Fronius: Der Lichtbogen der Messehalle

Fronius ist globaler Marktführer für Roboterschweißen und hat sich im Bereich des Lichtbogen- und Widerstandspunkt-Schweißens international bereits einen Namen gemacht. Den Unternehmensauftritt auf der Weltleitmesse „SCHWEISSEN & SCHNEIDEN 2017“ in Düsseldorf gestaltete diesmal die Ars Electronica Solutions. Wie dieser Messestand entstanden ist, das erzählt uns Michael Mondria, Leiter der Ars Electronica Solutions.

Fronius
Credit: Fronius

Materialien miteinander verbinden, das ist das Ziel von „Perfect Welding“ der Fronius International GmbH. Die Schweißtechnik ist neben Photovoltaik und Batterieladetechnik die zentrale Sparte des international tätigen und in Oberösterreich beheimateten Unternehmens. Um bei der Weltleitmesse „SCHWEISSEN & SCHNEIDEN“, die von 25. bis 29. September 2017 in Düsseldorf stattfand, mit einem eigenen Messeauftritt visuell ansprechend und präsent zu sein, hat sich Fronius an die Ars Electronica Solutions gewandt. Michael Mondria, Leiter der Ars Electronica Solutions, erzählt uns im Interview, wie sich dieser Auftrag entwickelt hat und welche architektonischen und interaktiven Elemente bei der Vermittlung mit den KundInnen zum Einsatz kamen.

Mit welchen Anforderungen ist das Unternehmen Fronius an die Ars Electronica Solutions herangetreten?

Michael Mondria: Auf der Fachmesse „SCHWEISSEN & SCHNEIDEN 2017“ stand vor allem die Vermittlung des Firmenimages klar im Vordergrund. Für Fronius war es also besonders wichtig, mittels neuester Präsentationstechnik die Technologieführerschaft des Unternehmens deutlich zu unterstreichen. Bei einem ersten gemeinsamen Workshop haben sich die Ziele dieses Messeauftritts herauskristallisiert. Verbindung und Transformation sollten die zentralen Themen sein, der Lichtbogen der Schweißtechnik sollte eine zentrale und sichtbare Rolle spielen und auf eigenen „Lösungsinseln“ sollten das Produkt, dazugehörige Systeme und Dienstleistungen vorgestellt werden. Darüber hinaus waren regelmäßige Live-Acts geplant, um noch mehr Aufmerksamkeit der BesucherInnen am Messegelände zu gewinnen. Fronius richtete sich bei der Fachmesse an unterschiedliche Zielgruppen – an EntscheidungsträgerInnen genauso wie an EinkäuferInnen, HändlerInnen oder Fachkräfte. So waren auch eigene Kommunikationsbereiche geplant, um einen ausführlichen Dialog mit den KundInnen führen zu können.

Fronius

Credit: Fronius

Welche Schritte waren – am Beispiel von Fronius – notwendig, um von der Idee zur Umsetzung dieses Messeauftritts zu kommen?

Michael Mondria: Wir haben das Projekt in vier Phasen geteilt. Zunächst entwickelten wir in Phase I ein Visionspapier, das die grundsätzliche Idee und die Storyline skizzierte. Hier erarbeiteten wir ein erstes räumliches Konzept, stellten Moodboards und erste Installationsvorschläge mit einer groben Kostenschätzung zusammen. In der Phase II trafen wir uns in mehreren Gesprächsrunden und Workshops mit den VertreterInnen unterschiedlichster Abteilungen und erarbeiteten auf Basis des Visionspapiers ein ausführlicheres Detailkonzept, das auch schon eine genaue Kostenaufstellung beinhaltete. Das Ergebnis dieser Planungsphase diente schließlich als Grundlage für die Phase III, die Realisierung des Messestandes. Zur Phase IV zählte schließlich der Rollout sowie die Begleitung der Messe vor Ort.

Wall

Credit: Ars Electronica Solutions / Stephan Pointner

Welche Lösungen schuf die Ars Electronica Solutions, damit Fronius schneller und tiefer mit den KundInnen ins Gespräch kommen konnte?

