CyberArts 2017: Medienkunst vom Feinsten

Die CyberArts Ausstellung zeigt auch dieses Jahr die preisgekrönten Arbeiten des Prix Ars Electronica am Ars Electronica Festival, von 7. bis 11. September 2017. Im Interview verrät das Exhibition Team mehr über die Ausstellung und das begleitende Veranstaltungsprogramm sowie die OK Night.

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Credit: David O'Reilly

Es ist das Feinste vom Feinsten aus über 3500 Einreichungen zum Prix Ars Electronica, eine der wichtigsten Auszeichnungen für Kreativität und Pioniergeist im digitalen Medienbereich: Die CyberArts 2017. Die Ausstellung im OK im OÖ Kulturquartier zeigt auch heuer wieder einen Querschnitt durch herausragende Beispiele der aktuellen Medienkunst. Die OK Night am Samstag, den 9. September 2017, rundet die Ausstellung der prämierten Werke aus den vier verschiedenen Kategorien des Prix Ars Electronica musikalisch ab.

Wir haben mit Genoveva Rückert, CyberArts Kuratorin, Maria Venzl, kuratorische Assistentin, und Markus Reindl, Kurator der OK Night, gesprochen und mehr über die Ausstellung erfahren.

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Genoveva Rückert, Maria Venzl, Markus Reindl und Andreas Kurz vom OK im OÖ Kulturquartier. Credit: Vanessa Graf

Den Prix Ars Electronica gibt es schon seit 1987 – was hat sich in den letzten dreißig Jahren getan?

Genoveva Rückert: Die Entwicklungen in der Medienkunst sind rasant. Spätestens seit 2000, mit der Ankunft des Internets, haben sich die Kategorien vollständig gewandelt. Man kann das sehr gut über das Ars Electronica Archiv ablesen, wie sich die Kategorien verändert haben. Man sieht das zum Beispiel sehr deutlich an der Kategorie Digital Communities, die „Internet-Kategorie“. Diese hat sich sehr stark verändert: von einer Auszeichnung für bestgestaltete Webseiten hin zu einem rein community-orientierten Blick auf das Internet. Auch die Kategorie Hybrid Art hat eine Entwicklung durchgemacht. Sie entstand aus der Feststellung, dass sich hybride Formen, in der sich verschiedene Genres vermischen, immer stärker durchsetzen. Mittlerweile geht es sehr klar in eine bio-politische Richtung mit einem Fokus auf die Biowissenschaften, besonders bei den diesjährigen Einreichungen.

Die CyberArts findet dieses Jahr zum 21. Mal im OK statt. Was ist heuer neu?

Genoveva Rückert: Dieses Jahr ist anders, dass wir die Ausstellung viel stärker als ein kuratorisches und produktionsorientiertes Team entwickelt haben: mit Martina Rauschmayer als Ausstellungsmanagerin, Andreas Kurz als technischen Leiter, Maria Venzl als kuratorische Assistenz, mir als Kuratorin und Markus Reindl als Kurator der OK Night, also des Veranstaltungsprogramms der CyberArts.

Welche Kategorien wurden beim diesjährigen Prix Ars Electronica ausgeschrieben und werden im September in der CyberArts Ausstellung gezeigt?

Maria Venzl: Die Kategorien sind Computeranimation/Film/VFX, Hybrid Art, Digital Musics & Sound Art und die u19.

Bei der Computeranimation wird man das Spiel „Everything“ von David O’Reilly, der dieses Jahr die Goldene Nica gewann, spielen können. Die Arbeit „Out of Exile“ von Nonny de la Peña und Emblematic Group wird man mit dem Virtual Reality System HTC Vive interaktiv erleben können. Auch die Gewinnerin der Kategorie Hybrid Art, Maja Smrekar, zeigt ihre Arbeit als Installation. Aus der Kategorie Digital Musics & Sound Art werden zwei Künstler live bei der OK Night performen. Zu den hauptsächlich installativ gezeigten Projekten gibt es die Digital Music Lounge. Dort kann man sich alle Projekte noch einmal anhören.

Die Besonderheit der diesjährigen CyberArts ist sicherlich, dass wir fast alle Arbeiten als Installation zeigen können. Im Gegensatz zu Dokumentationen kann man so die Arbeiten räumlich erleben.

Dieses Jahr gab es eine Rekordzahl an Einreichungen, mit fast 4000 eingereichten Werken. Welche Trends lassen sich bei den Arbeiten erkennen?

