So kreativ kann Robotik!

Normalerweise arbeiten sie in großen Industriehallen oder auf Baustellen, führen immer gleiche Arbeitsschritte tausend- und millionenmal hintereinander aus oder saugen unsere Wohnungen, ganz automatisch. Im Ars Electronica Center ist das anders: Bei der Ausstellung Kreative Robotik ab 9.5.2018 wird gezeigt, wie Roboter auch in kreativen Bereichen zum Einsatz kommen.

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Credit: Maria Smigielska

„Roboter sind universelle Maschinen. Die Roboterarme sind nicht dafür gebaut, dass sie nur fräsen oder nur schweißen, sie sind dafür gedacht, dass man alles mit ihnen machen kann“, erklärt Prof. Johannes Braumann. Er ist Leiter des Roboterlabors der Kunstuniversität Linz und zeigt nun schon zum dritten Mal, seit Beginn der Ausstellungsreihe, wie kreativ die Studierenden seiner Universität mit Robotern arbeiten. Darüber hinaus bringt er auch Werke von Partnerinstitutionen mit zur neuen Ausstellung ins Ars Electronica Center: „Wir aktivieren für die Ausstellung Kreative Robotik immer unser gesamtes Netzwerk. Es geht sehr stark darum, die ganze Community zu involvieren.“

Die ist nämlich weitaus größer, als es auf den ersten Blick scheint – nicht nur auf der Kunstuniversität Linz wird intensiv nach außergewöhnlichen Anwendungen für Industrieroboter geforscht, sondern auch in Forschungszentren und Universitäten rund um die Welt. Zur Ausstellung etwa ziehen Arbeiten vom dänischen Centre for Information Technology and Architecture, dem Institute for Computational Design der Universität Stuttgart und vom Lehrstuhl für individualisierte Bauproduktion der RWTH Aachen nach Linz. Von der Kunstuni Linz selbst wird unter anderem eine Skulptur von Maria Smigielska gezeigt: „Sie arbeitet schon seit einiger Zeit mit dem Kaltverformen von Metall und benutzt Methoden wie Machine Learning, um das Verhalten von Metall vorherzusagen, in Echtzeit“, so Braumann.

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Credit: CITA

Nur wenige Kilometer vom Roboterlabor der Kunstuni entfernt werden herkömmliche Industrieroboter ebenfalls für nicht ganz so herkömmliche Zwecke eingesetzt: Zwei Roboterarme lösen gemeinsam einen Rubik’s Cube, ein anderer serviert Kaffee, daneben wird an einem Flugsimulator gebastelt. Auf einer Art Kleiderständer ruht sogar ein humanoider, also menschenähnlicher Roboter. Hier, am Institut für Robotik der Johannes Kepler Universität (JKU) Linz, dreht sich zwar alles um klassische Industrierobotik – die Anwendungen scheinen trotzdem eher unüblich.

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Credit: Vanessa Graf

Das läge daran, dass aus kreativen Fragestellungen an die Systeme oft komplexe Anforderungen entstehen, die später vielleicht sogar Industrierelevanz haben könnten, erklärt Institutsleiter Dr. Andreas Müller. Im Vordergrund steht dennoch vor allem die Forschung: Wie können Roboter sinnvoll eingesetzt werden? Die Möglichkeiten wären nahezu unbegrenzt. „Roboter sind nichts weiter als ein normales Werkzeug“, sagt Müller. „Aber es ist interaktiv, es ist adaptiv, es kann auf die Umgebung reagieren und mit einem Publikum interagieren.“ So auch bei der Ausstellung Kreative Robotik: Von der JKU wird eine Demozelle mit zwei Robotern gezeigt, die manchmal miteinander tanzen, manchmal aber auch einen Rubik’s Cube lösen und dabei schneller als das Publikum sein wollen.

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Credit: Andrea Graziano

In Zukunft werden Roboter-Mensch-Interaktionen immer häufiger werden, meint Müller: „Roboter sind jetzt schon überall. Sie werden immer mehr in den Alltag Einzug nehmen.“ Aber benötigt man für die Bedienung, speziell von Industrierobotern, nicht Unmengen an Vorkenntnissen? Nein, ist Johannes Braumann überzeugt: „Es ist unser großes Ziel, dass wir diese Technologie zugänglich machen.“ Ganz davon abgesehen seien Roboter sogar dafür ausgelegt, relativ einfach bedient werden zu können, in Fabriken zum Beispiel. Auch die KünstlerInnen auf der Kunstuniversität benötigen für ihre Arbeit im Roboterlabor nur eine kurze Einführung, manche haben sogar ihre eigenen Roboter zuhause. „Man kann auf ebay nach Robotern suchen und findet Anwendungen um wenige tausend Euro, die in der Regel sogar noch halbwegs brauchbar sind“, schmunzelt Braumann.

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Credit: Fashion & Technology, Kunstuniversität Linz

Bei so vielen Robotern im Alltag liegt die Frage nach der Übernahme durch Maschinen nahe – eine Angst, die zumindest in der Pop- und Alltagskultur weit verbreitet ist. Werden uns Roboter irgendwann ersetzen? „Auf jeden Fall“, ist sich Braumann sicher. „Aber im Endeffekt muss man einfach immer die Arbeitskette beachten und da ist einfach die kreative Person im Vordergrund“. Das Wort Roboter stammt ja sogar vom tschechischen „robota“, Arbeit. „Genau das, worüber wir uns jetzt beschweren, war das Ziel – nämlich, dass die Dinger uns die Arbeit abnehmen“, meint Andreas Müller dazu. „Es bleibt die Frage, haben wir dadurch nicht die Möglichkeit, andere Arbeiten zu machen?“

Die Ausstellung „Kreative Robotik“ ist ab 9.5.2018 im Ars Electronica Center zu sehen. Die Eröffnung beginnt um 18:30 Uhr am 9. Mai 2018, Eintritt frei. Alle Informationen finden Sie auf unserer Webseite.

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