Futurelab.Academy Workshop at China Academy of Arts 2012

Die erste Workshopreihe der Futurelab Academy fand an der China Academy of Art statt, der einflussreichsten Kunsthochschule und führenden Forschungs- und Bildungsinstitution für neue Medienkunst des Landes. Die Ars Electronica Futurelab Workshopreihe an der China Academy of Art wurde von dem Klangkünstler, Kunsthistoriker und Leiter des Open Media Lab der Akademie, Dajuin Yao, initiiert. Gemeinsam haben die beiden Institutionen eine thematische Ausrichtung für die Workshopreihe entwickelt, die die Schnittstelle von traditioneller Kultur und Medientechnologie ins Blickfeld rückt.

 

Vektorgrafik: Ochsenkarren und Gestüt auf einem chinesischen Hof.
Credit: Ars Electronica Futurelab

 

Den ersten Workshop leitete Roland Haring, Co-Director der Research and Innovation Group am Futurelab. Haring erläuterte ausführlich die Prinzipien der Medienkunstproduktion und die erforderlichen Programmierkenntnisse für interaktive Kunst. Auch ein Gastredner – Lu Dadong, ein junger Kalligraf und Bandleader einer bekannten Rockgruppe – war eingeladen, die alte Kunst der chinesischen Kalligrafie vorzuführen und über ihre Grundlagen zu sprechen. In seinem inspirierenden Vortrag erhielten die Teilnehmer interessante Hintergrundinformationen. Die Studenten haben hier die Gelegenheit, über Themen zu forschen und nachzudenken, die im Zuge ihrer Beschäftigung mit neuen Medien häufig vernachlässigt werden: die chinesische Kalligrafie und das Schreiben im Allgemeinen. Sie müssen sich mit ihrem eigenen kulturellen Erbe auseinandersetzen und nach Erweiterungsmöglichkeiten desselben mit Hilfe von Technologie und verschiedenen neuen Medien suchen. Darüber hinaus werden die jungen KünstlerInnen angeregt, sich mit der Frage auseinanderzusetzen, ob sie angesichts der gegenwärtigen Globalisierung der neuen Medienkunst überhaupt eine eigene Identität brauchen.

 

 

Der Workshop hat mehrere Kunstprojekte initiiert, von denen einige beim Ars Electronica Festival 2012 gezeigt wurden, etwa Wang Zhipengs Arbeit „Eternity“, bei der ein einzelnes chinesisches Schriftzeichen (yong, in der Bedeutung von „Ewigkeit“) in eine Fraktalanimation verwandelt wird, die weder Anfang noch Ende kennt. „Calliscope“ ist ein von Luo Hang, Yan Weidan und Qiu Linru entwickeltes Periskop bzw. ein Helm, in den ein Videomonitor installiert ist. Eine weitere 3D-Visualisierung präsentieren Shen Bijun, Pan Ying und Ma Bin mit ihrem Projekt „Hexagram Field“. Hier wird ein Diagramm mit chinesischen Weissagungshexagrammen von der Decke auf den Boden projiziert. Die Position des Besuchers auf dieser Grafik interagiert mit der Projektion der 3D-Grafiken an der Wand. Tan Lijies und Qu Qianwen wurden für ihre Arbeit „Living Outside of Time“ von tibetischen Gebetsmühlen inspiriert. Die Arbeit besteht aus kleinen Holzwalzen mit kalligrafischen Inschriften, die ihrerseits eine große, frei hängende Gebetsmühle bilden.