Eröffnung: people_scans

people_scans_eroeffnung
Veranstaltung: Eröffnung people_scans
Datum: DO 7.3.2013, 20:00
Preis: Eintritt frei
Hinweis: Anmeldung unter 0732.7272.0 oder center@aec.at

Eröffnung

Ausstellungseröffnung „people_scans“ von Kurt Hörbst
am DO 7.3.2013, 20:00

Begrüßung Gerfried Stocker, künstlerischer Leiter der Ars Electronica, anschließend Präsentation des Projekts im Deep Space durch Kurt Hörbst.
Wir bitten um Anmeldung unter 0732.7272.0 oder center@aec.at.

people_scans

Minutenlanges Stillhalten, ein scheinbar ewiges Verharren in einer Pose, das mit einer Kopfstütze fixierte Starren in ein regungsloses Objektiv – all diese technischen Notwendigkeiten der Fotografie des 19. Jahrhunderts sind schon längst Geschichte. Im Zeitalter von stets für Schnappschüsse einsatzbereiten Smartphones spielt die Belichtungszeit für die meisten Kameras heute keine Rolle mehr. Fotografische Porträts entstehen in Sekundenschnelle, an jedem beliebigen Ort, zu jeder gewünschten Zeit. Die massenhafte Verbreitung von Profilfotos in sozialen Netzwerken streicht die Bedeutung des eigenen Konterfei im 21. Jahrhundert so heraus wie nie zuvor.

Mit seinem Projekt „people_scans“ und der damit verbundenen Entschleunigung der heutigen Porträtfotografie öffnet der oberösterreichische Fotograf Kurt Hörbst eine neue Perspektive: Mit einer hochauflösenden Digitalkamera und einem eigens konstruierten Schienensystem werden Menschen in bis zu 20 Einzelaufnahmen systematisch bei gleichbleibenden Lichtverhältnissen abgescannt, und schließlich in einem Bildbearbeitungsprogramm manuell zusammengesetzt. Das Modell verliert dabei jeglichen Bewegungsspielraum und ist während dieser Aufnahmephase gezwungen, sich wie damals für ein bis zwei Minuten dem Fotografen auszusetzen – diesmal jedoch auf dem Boden liegend.

Die in vielen Bildtheorien angesprochene Rollenverteilung des Fotografen als Täter und des Modells als Opfer wird durch die Aufnahmeperspektive von oben und der regungslosen Darstellung der eigenen Person noch einmal verstärkt. Damit es überhaupt so weit kommt, braucht es bei diesen Ganzkörperporträts neben Zeit vor allem die Bereitwilligkeit dem Fotografen gegenüber, sich in dieser Form digitalisieren zu lassen. Gleichzeitig darf eine gewisse Spur an Feinfühligkeit nicht fehlen, wenn der Fotograf den Personen gegenübertritt.

Durch die Position des Liegens und der Schwerkraft, die auf den Körper einwirkt, verformt sich die Persönlichkeit der abgebildeten Menschen in einer derart feinen Weise, dass es beim Betrachten der Porträts, die prägende Hintergründe völlig aussparen, plötzlich zu kleinen Irritationen kommt. „Ein letztendlich unpersönlich, unnahbares Abbild entsteht“, so Hörbst, „welches aber nur durch persönliches Vertrauen und persönliche Nähe erzeugt werden konnte.“

Als Artist in Residence hat sich Kurt Hörbst mit seinem Projekt bereits in Venedig einen Namen gemacht. Auch in Wien waren seine Fotografien unter dem Titel „vienna_scans“ bereits zu sehen. Eine Auswahl seiner Ganzkörperporträts wird ab DO 7.3.2013, 20:00, bei einem Deep Space LIVE wieder in die Vertikale gebracht und ist anschließend lebensgroß im Foyer des Ars Electronica Center bis Ende April 2013 zu sehen.

www.people-scans.com

Interview

„… vielleicht könnte daraus gar ein größeres Gesamtbild der Menschen des frühen 21. Jahrhunderts entstehen.“
Lesen Sie ein ausführliches Interview mit Kurt Hörbst auf dem Ars Electronica Blog.

Video

httpvh://www.youtube.com/watch?v=QJ4kWmjxNF4