Genoveva Rückert: Ganz genau waren es 3677 Projekte aus 106 Ländern. Das ist ein absoluter Rekord, vor allem deshalb, weil es so viele Einreichungen in der Computeranimation/Film/VFX gab. Gerade in dieser Kategorie sieht man einen Trend zur „Virtuellen Realität“. Seit einigen Jahren gibt es experimentelle Projekte mit dieser neuen Technik unter den Einreichungen, aber dieses Jahr war es noch einmal verstärkt. An der Auswahl der Jury sieht man, dass es dieses Jahr eine sehr stark inhaltliche Auswahl war. Bei der Goldenen Nica der Computeranimation zum Beispiel geht es nicht darum, dass es die beste 3D-Animation ist, sondern vielmehr um ein philosophisches Thema. Die Technik oder die Animation von „Everything“ ist geradezu primitiv, das ist ungewöhnlich für diese Kategorie. „Out of Exile“ wurde auch wegen seines Inhalts prämiert, hier geht es um die Teilhabe an einem Coming Out.

In der Digital Musics ist es enorm breit gefächert. Es gab Jahre, in denen reine Sound-Arbeiten und weniger Installatives eingereicht wurden, das ist dieses Jahr nicht so. Man hat wieder die volle Breite von großen Installationen bis zu reinen Musik – Kompositionen. In dieser Kategorie zeigt sich, dass es ein großes Interesse an Archiven gibt. Das Gewinnerprojekt ist ein Archiv über Noisemusik in Südostasien, „Not Your World Music: Noise In South East Asia“ von Cedrik Fermont und Dimitri della Faille. Auch „A Study into 21st Century Drone Acoustics“ von Gonçalo Freiria Cardoso und Ruben Pater, aus der Kategorie Hybrid Art, die bei der OK Night performen werden, ist eine Art Archiv.

Was genau erwartet uns bei der OK Night?

Markus Reindl: Die OK Night ist traditionell das Samstagabend-Programm beim Ars Electronica Festival, das vom OK veranstaltet wird. Es ist sowohl Präsentationsfläche für musikalische oder performative Arbeiten aus den Prix Gewinnern und Gewinnerinnen, als auch Unterhaltungsprogramm. Wir können natürlich nur alle zwei Jahre Preisträger und Preisträgerinnen des Prix Ars Electronica in der OK Night zeigen, weil die Ausschreibung biennal ist. In den Jahren dazwischen setzen wir immer eigene, andere Schwerpunkte.

Die eben angesprochene „Study into 21st Century Drone Acoustics“, die bei der OK Night performen werden, stellt die grundlegende Frage: Wie klingt eigentlich eine Drohne? Man hat zwar sofort einen Sound im Kopf. Dass es militärische Riesendrohnen gibt, von denen nur wenige wissen, wie sie klingen, daran denkt man nicht sofort. Die Künstler haben tatsächlich ein Archiv mit solchen Sounds zusammengestellt. Dies geht in einen Bereich, der momentan sehr populär ist, nämlich Field Recordings, also Aufnahmen von realen Szenerien und Sound Settings. Sie nehmen dieses Material und verarbeiten es weiter. Es wird am ersten Teil des Abends den Höhepunkt bilden, bevor es dann clubbiger und tanzbarer wird.

Da greifen wir dann einen anderen Bereich auf, der in den letzten Jahre in der elektronischen Musik und vor allem im Clubbereich populärer geworden ist, nämlich Hybrid Club. Hier geht es darum, die Genres stärker zu vermischen. Wir haben die Berlinerin Ziúr zu Gast, die in einer Live-Performance verschiedene Styles mischt. Das ist eigentlich eine relativ wilde Collage, aber immer noch in einem Dancefloor-Rahmen.

Dazu gibt es noch nationalen Support, zum einen mit dem Linzer Mischmeister M von Shash Records, einem recht erfolgreichen Linzer Label, und zum anderen mit Heap, einer der Menschen hinter dem Wiener Label Neubau.

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Out of Exile. Credit: Nonny de la Peña, Emblematic Group 

Was hat es mit dem Electronic Theater auf sich?

Markus Reindl: Das Electronic Theater im OK leitet den Abend ein. Es wird zweimal gezeigt – zuerst um 20:00 am Dach im Sommerkino als Alternativprogramm zur Klangwolke, später um 22:00 noch einmal für alle im Movie1. Das Electronic Theater zeigt die besten Arbeiten der Kategorie Computeranimation/Film/VFX des Prix Ars Electronica.

