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Computer Music & Media Composition

DO 7.9.-SO 10.9.2017, 10:00-19:30
MO 11.9.2017, 10:00-18:00
POSTCITY, Campus
Magnetic-Islands
Credit: Felix Blume

Anton Bruckner Privatuniversität Linz (AT)

Seit 2014 bietet die Anton Bruckner Privatuniversität in Linz einen Bachelor in Komposition mit Spezialisierung auf Computermusik und Medienkomposition an. Dieser Lehrgang konzentriert sich zwar ganz klar auf zeitgenössische digitale Ansätze für musikalisches Schaffen, will aber auch Kenntnisse in klassischer Komposition und etablierten Musiktechnologien vermitteln, damit die Studierenden eine fundierte künstlerische Betätigung im weiten Feld der Musik der Zukunft finden können.

Während dieses spezialisierte Bachelorstudium noch relativ jung ist, sind elektronische und Computermusik bereits seit Längerem an der Anton Bruckner Privatuniversität verankert. 1995 initiierte Adelhard Roidinger das Studio for Advanced Music and Media Technology (SAMT), das 2008 in Computer Music Studio umbenannt wurde und seitdem von Andreas Weixler geleitet wird. Seit der Eröffnung des neuen Universitätsgebäudes im Jahr 2015 können Studierende und ForscherInnen im Bereich Computermusik nun mit einer innovativen Studio-Infrastruktur arbeiten, die sowohl Produktion als auch Präsentation von Mehrkanalkompositionen ermöglicht.

Die Bachelor-Lehrgänge für Computermusik und Medienkomposition (genauso wie auch der MA in Komposition) wollen aber nicht nur junge MusikerInnen befähigen, Musikstücke zu produzieren, die auf den von der Medienindustrie definierten Standards basieren. Sie wollen auch zur Erkundung potenzieller neuer musikalischer Formen und Praktiken ermutigen, die in der sich rapide verändernden Landschaft digitaler Medien Gestalt annehmen und unsere Hörgewohnheiten, unseren Lebensstil, unsere Gemeinschaften und Gesellschaften ständig neu konfigurieren.

Die drei in der POSTCITY präsentierten Installationen, die eher klangliche Räume als musikalische Sequenzen definieren, zeigen, mit welcher Offenheit an die Frage herangegangen wird, was Musik als Kunst heutzutage bedeutet oder bedeuten könnte. Außerdem illustrieren sie, wie eng der Lehrgang für Medienkomposition mit anderen Studienrichtungen der Universität – mit den Instrumental-Studien oder mit Schauspiel und Tanz – verzahnt ist.

Text: Volkmar Klien

Magnetic Islands

Angélica Castelló (MX)

In einer audiovisuellen Installation, bestehend aus einem aus Kassettenbändern gewobenen Teppich und einer Field-Recording-Komposition für zwei individuell angepasste Radios, rekonfiguriert die in Wien lebende mexikanische Komponistin und Klangkünstlerin Angélica Castelló die klanglichen und szenografischen Environments religiöser und heidnischer Altar-Traditionen, die sie mittels alter Radios und Kassettenrecorder erkundet hat. Für diese Ausstellung hat sie eine Gedächtnis-Decke aus dem magnetophonischen Material von Kassettenbändern geschaffen, die uns wie ein Schild vor dem Vergessen schützen soll. Mit dieser flexiblen Skulptur – die an Tang aus verwobenen Bändern erinnert – bezieht sich die Künstlerin auf die Konzepte von Textur, Textil und Magnetismus. Sie spielt auf die unendliche Geduld an, die man nicht nur fürs Weben aufbringen muss, sondern auch fürs Geschichtenerzählen. Das Stück umfasst eine Klangkomposition, die Castelló aus bearbeiteten Feldaufnahmen, Radiowellen und akustischen Klängen erstellte, die durch zwei alte, angepasste Radios verstärkt werden – eine Klangarbeit, die in ihrer Textur den Ozean heraufbeschwört und die ZuhörerInnen mit ihrer verführerischen Macht in den Bann schlägt.

Credits

Commissioned by Constellations of the Audio Machine in Mexico for the CTM Festival in Berlin.

Text: Carlos Prieto

Pictures: Felix Blume

Anatomy of the Underground

Tobias Leibetseder (AT), Astrid Schwarz (AT)

Der Raum schwingt. Vier Lautsprecher erschaffen eine dreidimensionale akustische Skulptur, die sich durch die Bewegung im dunklen Raum und in der Zeit erschließt. Eine beinahe haptische Erfahrung. Die Komposition schickt Frequenzen auf Wanderschaft, sie folgen den raumimmanenten und dimensionsabhängigen Modalitäten des Raumes in Begleitung der BesucherInnen. Das Durchwandern des Raumes wird zu einem Durchwandern der Komposition selbst. Der Ort wird quasi in Bewegung versetzt. Das Pendeln der Schwingungen, der sich stetig verändernden Frequenzen, wird am eigenen Körper spürbar. Er wird zur Projektionsfläche der akustischen Gegebenheiten.

Architektur, Oberflächen und Materialien des Ortes fließen in die Anatomie des Untergrunds ein – im Flirren der Zeit.

Xuán

Lukas Jakob Löcker (AT), Roberta Lazo Valenzuela (CL), Yiran Zhao (CN)

Xuán ist die Transkription für zwei chinesische Zeichen mit gleicher Aussprache und Intonation: 悬 bedeutet „hängen“, während 旋 „drehen“ bedeutet. Der Titel, der also auf unterschiedliche Weise interpretiert werden kann, ist charakteristisch für das gesamte Stück. Diese performative Installation besteht aus Lautsprechern und Blitzen, die an und unter einem transparenten Netz aus Nylonfäden hängen und im Raum zu schweben scheinen. Der Boden darunter besteht aus einer weißen Projektionsfläche, die das von oben kommende Licht reflektiert. Die PerformerInnen triggern mit ihren Bewegungen die der anderen, sie initiieren neue Bewegungen und rufen Veränderungen bei sich bereits bewegenden Objekten hervor. Die sich bewegenden Lichtquellen und Klänge verleihen dem Raum eine mehrdeutige Qualität: Akustische Reflexionen und eine changierende Beleuchtung verändern die Wahrnehmung von Volumen und Resonanz.