Von der Industrie 4.0 zum Leben 4.0

In der ersten Industrie 4.0 Themenwoche der Industriellenvereinigung Oberösterreich (IV OÖ) und Ars Electronica wurde in Workshops und Präsentationen untersucht, warum die Digitalisierung der Wirtschaft uns alle betrifft. Dr. Joachim Haindl-Grutsch, Geschäftsführer der IV OÖ, erklärt uns im Interview mehr.

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Credit: Florian Voggeneder

Drei Tage voller Workshops, Präsentationen und natürlich ganz viel Spaß – das war die erste Industrie 4.0-Themenwoche der Industriellenvereinigung Oberösterreich (IV OÖ) und Ars Electronica. Ob Präsentationen von Cinematic Rendering im Deep Space 8K, eine Quadrocopter-Flugschule, 3D-Druck-Experimente oder das Programmieren von Robotern, es gab viel zu entdecken. Die Industrie 4.0 macht auch unser Leben 4.0 – und genau das konnte man auf spielerische Art und Weise selbst erleben.

Doch was steckt eigentlich hinter diesem Begriff Industrie 4.0? Warum betrifft er nicht nur die Wirtschaft, sondern uns alle? Wieso haben so viele Menschen Angst vor der Digitalisierung und wie kann man das ändern? Im Interview mit Dr. Joachim Haindl-Grutsch, Geschäftsführer der IV OÖ, erfahren Sie mehr.

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Dr. Joachim Haindl-Grutsch im Ars Electronica Center. Credit: Vanessa Graf

Warum wurden die Industrie 4.0-Themenwochen ins Leben gerufen?

Joachim Haindl-Grutsch: Es geht darum, in diesen drei Tagen die breite Bevölkerung, Jugendliche, Erwachsene, mit dem Thema der Digitalisierung und ihren Auswirkungen auf die Wirtschaft, auf die Industrie, auf die Technologie und auf unser ganzes Leben bekanntzumachen. Es ist kein Thema nur für Eliten, sondern, ganz im Gegenteil, für die breite Masse der Bevölkerung – deshalb möchten wir einen Einblick geben, wie spannend die Zukunft der Industrie sein wird.

Stichwort Zukunft der Industrie – warum spricht man von Industrie 4.0?

Joachim Haindl-Grutsch: Dahinter steckt die vierte industrielle Revolution. Die erste industrielle Revolution begann mit der ersten Mechanisierung, dann kamen die Elektrifizierung und danach das Computerzeitalter. Jetzt sind wir in der Phase der Digitalisierung, in der alles vernetzt wird. Jedes Produkt gibt Informationen ab und nimmt sie auf.

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Im Workshop „Voll plastisch!“ wird von 0-D bis 3-D alles ausprobiert. Credit: Magdalena Sick-Leitner

Es fühlen sich noch nicht alle betroffen von dieser Digitalisierung – warum denken Sie ist das so?

Joachim Haindl-Grutsch: Das ist eigentlich ein bisschen absurd, weil heutzutage jeder und jede schon ein Smartphone eingesteckt hat – damit ist man mitten drinnen in der Digitalisierung. Bisher war es noch eine Frage der Vernetzung von Menschen, die zum Beispiel durch das Smartphone oder durch Social Media passiert. Jetzt sind wir beim nächsten Schritt, durch den auch Maschinen und Produkte miteinander vernetzt werden. Das wird man dann so richtig wahrnehmen, wenn zum Beispiel Autos miteinander „reden“ und damit auch selbstfahrend betrieben werden können. Ab dann wird es so richtig klar, was Industrie 4.0 ist oder sein kann.

Und in Fortsetzung davon auch Leben 4.0…

Joachim Haindl-Grutsch: Natürlich. Das ist auch jetzt schon ein Thema. Innovationen und neue Technologien lassen sich ja nicht aufhalten, man sollte sie auch nicht aufhalten, ganz im Gegenteil. Wenn man das möchte, dann hätte man früher auch sagen müssen, man bleibt beim Pferd und geht nicht über zum Auto oder zum Flugzeug. Wohin hätte das geführt? Zu einem Wohlstandsrückgang ohne Ende. Man muss auf diesen Zug der neuen Technologien aufspringen, dann wird man hier mehr Wohlstand schaffen, mehr Arbeitsplätze, ein besseres Leben, bessere Chancen.

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Auch das neue VRLab im Ars Electronica Center wurde bei der Themenwoche präsentiert. Credit: Florian Voggeneder

Wo kann man ganz konkret ansetzen, um mehr Leute auf diesen „Zug“ mitzunehmen?

Joachim Haindl-Grutsch: Ich glaube, man sollte erstens im Bildungssystem, schon bei den Kleinsten im Kindergarten, beginnen. Das muss sich über alle Bildungsstufen nach oben durchziehen. Technik, Naturwissenschaften, Informations- und Kommunikationstechnologien, Robotik – all das wird stark gefragt sein. In der Zukunft wird Programmieren genauso dazu gehören wie Lesen, Schreiben und Rechnen. Das wird eine tolle Entwicklung, weil die Kinder diese Techniken beherrschen und nicht nur, wie etwa beim Smartphone, anwenden werden.

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In der Quadrocopter-Flugschule kann man sich als DrohnenpilotIn probieren. Credit: Martin Hieslmair

Es gibt allerdings auch viele Menschen, die Angst vor der Digitalisierung haben. Woran denken Sie liegt das?

Joachim Haindl-Grutsch: Grundsätzlich hat ein Mensch immer vor Veränderung Angst. Weil man nicht weiß: Was kommt da auf Einen zu? Das Gewohnte, das kennt man, die Veränderung ist hingegen immer ein Weg ins Blaue. Wohin führt das, wie wird das enden, was heißt das für mich persönlich, für meinen Arbeitsplatz, für meine Kinder? Deshalb ist es ganz natürlich, dass die Menschen der Digitalisierung mit einer gewissen Vorsicht und vielleicht sogar Abwehr gegenübertreten. Es muss uns aber gelingen, genauso wie bei den vergangenen drei industriellen Revolutionen, dass wir die Chancen, die damit verbunden sind, nutzen. Wir haben die Chancen der letzten drei industriellen Revolutionen genutzt und wir sind überzeugt: Wir werden auch die vierte industrielle Revolution nutzen, um hier in dieser Region mehr Wohlstand zu schaffen. Dafür muss man die Menschen mitnehmen, darauf vorbereiten, das Bildungssystem, die Infrastruktur und den Arbeitsmarkt entsprechend anpassen, aber dann ist die Digitalisierung ein Turbo für unser Leben, für unseren Wohlstand.

Haindl-GrutschDI Dr. Joachim Haindl-Grutsch ist Geschäftsführer der Industriellenvereinigung Oberösterreich. Außerdem ist er zuständig für Industriepolitik, Öffentlichkeitsarbeit, Mitgliederbetreuung und die Liste der Industrie in der Wirtschaftskammer.

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