Deep Space 8K mal anders

Vom Musikvideo über Tanzperformances bis hin zu interaktiven Installationen, im Deep Space 8K im Ars Electronica Center ist wirklich immer was los. Wir haben uns angeschaut, wie kreativ und abwechslungsreich KünstlerInnen den einzigartigen Raum verwenden.

34609282715_f879adc23f_k
Credit: Robert Bauernhansl

Einzigartige Bildwelten, eine Projektionsfläche von 16 mal 9 Metern, 8K Auflösung und begleitende Bodenprojektionen – der Deep Space 8K ist wirklich etwas Besonderes. Mindestens so beeindruckend sind auch die Möglichkeiten, wie man ihn nutzen kann! Ob aus Tanz, Musik, Kunst oder Sport, die verschiedensten Events und Performances finden hier eine Spielwiese der Extraklasse.

Wir haben Juliane Leitner, Projektverantwortliche für den Deep Space 8K der Ars Electronica, gefragt, warum der Deep Space so einzigartig ist – und an welche außergewöhnlichen Veranstaltungen sie sich erinnern kann. Im Anschluss erzählen die beiden Künstler Michael Polli (Indorsia) und Chris Bruckmayr (raum.null) von ihrer Arbeit mit und im Deep Space 8K.

Juliane, was waren die verrücktesten Sachen, die du jemals im Deep Space gesehen hast?

Juliane Leitner: Da fällt mir gleich einmal Jonglissimo ein, eine Jongliergruppe, die den Raum komplett als Bühne verwendet. Da wird jongliert und zeitgleich filmt eine kleine Kamera, die eine Projektion an die Wand liefert. Das heißt, die Lichtshow des Jonglierens arbeitet zeitgleich mit unserem System zusammen!

Es finden hier im Deep Space auch viele Konzerte statt. Es ist des Öfteren schon vorgekommen, dass ein riesengroßer Bösendorfer Flügel im Raum steht! Oft arbeitet die Musik mit der Visualisierung zusammen. Hier bietet unser System komplett neue Möglichkeiten oder auch Herausforderungen. Da ist vor allem die Technik gefragt, wie Musik und Visualisierung kompatibel sind und dass beides auch zeitgleich funktioniert. So ein Konzert muss gut abgestimmt sein, es sind viele Proben notwendig, aber genau das macht es auch spannend. So lernt man auch einmal das Leben einer Pianistin oder eines Pianisten kennen, das man ansonsten weniger zu spüren bekommt.

Es sind auch Tanzperformances hier, wie The Crew, die den Raum als Tanzfläche nutzen und mit dem Lasertracking-System von Gerhard Funk (Studienleiter „Zeitbasierte und Interaktive Medien“ der Kunstuniversität Linz, Anm.) arbeiten. Auch die Performance von Viktor Delev war sehr interessant, er hatte für die Tanzperformance ANATTA sein eigenes Mischpult und seine eigene Anlage mit und entwickelte ein eigenes Konzept für die Wand-Boden-Projektion, inklusive einer Tänzerin. Didi Bruckmayr war auch schon hier, er ist bekannt für seine Soundinstallationen. Das ist unglaublich: Wenn der Deep Space komplett schwarz ist und man nur eine Stimme hört, wenn man dann merkt, was man mit solchen Stimmen anstellen kann und das Gefühl hat, es stellt einem alle Haare auf. Auch das Format „Musik im Raum“ war sehr spannend, weil Instrumente hier komplett anders verwendet wurden. Die Künstlerin, Karen Schlimp, spannte eine Saite einer Geige in das Piano, hatte ganz eigene Instrumente mit und auch einen Vokalisten, der sich nur mit Lauten beschäftigt.  So etwas habe ich vorher noch nie gehört, zumindest nicht live.

GRF-4898

Credit: Vanessa Graf

Warum bietet sich der Deep Space für so Außergewöhnliches an?

Juliane Leitner: Der Raum ist für 160 Personen konzipiert, das heißt, er ist alles andere als eine Riesenhalle. Das ist der erste Punkt: Dadurch wird alles ein bisschen familiärer oder direkter, man erlebt es viel näher, als würde man in irgendeinem Konzertsaal sitzen und in den Reihen untergehen. Es gibt auch keine Tribüne im Deep Space, oder Sitze wie im Kino, und das macht den Raum auch noch einmal spezieller. Was auch gerne vergessen wird, ist, dass wenn man auf der Galerie steht, noch einmal eine neue Perspektive, ein anderer Blickwinkel dazu kommt.

36312959123_d906a35ed5_k

Credit: Florian Voggeneder

Zusätzlich ist der Deep Space auch technisch extrem vielseitig…

Juliane Leitner: Er kann sehr viel! Im ersten Stock, wo die Galerie ist, stehen der Serverraum und das Hauptmischpult. Zusätzlich gibt es im Deep Space selbst einen kleineren Technikschrank, da gibt es ein kleineres Mischpult, wo Geräte angeschlossen werden können. Seit dem Ars Electronica Festival 2017 haben wir kleine Mini-Lautsprecher im Deep Space, Richtlautsprecher, die von Victoria Vesna kamen. Ihre Arbeit „Bird Song Diamond“ war im Übrigen auch eines der Projekte, die ich zuvor nie irgendwo anders gesehen habe. Man konnte Vogelgesang in einem schwarzen Raum erleben, dadurch bekommt man ein ganz eigenes Gefühl, entgegen dem Klinischen und Kalten der Technik.

