Tag 4: Ein Highlight jagt das Nächste

Bereits der vierte Tag des Ars Electronica Festival 2017 ist fast zu Ende und auch dieser bot wieder ein abwechslungsreiches Programm an Konferenzen, Workshops, Medienkunst, Performances und vielem mehr. Die Große Konzertnacht, bei der Markus Poschner erstmals als Chefdirigent des Linzer Bruckner Orchesters antrat, war der Höhepunkt dieses Festival-Sonntags. Doch eins nach dem anderen. Begleiten Sie uns durch eine bildreiche Zusammenfassung des vierten Tages.

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Credit: Tom Mesic

Auch an Tag vier freuten wir uns bereits in der Früh wieder über den riesengroßen Besucherandrang! Es war der letzte Tag der Sommerferien und auch viele unserer fremdsprachigen BesucherInnen aus aller Herrenländer mussten uns heute Abend leider wieder verlassen. Deshalb nutzten viele den Festival-Sonntag um noch einmal die POSTCITY, das Ars Electronica Center und all die anderen Festivallocations genau unter die Lupe zu nehmen. Im Ars Electronica Center starteten wir mit einem Best of Deep Space in den Tag, den sich offenbar keiner entgehen lassen wollte.

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Credit: Magdalena Sick-Leitner

Zur gleichen Zeit startete Prof. Hiroshi Ishii von der MIT Media Lab Tangible Media Group in der POSTCITY das erste Panel „Art Science: From Vision to Practice“. Thema war die Diskussion über die transdisziplinäre Natur von kreativem Arbeiten, welches Kunst, Design, Wissenschaft und Technologie umspannt.

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Credit: Florian Voggeneder

Während Prof. Ishii diese spannende Diskussion in der Conference Hall leitete, sammelten sich BesucherInnen gegenüber im POSTCITY Futurelab zu einer großen Menschentraube, um die Live-Performance „1:1“ zu sehen. Dieses Projekt handelt von der Beziehung zwischen einem Menschen und einer Roboter-Kamera: wie sie es im Lauf der Zeit schaffen, sich den anderen auf komplexe Weise vorzustellen und einander im Maßstab 1:1 zu sehen.

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Credit: Florian Voggeneder

Nur wenige Schritte weiter bot Dragan Ilić eine einzigartige interaktive Erfahrung an. In seiner trans-technologischen Performance beziehungsweise Installation werden Kunstwerke mittels Maschinentechnologie und Publikumsbeteiligung geschaffen. Ilić nutzt dazu ein komplexes System aus Brain-Computer-Interfaces (BCI), indem er einen Hightech-Roboter via State-of-the-Art-Technologie mit seinem Gehirn kontrolliert.

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Credit: Tom Mesic

Das Brain-Computer-Interfaces (BCI) kommt auch vor dem Eingang der POSTCITY zum Einsatz. Ein besonderes Kooperationsprojekt zwischen Wacker Neuson, Hersteller von Baugeräten für den Profibedarf, und Ars Electronica Futurelab macht es möglich, mittels hochmodernen BCI-Technologien und Methoden des Eye-Tracking einen Kettenbagger ET 65 allein durch die Kraft der Gedanken oder der Augen anzusteuern und seinen 7 Meter langen Baggerarm zu bewegen.

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Credit: Florian Voggeneder

Nicht nur IN der POSTCITY und VOR der POSTCITY, sondern auch AUF der POSTCITY – oder besser gesagt, auf dem Dach der POSTCITY – gibt es dieses Jahr wieder etwas zu entdecken. Perpetuum Mobile ist eine Komposition für eine 12-Kanal-Klanginstallation. Zwölf Lautsprecher stehen im Kreis. Jede Sekunde erklingt eine Note, die im Uhrzeigersinn von einem zum anderen wechselt. Der scheinbar geordnete Rhythmus wird im Verlauf der Komposition chaotisch, fällt auseinander, um sich dann wieder in den Klang der einzelnen Note einzuordnen.

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Credit: Florian Voggeneder

Vom höchsten Punkt der POSTCITY in den tiefsten und dunkelsten Winkel: der ehemalige Atombunker. Dieser, oder besser gesagt fast der gesamte Kellerbereich, widmet sich der kuratorischen Fragestellung, welches die Essenz des Menschseins gegenüber der Essenz des Maschinenseins, und des „seins“ von Daten ist. Wie beispielsweise Sculpture of Time, das ein Teil der sogenannten „toki-” Serie ist die sich mit der Frage, „Was ist Bewegung und was bedeutet es, sich zu bewegen?” beschäftigt.