Genoveva Rückert: Das Beste aus den Einreichungen und auch die Preisträger und Preisträgerinnen.

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Credit: BORUT PETERLIN

Auf welche Highlights  aus den anderen Kategorien darf man sich schon freuen?

Genoveva Rückert: Ganz klar ein Highlight ist die Goldene Nica der Hybrid Art Kategorie von Maja Smrekar, „K-9_topology“. Unter anderem ließ sich die Künstlerin für dieses Werk eine Eizelle entnehmen, die im entkernten Zustand Wirt für eine Körperzelle eines Hundes wurde. Damit spricht sie an, dass Gentechnologie ein brisantes gesellschaftspolitisches Thema ist. Es geht bei Ihr aber auch um die Beziehung zwischen Menschen und Hund und seinem Ahnen den Wolf. Sie hat eine sehr starke und eindrückliche Bildsprache und schafft symbolische Anknüpfungspunkte. Sie übernimmt Methoden aus der Wissenschaft und schafft als Künstlerin ein symbolisches Objekt, eine symbolische Handlung und damit etwas an dem wir anknüpfen und uns auch reiben können. Das Werk sorgt für Aufregung, aber es ist auch eine gesellschaftliche Aufgabe der Kunst Dinge zu hinterfragen. Zu dem Thema Kunst und Ethik wird es, im Rahmen der CyberArts, auch einen hochkarätigen Talk mit ihr Gerfried Stocker und Gästen geben, am Sonntag, den 10. September 2017.

Ein weiteres Highlight wird im großen Saal zu sehen sein, „Light Barrier“ von dem koreanisch-britischen Duo Kimchi and Chips. Es ist eine Arbeit aus der Kategorie der Computeranimation/Film/VFX, ein in einem dunklen Raum stattfindendes, multimediales Spektakel, basierend auf Nebel, Klang und Projektionen.

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Impression vom Prix Forum letzten Jahres. Credit: Florian Voggeneder

Zusätzlich zu der CyberArts Ausstellung gibt es auch jedes Jahr Prix Foren. Was steckt dahinter?

Genoveva Rückert: Die Prix Foren sind ein Format, in dem die Preisträger und Preisträgerinnen des Prix Ars Electronica, jeweils der Goldenen Nica und zwei Awards of Distinctions, einladen, in einem Panel mit jeweils einer Fachperson, oft einem Juror oder einer Jurorin, ein Fachgespräch zu führen. Es ist eine Möglichlichkeit, renommierte Künstler und Künstlerinnen vertieft kennenzulernen. Es findet auch dieses Jahr wieder am Samstag, 9. September 2017, im Ursulinenhof, statt.

 

Markus ReindlMarkus Reindl ist Musiker und freier Kurator und im OK unter anderem für die La’Do Club-Nächte und das Programm der OK-Night zur Ars Electronica verantwortlich.

 

 

Maria VenzlMaria Venzl studierte Bildhauerei – transmedialer Raum an der Kunstuniversität Linz und arbeitet seit 2016 als kuratorische Assistentin im OK / OÖ Kulturquartier.

 

 

Genoveva RueckertGenoveva Rückert ist Kuratorin am OK, zeichnet verantwortlich für die Programmentwicklung und Leitung der Abteilung für Entwicklung und Vermittlung im OÖ Kulturquartier und ist Lehrbeauftragte für Raumtheorie an der Kunstuniversität Linz.

 

Die CyberArts Exhibition wird vom  7. September 2017 bis zum 17. September 2017 im OK im OÖ Kulturquartier zu sehen sein. Wie jedes Jahr werden auch heuer wieder die besten und spannendsten Projekte des Prix Ars Electronica gezeigt.

Die Öffnungszeiten während des Festivals sind von Donnerstag, 7.9.2017, bis Montag, 11.9.2017, jeweils von 10:00 bis 19:00 Uhr. Am Donnerstag sowie am Samstag wird die Ausstellung bis 21:00 Uhr geöffnet sein. Darüber hinaus wird die Ausstellung zu den Öffnungszeiten des OK im OÖ Kulturquartier bis zum 17. September 2017 zu sehen sein.

Die OK Night findet am 9. September 2017 ab 21:00 Uhr am OK Platz und OK Deck statt. Der Eintritt ist frei.

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