Was kann der Deep Space 8K auf visueller Ebene?

Juliane Leitner: Die visuelle Ebene spielt natürlich eine Hauptrolle! Es gibt acht Projektoren, jeder Projektor ist 4K. Die Rechenleistung, die dahinter steckt, nimmt man als Besucher oder Besucherin eigentlich gar nicht wahr. Es werden in einer Sekunde 25 Gigabyte an die Wand geworfen, und auch auf den Boden!

Deiner Meinung nach, was gefällt den Künstlern und Künstlerinnen am Deep Space so sehr?

Juliane Leitner: Die häufigste Rückmeldung ist Freude über die weiße Wand, den weißen Boden und die Größe der Flächen. Es ist wirklich herausragend, diese 16 zu 9 Meter bespielen und damit arbeiten zu können. Gerade bei Tänzern und Tänzerinnen, die mit Visualisierungen arbeiten möchten, ist oft ein Problem, dass es keine Räumlichkeiten dafür gibt. Auch von der fotografischen Seite wird oft ein weißer Hintergrund gebraucht, um ein gutes Foto zu machen. Und bei den Künstlern und Künstlerinnen, die ein Video aufnehmen, ist es auch so, dass sie es genießen, dass sie zu Beginn eine weiße Fläche haben und selbst aussuchen können, was der Hintergrund sein wird. Sei es das eigene Video, sei es, dass man zusätzlich mit Animation spielt, dass man das Gefühl hat, die Person steigt in ein Computerspiel ein, wie auch immer. Da sind auch für uns oft Überraschungen dabei, wo man sich denk: Wow, das geht? Das hätten wir uns nicht gedacht!

Michael Polli ist Bassist bei der Metalband Indorsia, die den Deep Space 8K für einen Musikvideodreh benutzte. Michael, wie war die Arbeit im Deep Space für euch?

Michael Polli: Bei unserem Vorhaben, ein visuell ansprechendes Video zu unserem neuen Musikmaterial zu drehen, war es uns wichtig, dass dieses einerseits unseren ästhetischen Ansprüchen sowie dem textlichen Inhalt des Liedes gerecht wird und andererseits ausreichend Professionalität ausstrahlt, um mit den Größen unseres Genres mithalten zu können – und vielleicht auch ein wenig aus der Masse an Musikvideos heraussticht.

Als kleine, lokale Band ist dieses Vorhaben jedoch ohne entsprechende Unterstützung und Kontakte kaum zu verwirklichen, weshalb wir umso dankbarer für die Möglichkeiten sind, die uns das Ars Electronica Center mit seinem unvergleichlichen Deep Space geboten hat. Eine Bühne in Form dieses eindrucksvollen Kinos in unserer Heimatstadt besuchen zu können, ist keine Selbstverständlichkeit. Diese Bühne selber betreten und mit kompetenten, interessierten Mitarbeitern ein solches Projekt umsetzen zu dürfen, war uns eine große Ehre.

Wir sind dankbar, unsere Erfahrungen im Deep Space in unserem Video „Mindfall“ verewigen und hoffentlich vielen begeisterten Zusehen präsentieren zu dürfen.

Auch der Sound Artist Chris Bruckmayr, in der Musikszene besser bekannt als raum.null, hat schon mehrmals im Deep Space gearbeitet, zuletzt mit „Chant of the Proto-Alchemists“ zum Ars Electronica Festival 2016. Chris, was bedeutet der Deep Space für dich?

Chris Bruckmayr: Für mich ist der Deep Space im positivsten Sinne ein „leerer“ Raum, ohne Geschichte, ein gutmeinendes Nichts. In ihm lässt sich hervorragend ein Raum im Raum inszenieren, ein immersives Erlebnis für das Publikum, das im günstigsten Fall vergisst, dass es sich in einem physischen Raum befindet. Das funktioniert deshalb so hervorragend, weil sowohl Wände als auch Boden mit Projektionen transzendiert werden können. Mit der raumfüllenden Sound-Umgebung entsteht eine besondere Atmosphäre. Bei meinen Performances im Deep Space sitzen das Publikum und die Sound Artists immer gemeinsam auf dem Boden, und das ohne Barriere, in unmittelbare Nähe. Das erzeugt eine Art gemeinsames Ritual, etwas Archaisches, Zeitloses. Ein kollektiver moderner Schamanismus, der den Raum im Raum in die Psyche überträgt. Deep Space innen und außen. Eine trippige und laute, Sub bass-lastige Reise für das anwesende spontane Kollektiv.

Alle Informationen zum aktuellen Programm im Deep Space 8K finden Sie auf unserer Webseite.

Um mehr über Ars Electronica zu erfahren, folgen Sie uns auf FacebookTwitterInstagram und Co., abonnieren Sie unseren Newsletter und informieren Sie sich auf https://www.aec.at/.

Join the discussion

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.