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Made in Linz

DO 7.9.-SO 10.9.2017, 10:00-19:30
MO 11.9.2017, 10:00-18:00
POSTCITY, Campus
Fuzzy_Logic-Machine_Gabriela-Gordillo_Irene-Rodenas_web
Credit: Gabriela Gordillo, Irene Ródenas Sáinz de Baranda

Eine Ausstellung von Studierenden des Studiengangs “Interface Cultures” an der Kunstuniversität Linz

Fakultät: Christa Sommerer, Laurent Mignonneau, Masaki Fujihata, Michaela Ortner, Fabrizio Lamoncha

Die TeilnehmerInnen der Studienrichtung Interface Cultures kommen aus verschiedenen Ländern und Kulturen in Europa, Nordamerika, Asien, Australien, Südamerika und dem Nahen Osten. Ihre bisherige Ausbildungen umfassen verschiedene Bereiche wie Bildende Kunst, Medienkunst, Design und Technik. In Linz verbringen die Studierenden zwei bis vier Jahre an der Universität für künstlerische und industrielle Gestaltung.

Sie absolvieren ein internationales Studienprogramm, das Interaktionsdesign, Schnittstellentechnologien und den kulturellen und künstlerischen Kontext der Nutzerbeteiligung unterrichtet. Die Studierenden experimentieren mit der Entwicklung von interaktiven Prototypen, musikalischen Schnittstellen sowie konzeptionellen Installationen. Sie erweitern ihre Sichtweise durch die Begegnung und Zusammenarbeit mit anderen internationalen StudentInnen, die diese Themen aus einem anderen kulturellen Kontext untersuchen.

Alle Kunstwerke, Prototypen und Interfaces in der diesjährigen Ausstellung wurden in Linz hergestellt. Linz ist UNESCO-Stadt der Medienkunst, und natürlich wirkt sich auch der kulturelle und gesellschaftspolitische Kontext von Linz auf die Ideen und Konzepte der Studierenden aus. Es sind das noch immer wachsende Know-How von 37 Jahren Ars Electronica und die tief verwurzelte Basis in der elektronischen Kunst, die einen intensiven Diskurs um Medientechnik und Medienkunst, die für Linz spezifisch ist, ermöglicht.

Aber was bedeutet Made in Linz eigentlich? Handelt es sich um einen Qualitätsnachweis? Betrachten wir verschiedene Handelsetiketten wie Made in China, Made in Germany oder Made in Italy, verknüpfen wir sofort bestimmte Produktqualitäten wie niedrige Preise, hochpräzise Technologie oder modisches Design mit diesen. Aber was ist mit Made in Linz? Was erwarten wir, wenn wir diesen Begriff hören? Bei der diesjährigen Ausstellung schlagen wir diesen Begriff vor und überlassen den BesucherInnen, die Auseinandersetzung mit diesem Thema. Vielleicht ist es sogar möglich, diesen Begriff als Symbol für Innovation, Analyse und kreative Kunst- und Technikforschung in unserer Gesellschaft zu etablieren. Wir laden alle ein, zu diskutieren, was Made in Linz im Kontext der Medienkunst bedeuten kann.

Credits

Unterstützt vom Bundesministerium für Wissenschaft, Forschung und Wirtschaft im Rahmen der Hochschulraum-Strukturmittel Österreich

The Sung Portrait

Alexandre Gomez (FR), Isadora Teles de Castro e Costa (FR)

Komm und sieh dir an, was diese kleinen Kreaturen machen können. Sie leben in kleinen Bildschirmen und warten auf verführerische Gesänge. Doch sei vorsichtig! Wenn du schreist, laufen sie weg. Ist es still, schlafen sie ein. Sing ihnen ein kleines Liedchen vor, dann werden sie tanzen und eine wunderbare Überraschung offenbaren: tausende reflektierende Farben.

