Haydn Festspiele Eisenstadt 2011

Am 8. September wurden die Haydn Festspiele 2011 mit einer Visualisierung des Ars Electronica Futurelab eröffnet. Für die Entwicklung der Visualisierung der ausgewählten Symphonien war deren musikalische Aussage maßgeblich:  Zum einen ist das Werk Dvoraks beinahe bildhaft erzählend, zum anderen ist die bekannte Haydn-Symphonie, auf die minimalistische C-Dur aufbauend, abstrakt und nahezu kubistisch.

 

The Haydn Festspiele 2011 opened with a visualization by Ars Electronica Futurelab.

 

Antonin Dvorak: Symphonie Nr.9 „Aus der Neuen Welt“

 

Im ersten Teil wurde demnach das sehr narrative Werk Dvoraks mit Bildern umgesetzt und die Themen wurden Satz für Satz aus einer interpretativen Sicht in der Visualisierung wieder aufgegriffen.

So wird zu Beginn von der ehemals neuen Welt erzählt, dem damaligen Amerika, das in beeindruckenden Originalaufnahmen neue Einblicke eröffnete. Die Traurigkeit des 2. Satzes rührt aus dem Verlust einer Gefährtin – der Erde, ein vom Menschen selbst verschuldeter Verlust, der uns weiter führt zum dritten Satz, dem erwartungsvollen, drängenden Teil, in dem die Erde verlassen und die Entdeckung des Unbekannten initiiert wird. Bilder, die uns Wege durch den Kosmos zeigten und doch die Undurchführbarkeit der Eroberung desselben aufgrund unser physikalischen aber auch metaphysischen Grenzen aufzeigen, ließen uns dann schließlich zu einem nur scheinbar heroischen Schluss kommen, eine Eroberung, die die Zweifel schon mit sich trägt.

 

Eine Probeszene der Haydn-Festspiele zeigt die Projektion einer Explosion.
The final rehearsal for the opening of the Haydn Festspiele 2011. Credit: Ars Electronica Futurelab

 

In diesem ersten Teil des Abends kamen hochauflösende Bilder aus den Beständen der National Library of Congress, der NASA und der ESA zum Einsatz, die, vom Ars Electronica Futurelab gesetzt und animiert, den Vorgaben der Symphonie folgten und im Einklang mit dem Gehörten eine neue Geschichte erzählten. Von Bernd Pröschold stammten die Zeitrafferbilder im 2. Satz, die die Schönheit und Anmut der Erde, der Gefährtin, widerspiegelten, die dennoch vom Menschen, getrieben von Entdeckungsgeist und Sehnsucht, verlassen wird.

 

Joseph Haydn: Symphonie 94 „Mit dem Paukenschlag“ (The Miracle)

 

Im zweiten Teil wurde eine abstrakte, stereoskopische Visualisierung basierend auf einem Würfel gezeigt. Der Würfel wurde als Ausgangskörper gewählt, weil ihm im dreidimensionalen Raum, ähnlich wie der G-Dur in der Musik, zwar eine minimale, einfache Struktur, jedoch daraus resultierend eine schier grenzenlose Möglichkeit an Variationsmöglichkeiten immanent ist. Hat also Haydn aus der elementaren G-Dur eine kaleidoskopische Fülle an thematischen Verwandlungen geformt, wie Ludwig Finscher* findet, so diente der Würfel der Visualisierung als Grundlage für eine ebensolche Vielfalt an Strukturen und Partikeln, über die die Inhalte der Symphonie auf die Leinwand übertragen wurden.

 

 

Im ersten Satz wurde also der Partitur folgend der visuelle Eindruck über sanfte Bewegungen manifestiert, die sich über den zweiten Satz aufbauten und die Varianten bildeten, die von der „Überraschung“, dem Paukenschlag, bewirkt wurden. Der an die Volksmusik angelehnte dritte Satz inspirierte auch die Würfelanimationen zu tanzartigen Verwindungen, die eigens entwickelte Software, eine Partikelengine, griff die Strukturen der Musik auf und baute sie in Bewegungen der Partikel ein. Diese Engine war es auch, durch die mit Hilfe des stereoskopischen Effekts die Bilder die Leinwandebene durchbrachen und für den Konzertbesucher eine neue Welt des Hörens erlebbar wurde, die dann im 4. Satz mit der vorher erwähnten kaleidoskopischen Fülle, einem Partikelfeuerwerk gleich, ein fulminantes Finale fand.


Research & Development:

Florian Berger, Horst Hörtner, Andreas Jalsovec, Michael Mayr, Claus Zweythurm