Michael Mondria: Der Fronius-Messestand teilte sich in verschiedene Bereiche, in denen unterschiedliche Vermittlungskonzepte zum Einsatz kamen: Im Zentrum des Auftritts stand der Lichtbogen bzw. der Schweißprozess an sich – dieser wurde zum Identifikationspunkt von Fronius stilisiert und mit der Kernbotschaft des Unternehmens, „Let’s Get Connected“, zusammengeführt. So wurden auch die Lichtphänomene des Schweißens, das bei Live-Präsentationen gezeigt wurde, auf diesen Lichtbogen übertragen und hervorgehoben. Darüber hinaus wurden die Vorgänge des Live-Schweißens vor Ort auf einen von weitem sichtbaren Bildschirm übertragen – neben einer analytischen Datenausgabe wurde auch die Sicht des Schweißers („First Person View“) live übertragen. Von diesem Lichtbogen ausgehend entwickelte sich die Messearchitektur in konzentrischen Kreisen nach außen und dehnte sich visuell bis in die umliegenden Hallenbereiche aus. Ein einheitliches Informationssystem wurde für die „Produktinseln“ entwickelt, wobei auf Infoscreens die einzelnen Produktgruppen näher und detaillierter vorgestellt wurden. Die „Reference Wall“ präsentierte das weltweite Fronius-Vertriebsnetz auf einer interaktiven Weltkarte. Zu jedem Standort konnten weitere Informationen abgerufen oder auch Filter angewandt werden, um die Vermittlung den Bedürfnissen der KundInnen anzupassen. Die Filter bezogen sich beispielsweise auf Zeiträume, geografische Eingrenzungen, Produkte oder Anwendungen. Die „Communication Area“ bestand aus mehreren Stationen mit integrierten Touchscreen-Interfaces, bei denen Fronius-MitarbeiterInnen auf sämtliche im System vorhandenen Informationen zugreifen und diese vor Einzelpersonen oder kleinere Personengruppen präsentieren konnten.

weldcube

Credit: Ars Electronica Solutions / Stephan Pointner

Der Eyecatcher des Messeauftritts war der „WeldCube“, ein in der Mitte der Ausstellungsfläche positionierter Würfel in Körpergröße – was hatte es damit auf sich?

Michael Mondria: Fronius stellte auf dieser Fachmesse unter anderem sein neu entwickeltes Datenmanagement-System WeldCube vor, das Schweißdaten aufzeichnen, analysieren und auswerten kann. Diese Software haben wir in Form eines physischen Würfels unterhalb des Lichtbogens in den Vordergrund gestellt, in dem der digitale Datenstrom von den einzelnen Schweißplätzen zusammenläuft. In den Würfel eingebunden sind Bildschirme, die es ermöglichen, das Objekt im übertragenen Sinne als intelligenten Organismus darzustellen. Es ließen sich mehrere Modi für die Bespielung der Bildschirmelemente einstellen, so auch direkte visuelle Verbindungen zu den Live-Schweißplätzen. Die Schweißvorgänge wurden auf dem Würfel visualisiert und mit dem Datenoutput der WeldCube-Software bereichert. Für die BesucherInnen ergab sich damit eine direkte Verbindung zwischen der Erzeugung des Lichtbogens am Schweißplatz, dem Datenstrom und der intelligenten Auswertung.

Messe

Credit: Ars Electronica Solutions / Stephan Pointner

Die Ars Electronica Solutions hat bereits mehrere Jahre Erfahrung im Bereich der Messearchitektur gesammelt und 2016 den Werbepreis Caesar in dieser Kategorie erhalten. Was sind die wesentlichen Elemente, wenn es darum geht, sich als Unternehmen auf einer Fachmesse zu präsentieren?

Michael Mondria: Zu allererst ist es wichtig, sich auf ein Motto, auf die zu vermittelnden Botschaften sowie auf eine Storyline festzulegen. Was möchte das Unternehmen seinen KundInnen erzählen und vermitteln? Basierend auf dieser Storyline wird schließlich gemeinsam mit dem Unternehmen ein Architekturkonzept entwickelt, in das neue Lösungen und Präsentationstechniken einfließen, die zum Teil auch neu geschaffen werden, um innovativ, intuitiv und dem Unternehmen angepasste Inhalte transparent darstellen zu können.

Wie unterscheidet sich eigentlich eine Ausstellung von einem Messeauftritt?

Michael Mondria: Messeauftritte sind einer Ausstellung sehr ähnlich, sind aber wesentlich kompakter und herausfordernder in mehrerer Hinsicht: Im Gegensatz zu Ausstellungen haben wir es bei Messeauftritten mit einer sehr kurzen Aufbauzeit und einem viel engeren Zeitplan zu tun. Wenn es darum geht, eine sehr hohe Anzahl an MessebesucherInnen in wenigen Tagen – und damit mögliche KundInnen – anzusprechen, sind extrem hohe Robustheit, Ausfallsicherheit und Flexibilität der Anwendungen unerlässlich. Gerade bei einer Fachmesse ist die Konkurrenz nicht weit entfernt – in diesem Umfeld müssen die eigenen Kernbotschaften selbstbewusst vermittelt werden. Und natürlich sollte man auch an die Zeit nach dem Messeauftritt denken und nachhaltige sowie weitere Verwendungszwecke berücksichtigen.

Michael MondriaMichael Mondria ist Senior Director von Ars Electronica Solutions. Er studierte Informatik an der Johannes Kepler Universität in Linz und gründete das Softwareunternehmen Memetics GmbH in Berlin. Michael Mondria war 15 Jahre als Software Engineer beim multinationalen Softwareunternehmen Fabasoft AG tätig, bevor er als Managing Director ins Ars Electronica Futurelab wechselte. Seit 2012 leitet er als Senior Director die Division Ars Electronica Solutions.

Join the discussion

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.