María Ignacia Edwards

Foto Credits: María Ignacia Edwards

Die erste „art & science“-Residency geht an María Ignacia Edwards (CL). Unter mehr als 140 Bewerberinnen und Bewerbern aus insgesamt 40 Ländern wurde sie von einer zehnköpfige Jury, die aus Vertreterinnen und Vertretern der Ars Electronica, dem Repräsentanten der Europäischen Südsternwarte (Fernando Comerón) und Mitgliedern der sieben kulturellen Partnerinstitutionen bestand, ausgewählt. Sie tritt die Residency bei der Europäischen Südsternwarte in Chile und beim Ars Electronica Futurelab in Österreich an.

Sich selbst tragende Gebilde

In María Ignacia Edwards filigranen, dreidimensionalen Skulpturen scheinen die Objekte regelrecht zu schweben. An feine Drähte hängt sie Gegenstände, die sich allein durch ihre Form und ihr Eigengewicht perfekt ausbalancieren, sich um ihre eigen Achse drehen und allesamt in Beziehung zueinander stehen. Oder sie formt eine Skulptur aus hunderten dünnen Holzstäben, die an ihren Enden miteinander verbunden sind und dreidimensionale geometrische Körper darstellen. Scheinen ihre Arbeiten auf den ersten Blick rein ästhetische Kunstobjekte zu sein, erschließt sich auf den zweiten Blick, dass diese Konstruktionen das Ergebnis umfangreicher mathematischer und physikalischer Berechnungen sind.

María Ignacia Edwards verbindet Kunst und Mathematik

María Edwards künstlerische Arbeit hat ihren Ursprung im Bestreben die Position einer aktiven Beobachterin der Welt einzunehmen. Einer Beobachterin sowohl der Dinge, die um sie herum passieren, als auch ihrer eigener Erfahrungen. Letzteres meint vor allem das bewusste Hinterfragen ihrer eigenen, subjektiven Wahrnehmung. María Edwards Interesse gilt vornehmlich den Beziehungen zwischen Menschen und deren zufälligen Begegnungen, verschiedensten Erlebnissen während ihrer langen Ausflüge mit dem Fahrrad, den Bahnen der Sterne und dem Universum, den Wissenschaften insgesamt und der Philosophie im Speziellen.

Aus all ihren Überlegungen und Beobachtungen heraus hatte sie irgendwann die Idee, sich diese Zusammenhänge in Form eines Gitters vorzustellen, genauer als ein weit reichendes, dichtes Gewebe aus dreidimensional angeordneten, miteinander verbundenen Punkten. Und sie kam zum Schluss, dass eine solche Darstellung aller Kausalitäten und Beziehungen auf der Erde den Karten der Sternenbahnen und -Konstellationen verblüffend ähnlich sieht. Ihre Notizen auf Tafeln, ihre Einträge auf dem Notebook, ihre künstlerischen Arbeiten und mobilen Konstruktionen – alles betrachtet sie als Marken auf einer mentalen sowie physischen Karte, die von ihren Erfahrungen und ihren Aufenthaltsorten auf bzw. in der Welt und dem Universum zeugen.

Das Statement der Jury

„María Ignacia Edwards beschäftigt sich mit Raum bzw. den Themen Gleichgewicht und Schwerelosigkeit. Sie gestaltet Objekte, die durch ihr eigenes Gewicht und Gegengewicht in Balance gehalten werden, sich um ihre eigene Achse drehen und dabei scheinbar schweben. Die Künstlerin selbst bezeichnet ihre Werke als sich selbst tragende Gebilde. Obwohl ihr künstlerischer Ansatz auf den ersten Blick ein rein plastisch-skulpturaler zu sein scheint, verbirgt sich dahinter eine komplexe wissenschaftliche, konkret mathematische und physikalische Herangehensweise – ohne Ausnahme sind diese Konstruktionen das Ergebnis umfassender Berechnungen und spiegeln komplexe Mechanismen wider. Die Künstlerin fordert uns auf, ihre Gebilde und ihre Bewegungen auf ähnliche Weise zu betrachten, wie die Sterne am Firmament. Überhaupt spielt die Astronomie eine wesentliche Rolle für María Edwards – und zwar sowohl für ihre Inspiration, als auch für die Ergebnisse ihre Arbeit. Zusammenfassend ist die Jury daher der Meinung, dass María Edwards Aufenthalt bei der ESO in Chile sowie am Ars Electronica Futurelab in Linz großes künstlerisches Potenzial verspricht.“

Kurzbiographie

María Ignacia Edwards (geb. 1982) stammt aus Santiago in Chile. Sie machte ihren Bachelor-Abschluss an der Universidad Finis Terrae in Santiago und ihr Diplom in Cinema, Art Direction ans Photography an der Universidad de Chile. Von 2009 bis 2012 lebte und arbeitete sie in New York, wo sie auch Residencies an der School of Visual Arts und am Lower East Side Printshop absolvierte. Auf die Einladung des Arts Cultural Center im mexikanischen Reinosa/Tamaulipas hin gestaltete sie 2012 die Solo-Exhibition „In Between“. María Edwards Arbeiten wurden bereits in Chile, Spanien, den USA, Argentinien, Peru und Mexiko gezeigt, darüber hinaus wirkte sie an einer Reihe internationaler Kunst-Messen Pinta Art Fair in New York, ArteBA in Buenos Aires, Art Lima in Peru und der ChaCo in Chile mit. Erst kürzlich wurde María Edwards mit dem „Art and Science-Preis“ der National Commission for Scientific and Technological Research (CONICYT) in Santiago, Chile ausgezeichnet.

Lesen Sie ein Interview mit der Künstlerin auf unserem Ars Electronica Blog, holen Sie sich einige Impressionen ihres Aufenthalts während der Residency in Chile auf www.aec.at/feature und sehen Sie sich ihr Video an, das nach der Residency produziert wurde: