Prix Ars Electronica 2018: Die Jury hat entschieden

„Bitte nicht stören“ und „Keine Videos“ – wenn die internationale Jury des Prix Ars Electronica die besten Medienkunstprojekte 2018 auswählt, gilt strengste Geheimhaltung. Wir haben beim Prix-Wochenende von 20. bis 22. April 2018 trotzdem hinter verschlossene Türen geblickt und ein paar Eindrücke festgehalten.

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Credit: Florian Voggeneder

Es ist eine Tradition der Ars Electronica: Seit 1987 reisen ExpertInnen aus Kunst, Wissenschaft, Technik, Wirtschaft und mehr aus der ganzen Welt für ein verlängertes Wochenende ins Ars Electronica Center in Linz, um als JurorInnen die besten Werke der Medienkunst auszuwählen. Dieses Jahr arbeitete sich die internationale Jury durch 3040 Einsendungen aus über 80 Ländern in vier Kategorien: Computer Animation, Interactive Art+, Digital Communities und u19 – CREATE YOUR WORLD.

Wer genau in welcher Jury über die Einreichungen entschied, haben wir schon in zwei eigenen Blogbeiträgen vorgestellt. Als nun die Jurys schließlich in Linz eintrafen und in verschiedenen Räumlichkeiten, verteilt über das Ars Electronica Center und Futurelab, die Medienkunstwerke diskutierten und evaluierten, waren wir mit dabei und fingen einige Stimmungen der Entscheidungsfindung ein.

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 Gaëlle Denis. Credit: Florian Voggeneder

Computer Animation

Das leise Surren der richtigen Zutrittskarte eröffnet uns den Weg zur ersten Jury. Im abgedunkelten Seminarraum im Herzen des Ars Electronica Centers sitzen die JurorInnen der Computer Animation Kategorie auf blauen Kinosesseln oder vor ihren Unterlagen und sieben durch die Arbeiten. In der Vergangenheit stets eine der Kategorien mit den meisten Einreichungen, liegt in diesem Raum zu Beginn des Prix-Wochenendes noch viel Arbeit vor der Jury – nur fünfzehn Werke sollen am Ende übrigbleiben, nur eines davon wird die Goldene Nica gewinnen. „It’s a yes from me,“ hören wir aus den Juryreihen. „No for me“, “yes”, “no”, “no”, “yes”, in der ersten Runde sind sich meist alle einig.

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Casey Reas. Credit: Florian Voggeneder

Zwei Tage später kommen wir zurück in den dunklen Raum, die Situation: plötzlich völlig anders. Nur eine Handvoll Arbeiten sind noch in der engeren Auswahl, es wird heftig diskutiert. „Das ist doch nur ein vorübergehender Trend,“ heißt es zu einer Arbeit. „Ja, aber wir können den Moment archivieren,“ schlägt ein zweiter Juror vor. Es bleiben nur mehr Stunden bis zur endgültigen Entscheidung, aber die letzten Abstimmungen sollen schwierig bleiben. Leise schließen wir die Türe wieder – die Jury braucht jetzt maximale Konzentration.

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Die u19 Jury beim Spiele-Testen. Credit: Vanessa Graf

U19 – CREATE YOUR WORLD

Aus dem Besprechungszimmer des Ars Electronica Futurelab klingt Jubel. Schon so früh? Wir sind neugierig und besuchen die JurorInnen der u19-Kategorie, in der Arbeiten von Kindern und Jugendlichen unter 19 Jahren ausgezeichnet werden. Die Einreichungen sind Jahr für Jahr abwechslungsreich und beeindruckend, nicht zuletzt wegen des geringen Alters der Teilnehmenden. Auch hier ist die Auswahl schwierig, umso schöner also, wenn ein Gewinnerprojekt gefunden wird – wie jetzt gerade. Der Sachpreis für u14 steht fest.

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Sirikit Amann. Credit: Florian Voggeneder

Neben der Goldenen Nica, den beiden Auszeichnungen und mehreren Anerkennungen, die in jeder Kategorie vergeben werden, gibt es bei u19 nämlich zusätzlich noch je einen Sachpreis für die Altersgruppen u10 und u14 sowie den netidee Spezialpreis. Denn: „Es ist unglaublich schwierig, die Arbeiten von einem Kind mit 8 Jahren und einem Teenager mit 18 Jahren zu vergleichen“, erklärt uns eine Jurorin. Mit den zusätzlichen Preisen wird die Bandbreite an Alter und Einreichungen gewürdigt.

