzte Tag des Ars Electronica Festival, der Music Monday, einen ganzen Tag Musik und Sounds. Vorträge und Präsentationen, Performances, Workshops und Konzerte geben Einblick in Soundprojekte und -installationen, die im Laufe des Festivals vorgestellt wurden.

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