Papyrus 2006

Vodafone Group R&D hat das Labor-Atelier mit der Konzeption der Interaktion für das eInk-Newspaper-Projekt Papyrus beauftragt. Das Ergebnis ist ein kontextsensitives Device mit doppelseitigem eInk-Display, zusammenfaltbar. Die Navigation durch die Zeitungsinhalte ist ohne Menüfunktionen und Bedienelemente möglich und erfolgt auf der Basis physischer Interaktionsmetaphern, die vom Lesen der Papierzeitung vertraut sind: Umblättern, Wenden, Seiten und Artikel mit anderen Lesern tauschen, Markieren und Beschreiben, Ausschneiden und Archivieren, Zusammenlegen und Einstecken.

 

The future of reading newspaper in 2008.

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Das e-Newspaper-Device ist ein Versuch, die Gebrauchseigenschaften und Nutzungsszenarien von zukünftigen Kultur-Technologien so zu gestalten, dass sich neue kulturelle Praktiken im Umgang mit vertrauten Medien etablieren können. Die Kombination des Interaktionskonzepts mit neuester eInk-Technologie soll auf die Untauglichkeit am Markt befindlicher Geräte reagieren, eine jahrhundertealte Kulturtechnik durch Mini-PCs und Multifunktionshandys zu ersetzen.

 

Papyrus ermöglichte das Teilen von Zeitungsartikeln.
Sharing newspaper content via Papyrus. Credit: Ars Electronica

 

Das Konzept der Vodafone Group R&D und des Ars Electronica Futurelab macht die Besonderheiten des Zeitungslesens zum Schwerpunkt des Produkt- und Interaktionsdesignprozesses: Eine hohe Kontextsensitivität des Devices soll dem Leser die intuitive haptische Interaktion mit den Inhalten der Zeitung ermöglichen und das Device als Artefakt zum Verschwinden bringen. So bedarf es zum Blättern durch die Zeitungssektionen, – seiten und –artikel aufgrund des doppelseitigen eInk-Displays nur ein Wenden des aktuell angezeigten Inhalts um die vertikale oder horizontale Achse; zum Austausch von Zeitungsinhalten genügt das Aufeinanderlegen von sendendem und empfangendem Gerät.

Das Konzept steht auch prototypisch für die spezifische Herangehensweise des Ars Electronica Futurelab an die Theorie und Praxis des Interaktionsdesigns. Das Human Computer Interface wird nicht von den Endpunkten [Gerät – Nutzer] aus gedacht, sondern von den sich in der Interaktion entwickelnden ästhetischen, inhaltlichen und funktionalen Dramaturgien. Das Design des Interaktionsprozesses liegt damit nur sekundär in der technologischen Lösung, denn diese leitet sich aus den Anforderungen der Inhalte an die Interaktion ab, damit Inhalt und Träger als identisch angenommen werden können.

Vom 4. – 9. März präsentierte Vodafone Group R&D das Prototypenkonzept, das im Rahmen der Forschungskooperation mit dem Ars Electronica Futurelab entstanden ist, auf der CeBIT 2008 (CeBIT-Stand: Vodafone D2, Future Zone).


Reasearch & Development

Horst Hörtner, Christopher Lindinger, Daniela Kuka, Michael Badics, Travis Kirton