Spirit Spaces

Aesun Kim (KR), Stevie Jonathan Sutanto (ID)

Die Gestaltung digitaler Medien ist ein Werkzeug geworden, das die Kunst in vielfältiger Art und Weise beeinflusst. Tragbare mobile Geräte, sogenannte wearable devices, sind für viele Performances unverzichtbar geworden. Spirit Spaces erforscht den Unterschied zwischen dem digitalen Medium und den Menschen. Neue Möglichkeiten des Ausdrucks werden vorgeschlagen, die durch die mobilen Geräte organisch mit ihren BenutzerInnen interagieren. Aesun Kim und Stevie Jonathan Sutanto verwendeten ein physikalisches Schwerkraft-Modell, um einen organischen Körperausdruck zu generieren. Licht ist dabei ein Energieraum, der dabei hilft deren individuellen Luftraum zu teilen.

Polyus

Johannes Wernicke (AT)

Polyus ist ein omnidirektionaler Lautsprecher, der es mehreren ZuhörerInnen erlaubt, individuell und zur gleichen Zeit unterschiedliche Klänge wahrzunehmen. Die Klänge können spezifischen Bereichen des Raumes zugeordnet und jeweils nur von der Person wahrgenommen werden, die sich dort aufhält. Das System besteht aus drei Kernkomponenten: dem “Acouspade”, einem Richtlautsprecher, der den Schall in eine Richtung fokussiert, einem rotierenden Reflektor, der den Schall in einen rechten Winkel umlenkt und einem LIDAR Senor (Licht-Radar), der die Position der BesucherInnen im Raum verfolgt. Polyus lässt nichtlineare, räumliche Kompositionen entstehen, durch die sich das Publikum bewegen kann, anstatt sie auf einer Zeitachse wahrzunehmen. Das System testet so den akustischen Orientierungssinn der TeilnehmerInnen.

Neiema נְעִימָה

Or Wolff (IL)

Neiema hebräisch für Melodie, Stimme, Ton. Implizierte Charakterisierung
Ziel des Projektes ist es, einen Einblick in die Welt der Künstlerin zu bekommen und zu erforschen, wie Klang durch die Gestaltung von verschiedenen Menschen eine Geschichte widerspiegeln kann. Diese Installation stellt eine Verbindung zwischen den visuellen Grafiken her, die sich durch die Berührung vom Publikum in Klang verwandeln. Diese Muster wurden mit einem Mikroskop-Objektiv erstellt, um einzigartige, detaillierte Grafiken zu gestalten. Dadurch entstehen Einblicke in die private Welt der Künstlerin. Der Akt des Berührens schafft eine sensible und persönliche Verbindung. Die Interagierenden gestalten ganz verschiedene Arten von Neiema (Melodien), die sich abhängig von der Interaktion mit der Grafik verändern.

The Murder of Jo Cox

Supergraph: Thomas Hoch (AT) and Waiwai (HK)

Geblendet von der überzeichneten Darstellung des digitalen Journalismus, suchen die Künstler die Wahrheit zwischen oft gegenteiligen Nachrichten und Sensationen. Der Tod von Jo Cox, Mitglied des englischen Parlaments, im Juni 2016 spiegelt diese Realität wieder: dieser wurde weitflächig abgedeckt durch einseitige und politische Tendenzen in der Berichterstattung, mit Kommentaren der sogenannten Linken und Rechten, von nationalen Zeitungen bis hin zu unabhängigen Medien.

The Murder of Jo Cox lädt das Publikum dazu ein, tatsächliche Meldungen aus der englischen Presse von Nachrichten, die eine künstliche Intelligenz erfunden hat, zu unterscheiden und dadurch selbst Meldungen zu generieren. Die Ergebnisse werden in der Installation bestehend aus Datenvisualisierungen, Lauftext und Recherchematerialien präsentiert.

mobMess

Mario Gomez (ES)

MobMess ist ein soziales Interface-Projekt, das die Fähigkeiten mobiler Technologien für partizipative Kunst untersucht. Durch eine einfache Interaktion können Partizipierende ihre Smartphone-Bildschirme in ein einzelnes Pixel umwandeln. Dieses Pixel wird mit anderen TeilnehmerInnen synchronisiert, sodass ein kollektives Display entsteht. Dadurch, dass Menschen zusammenkommen, um gemeinsam Botschaften zu versenden kreieren sie Synergien innerhalb eines Zeit- und Raum-Gefüges und ein Abbild des Individuum in der Menge. Das Projekt stellt ein Werkzeug dar, um Machtprozesse innerhalb Prozessen von Technologie, Kommunikation und Kunst zu hinterfragen.