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Credit: Vanessa Graf

Digital Communities

Ein Stockwerk tiefer bespricht die Digital Communities Jury Innovationen im menschlichen Zusammenleben. Wie verändert die zunehmende digitale Vernetzung soziale Initiativen? Welche gesellschaftlichen Auswirkungen hat das Internet? Und wie sieht eine Digital Community im Jahr 2018 eigentlich aus? Es ist nicht immer leicht, die Projekte in dieser Kategorie sofort zu erfassen und zu verstehen – viele Diskussionen, Hintergrundinformationen und Verständnisfragen sind nötig, um eine digitale Gemeinschaft für die Goldene Nica auszuwählen.

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Kazuko Tanaka. Credit: Florian Voggeneder

Immer wieder geht es um „Impact“, Wirkung. „Es ist sehr interessant, die Diversität der Projekte zu sehen und wie sie die Leben von Menschen oder der Gesellschaft beeinflussen“, berichtet ein Juror am letzten Jury-Tag. „Für mich ist es spannend, die Entwicklung der Projekte zu sehen – von Grassroots Movements zu etablierten Bewegungen“, ergänzt eine zweite Jurorin, die schon mehrere Male als Teil der Digital Communities Jury die besten Projekte für den Prix Ars Electronica auswählte. Zu dem Zeitpunkt wissen die beiden bereits, wer dieses Jahr gewinnt – verraten wird allerdings noch nichts.

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Minoru Hatanaka. Credit: Florian Voggeneder

Interactive Art +

Als wir der Jury für Interactive Art + zum ersten Mal einen Besuch abstatten, gehen die JurorInnen gerade die ersten Einreichungen durch, stellen ihre Lieblingsprojekte vor und versuchen, die interaktiven Arbeiten auch aus der Ferne, nur mittels Fotos und Videos, zu verstehen. Nur ein paar Stunden später geht die Diskussion schon in eine ganz andere Richtung – eine Flipchart steht mitten im Raum, darauf die Aufschrift: „What is IA in 2018?“

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Victoria Vesna. Credit: Florian Voggeneder

Grundsatzfragen also, die besonders in dieser Kategorie bei jeder neuen Ausgabe des Prix Ars Electronica besprochen werden müssen. Ein Pauschalurteil zu fällen sei unmöglich, meint eine Jurorin nach der Jury-Sitzung – die Einreichungen seien schlicht zu divers. Interaktive Kunst, das ist vieles: Diese Definition muss erst einmal reichen. Wir lassen die Jury über ihre Frage brüten und treten wieder hinaus. Beim nächsten Blick in den Juryraum liegen die letzten ausgewählten Projekte schon in Karteikartenformat auf dem Tisch, sie werden noch hier- und dorthin verschoben, die Reihenfolge geändert, aber dann steht sie fest, die Goldene Nica. Auf der Sonnenterasse des Ars Electronica Centers wird mit Sekt angestoßen – hurra, geschafft!

Und jetzt?

Jetzt werden die PreisträgerInnen benachrichtigt, die sich dieses Jahr über eine Goldene Nica, eine Auszeichnung oder eine Anerkennung freuen dürfen. Im Juni 2018 werden schließlich die Ergebnisse des intensiven Prix-Wochenendes bei einer Pressekonferenz und hier auf dem Ars Electronica Blog präsentiert. Ab 6. September 2018 – zum Start des Ars Electronica Festivals in Linz – sind viele der prämierten Arbeiten in der CyberArts-Ausstellung im OK im OÖ Kulturquartier zu sehen. Zum Festival wird es wie jedes Jahr auch heuer wieder eigene Prix-Foren geben, wo die prämierten KünstlerInnen auf die JurorInnen treffen und über ihre Arbeiten sprechen. Bei der großen Gala am Festival werden dann schließlich auch die Goldenen Nicas 2018 offiziell überreicht.

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