Marianne.von.Willemer.-Preis für digitale Medien

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Credit: Kathrin Stumreich

Der Marianne.von.Willemer.-Preis für digitale Medien ist eine direkte Förderung von Künstlerinnen und zeichnet Frauen aus, die digitale Medien als künstlerisches Werkzeug und Ausdrucksmittel nutzen. Gesucht werden innovative künstlerische Arbeiten, die durch den Einsatz oder die explizite Bezugnahme auf digitale Medien gekennzeichnet sind. Der Marianne.von.Willemer.2016-Preis ging an Kathrin Stumreich. Ihre Arbeit „What would Ted Kaczynski’s daughter do …?” überzeugte aufgrund des humorvollen und medienkritischen Blicks auf eine ambivalente Gesellschaft von technophoben und technikgläubigen NutzerInnen.

Mit der von ihr geschaffenen Figur Crystal Tesla antwortet die Künstlerin auf Fragen zu Überwachung, Anonymität und Identität in einer von digitalen Medien abhängigen Realität. Teslas fiktionale Geschichte ist durch medien- und kulturhistorische Zitate aufgeladen und verweist in ihrer Form auf die Selbstinszenierung der Digital Natives. Mit dem Instrumentarium aus Apparaturen und DIY-Werkzeugen, das Stumreich ihrer Kunstfigur zur Verfügung stellt, wehrt Crystal Tesla vermeintlich ein System der Kontrolle ab. In dem von der Künstlerin erdachten Szenario erregen Teslas Apparaturen die Aufmerksamkeit einiger KuratorInnen, die sie im Rahmen einer Ausstellung zeigen wollen.

Die Ausstellung „What would Ted Kaczynski’s daughter do…“ bietet einen Einblick in die „Wunderkammer“ von Chrystal Tesla, der Tochter des Mathematikers Theodore Kaczynski, später bekannt als Unabomber.

Chrystal Tesla bildet ihren Charakter unter anderem angesichts ihrer vom Vater vererbten Paranoia und ihrer persönlichen Technikaffinität – durch ihren Beruf als Ingenieurin naheliegend – heraus. Sie wandelt auf dem schmalen Grat zwischen schizophrenem Dasein und einer Realität, deren Grenzen je nach politischer Lage und nationaler Sicherheit verschiebbar sind.

Die studierte Ethnolinguistin und Ingenieurin manifestiert in dieser Wunderkammer ihr Wissen, um der Disziplin der „National Security“ im Europa des Jahres 2015 zu begegnen.

Ständig auf der Hut, von den Feinden ihres Vaters auch hier in Europa überwacht zu werden, wendet sie ihr Denken in zwei Richtungen: Es geht nicht nur um Abwehr, sondern sie möchte mit den Überwachern auf einer Ebene sein, so denken wie sie; dies impliziert das Verstehen der Gegenseite. Dieser ständige Wechsel spielt Chrystals Diagnose in die Hände.

Chrystal antwortet auf ihre Begegnungen mit verschiedensten Praktiken der National Security mit davon inspirierten Apparaturen und adaptiertem Archivmaterial. Sie baut absurde, aber auch nachvollziehbar gedachte Objekte, die von primitivsten Bauweisen, in Archiven ethnologischer Wissenschaften recherchiert, bis zu hoch technologisierten Devices alles integrieren. Chrystal definiert und ordnet deren Anwendbarkeit innerhalb ihres eigenwilligen Denksystems und befindet sich in einer Spirale, die zum Tun und Schaffen antreibt.

Anders als bei ihrem technikfeindlichen Vater ist es ihr Bestreben, an hoch technologisierten Entwicklungen uneingeschränkt teilhaben zu können und diese in DIY-Manier für ihre Interessen zu formieren.

Interview

Lesen Sie am Ars Electronica Blog ein Interview mit Kathrin Stumreich: Der Widerstand von unten

Exponate

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650 nm Laserspy

Die von Chrystal Tesla selbst gebaute Laserspy-Apparatur ermöglicht das Abhören über lange Distanzen. Ein Laserstrahl wird auf eine Fensterscheibe gerichtet. Der Laser wird von der Scheibe reflektiert und über weite Entfernung von einer lichtsensiblen Zelle empfangen.

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Audio Watch surveille

Die Apparatur dreht sich fortwährend um 360 Grad und nimmt das Licht, das von der Umgebung reflektiert wird, über eine Linse auf. Die Linse wird scharf gestellt und die Lichtwerte werden über einen Lichtsensor, der einem Pixel entspricht, verstärkt und hörbar gemacht.

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Brettchengewebe für 2,4 GHz

„Brettchengewebe für 2,4 GHz“ basiert auf der Idee, manuell Kupfergewebe herzustellen, die verschiedene elektromagnetische Wellenbereiche abschirmen können.

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