Make-A-Pick

Onur Olgaç (TR)

Make-A-Pick ist ein Glücksspiel mit binärer Auswahl, welches das psychologische Konzept der Täuschung von SpielerInnen untersucht. Anhand eines einfaches Spielaufbaus wird Roger Caillois Konzept einer Alea veranschaulicht: “Alle Spiele, die auf einer vom Spieler unabhängigen Entscheidung basieren, … in denen der Sieg das Ergebnis der Zufalls ist, anstatt über den Gegner zu triumphieren. Genauer gesagt, dort wo gewinnen bedeutet, dass der Sieger vom Glück bevorzugt wurde.” In der interaktiven Installation testen die BesucherInnen ihr Glück, sie haben die Wahl zwischen zwei Möglichkeiten. Bei nur einer falschen Entscheidung ist das Spiel zu Ende. Make-A-Pick fordert die SpielerInnen heraus: tappen sie in die Falle, weil sie ihrer Intuition vertraut haben oder gelingt es ihnen, das vorprogrammierte Muster zu erkennen und das Spiel zu gewinnen?

Lost, but not lost forever

Monica Vlad (RO)

In Lost, but not lost forever gestalten alte Mediengeräte eine Soundperformance. Monica Vlad verwendet dazu eine alte Nähmaschine, Radios, einen Kassettenrekorder, einen Walkman, einen Plattenspieler und eine analoge Kamera. Alle Geräte sind an ein Mischpult angeschlossen und werden durch analoge Effekte beeinflusst. Kontaktmikrofone nehmen Geräusche auf und verstärken sie; sogenannte Piezoelemente speisen Töne von vibrierenden Oberflächen anderer Geräte ein; Kassetten-Loops dienen als analoge auditive Loops. So entstehen “neue” Instrumente, die der Reihe nach gespielt werden, um den Klang der Performance zu erzeugen.

Leaves

Ayumu Nagamatsu (JP)

Leaves ist ein dynamisches Denkmal in Form einer Daten-Visualisierung. Es möchte Reflektionen über Todesfälle anregen, die durch physische Krankheiten, insbesondere Selbstmord, bedingt sind. Jeder Selbstmord ist eine Tragödie, die langwierige Auswirkungen auf die Hinterbliebenen hat. Dabei findet kaum ein Austausch über deren Trauer statt. Die Installation besteht aus sich in Echtzeit generierenden Grafiken auf einem Bildschirm und einer Zeitleiste auf einem Smartphone-Bildschirm.

Die Simulation basiert auf Statistiken für weltweite Sterbedaten, die von der WHO veröffentlicht wurden. Das Projekt zielt darauf ab, das Denken und Sprechen über Tod, Sterben und die dabei involvierten Gefühle zu ermöglichen.

Fuzzy_Logic Machine

Gabriela Gordillo (MX), Irene Ródenas Sáinz de Baranda (ES)

Fuzzy_Logic Machine ist ein Instrument zur Steuerung eines Klanggerätes durch analoge Manipulation. Durch Lichtparameter werden Sensoren ausgelöst, die in einem Gitter auf Koordinatenachsen angeordnet sind. Jeder Wert kann manuell aufgerufen werden; er verbindet Bild und Ton über eine räumliche Variable. Somit reproduziert der Mechanismus die innere Struktur des hörbaren Ergebnisses, während seine Veränderungen eine Rückkopplung zwischen den beiden Medien auslöst. Das Instrument wird zu einer Schnittstelle: DarstellerInnen und ZuschauerInnen werden Teil einer gemeinsamen Wahrnehmung der Variablen, die den Klang produzieren. Die Bewegung der Lichtquellen dient dabei dem kognitiven Hörerlebnisses der ZuschauerInnen und der kreativen Erfahrung des DarstellerInnen.