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Credit: Tom Mesic

Fast genauso dunkel wie im Bunker, aber mit mindestens ebenso viel Spannung in der Luft, war es heute im Deep Space bei der Präsentation „iOTA“. Diese Echtzeit-Performance verwandelt die Bühne in einen Kampf zwischen Mensch und Maschine. Die aktuelle Version von iOTA ist fähig, maschinell zu lernen. So wird das Publikum Zeuge eines einzigartigen AV-Performance-Kampfes zwischen realen KünstlerInnen und künstlicher Intelligenz, die auf der Bühne wie ein Künstler agiert.

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Credit: Magdalena Sick-Leitner

Mit einer ganz besonderen Art von künstlicher Intelligenz, nämlich mit Schwarmintelligenz beschäftigt sich „Swarm Compass“. Das Grundkonzept dahinter ist eine Navigationshilfe. Um über eine einfache Beschilderung mittels schwarmbasierter sozialer Kommunikationsdienstleistung hinauszuwachsen, sind das japanische Telekommunikationsunternehmen NTT und das Ars Electronica Futurelab eine Kooperation eingegangen und haben die Spaxels eingesetzt. Das Schwarminfotainment, das anhand von Drohnen demonstriert wird, ist ein Prototyp, der entwickelt wurde, um die BesucherInnen und EinwohnerInnen Tokios im Jahr 2020 auf spielerische Art an ihren Zielort zu bringen. Das Festivalpublikum wird die ersten Schritte in der Entwicklung eines Dienstleistungsangebots sozialer Ausprägung sehen, das auf der Grundlage von Schwarmintelligenz arbeitet.

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Credit: Florian Voggeneder

Sogar unsere jüngsten Festival BesucherInnen beschäftigen sich bereits mit künstlicher Intelligenz. AI Music ersetzt nicht die MusikerInnen und erzeugt von sich aus Musik – es teilt sich vielmehr das Instrument mit der Musikerin oder dem Musiker und hört aufmerksam zu. Sobald es ausreichend zugehört hat, kann es die Musik eigenständig fortsetzen, oder gar parallel dazu spielen. AI Music lernt von allen, die damit interagieren.

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Credit: Florian Voggeneder

Von Musik bis zum bewegten Bild geht es im Animation:Lab. Dieser offene und interaktive Workshop lädt Kreative jeden Alters dazu ein, in ein kollaboratives Universum der bewegten Lichtmalerei einzutauchen.

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Credit: Tom Mesic

Mit einer spektakulären „explosiven“ Performance leutete Aoife von Linden Tol die Abendstunden in der POSTCITY ein. Bei Star Storm unternahm das Publikum eine emotional und körperlich fordernde Reise, bei der sie Zeuge einer Reihe von Explosionen und pyrotechnischen Events wurden. Jedes Ereignis stellte ein spezifisches Phänomen dar, wie es ständig in den Sternen in unserem Universum stattfindet. Jeder einzelne Abschnitte der Performance war einzigartig – so erlebte das Publikum ganz unterschiedliche Energien und Erfahrungen, die aufregend oder meditativ, von kurzer oder längerer Dauer, geordnet oder chaotisch sein konnten.

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Credit: Florian Voggeneder

Krönender Abschluss des Festival-Sonntags war die Große Konzertnacht. Markus Poschner trat erstmals als Chefdirigent des Bruckner Orchesters an und stellte seine erste Große Konzertnacht unter das Motto AUFBRUCH. Der „Neue“ rührte also kräftig um! Das Ergebnis war ein Mix aus klassischer Orchestermusik, Jazz, Soundart und digitalen Visualisierungen auf gleich mehreren Bühnen in der Gleishalle, zwischen denen das Publikum die Musik- und Klangwelt dieses Abends wandernd erleben konnte.

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Credit: Tom Mesic

Nun ist das Festival schon fast wieder vorbei. Nur noch ein paar Stunden und das Ars Electronica Festival 2017 ist wieder Geschichte. Wer jedoch gerne mehr davon hätte: Infos und Fotos zum Ars Electronica Festival 2017, Stories und Live-Berichte direkt aus den verschiedenen Locations gibt es auf unserem Instagram-Kanal: https://www.instagram.com/arselectronica/

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