Fuzzy_Logic Machine hinterfragt die Notwendigkeit selbstgemachter Systeme, die einen anderen Zugang zu Technologie ermöglichen, indem sie deren Logik aufdecken. Auf diese Weise zielt das Instrument darauf ab, Komplexität zu reduzieren und Zusammenhänge einfacher auszudrücken.

Echo Chamber

Luis Toledo (ES)

Ständig werden wir mit Werbung, Nachrichten und Ideen konfrontiert. Im Internet ist es möglich, uninteressante Inhalte zu ignorieren und spannendere Quellen zu öffnen. Um den Profit zu vergrößern, werden die präsentierten Inhalte mit unseren Social-Media-Profilen abgeglichen.

In Echo Chamber können die BesucherInnen in Echtzeit Nachrichten mit “Daumen hoch” oder “Daumen nach unten” bewerten. Beliebte Artikel und Stichwörter werden in einem Twitter-Bot verwendet, um fast zufällige Meinungsäußerungen zu erzeugen und alle 30 Minuten zu posten. Echo Chamber stellt Themen wie Informationsvielfalt, Manipulation und Meinungsbildung in den Vordergrund und thematisiert, wie unsere Nutzung der Technik uns nur die Information zukommen lässt, die wir ohnehin wollen.

Communication Noise

Julia del Río (ES)

Julia del Río entwickelt Soundperformances mit Interaktionen in elektromagnetischen Feldern. Ihre Konzerte übersetzen die unsichtbare Welt von Interferenzen und Magnetismus ohne musikalische Kompromisse. Ihr Klang ist immer ein Ergebnis des Austausches und verschiedener Handlungen digitaler Kommunikation. In Communication Noise verwandelt die Künstlerin elektromagnetischen Abfall von Mobiltelefonen in eine partizipative audiovisuelle Performance.

Bitcoin Traces

Martin Nadal (ES)

Eine mögliche Zukunft des Geldes liegt in Kryptowährungen wie etwa deren bekanntester Vertreter Bitcoin. Der größte Unterschied zwischen herkömmlichen Währungen und Bitcoin ist, dass Kryptowährungen weder von Regierungen noch Gesetzen reguliert werden. Alle Transaktionen laufen in dezentralisierten Prozessen über das Rechnernetz aller TeilnehmerInnen ab, die dafür in Bitcoins entgolten werden, im sogenannten Bitcoin Mining. In regelmäßigen Abständen wird eine Liste aller Transaktionen veröffentlicht und in ein virtuelles Kontenbuch übertragen, das Blockchain genannt wird.

Bitcoin Traces erstellt Datenvisualisierungen von Transaktionen. Die Aufzeichnung beginnt sobald der Miner zu “schürfen” beginnt und Bitcoins entstehen. Im Vordergrund steht dabei nicht der Wert des Geldes, sondern die Geschichte des historischen Warentauschs, in dem Geld als Material an sich keinen Gegenwert besitzt. Dieses Projekt betrachtet Geld als ein Netzwerk, in dem jeder Knotenpunkt eine Ware oder Dienstleistung darstellt und jede Verbindungslinie eine Transaktion.

Uterus

Klimentina Hristova (BG)

Uterus ist eine dreidimensionale Licht- und Klanginstallation, die es ermöglicht, die eigene emotionale Umgebung sensorisch zu erfahren. Abseits des gewohnten Konzepts, Emotion als etwas “Inneres” zu betrachten, das in einem “Äußerem” ihren Ausdruck findet, ist hier die Ver- und Entschlüsselung dieses Prozesses Teil der Emotion selbst. Die gewohnte Artikulation von Emotion und das Verhältnis zwischen sensorischen und motorischen Abläufen werden in Frage gestellt, ebenso wie deren Beziehung zu Imaginärem und Propriozeption. Die Beziehung zwischen unserem Körper und unseren Gefühlen kann uns – in Anbetracht des vorhandenen mentalen Gesundheitszustands – ein Gefühl von Sicherheit vermitteln. Wie Kinder, die sich instinktiv einen Platz zum Verstecken suchen, sollten sich auch Erwachsene Räume schaffen, in denen sie sich frei ausdrücken können.