Robotinity Ausstellung 2011

Stellen wir uns vor, wir seien WissenschaftlerInnen einer zukünftigen Generation, die sich mit der Entwicklung der Menschen und ihrer Kulturen über die Jahrtausende hinweg beschäftigen. Und wir sind nun auf der Suche nach jener fernen Epoche, in der Menschen begannen, mit Robotern zusammenzuleben. Der Epoche, als man nicht mehr nur Arbeitsmaschinen baute, für Fabrikhallen, für Transport und Verkehr, für die Kommunikation und Informationsverarbeitung, sondern Roboter und Androiden, die zu ständigen Begleitern wurden und zu einem Teil der Kultur der Menschen.

 

Ein Infotrainer und sein Publikum während der Robotinity Ausstellung im Robolab des Ars Electronica Centers.
Impressions from the Robotinity Exhibition. Credit: rubra

 

Was würden wir finden bei so einer archäologischen Ausgrabung der Hightech-Metropolen des beginnenden 21. Jahrhunderts? Welche Artefakte und Zeitzeugnisse würden zutage kommen und welche Geschichten könnten sie uns darüber erzählen, wie wir begonnen haben, Natur und Technologie immer mehr zu verschmelzen, Natur durch Technologie zu ersetzen und technische Apparate tief in unsere Körper und sogar Gehirne eindringen zu lassen?

 

 

In der Robotinity-Ausstellung des RoboLab im Ars Electronica Center waren die BesucherInnen hautnah dabei und konnten die vielen technischen und kulturellen Entwicklungen, die den Weg in diese Zukunft der Menschen und Maschinen bestimmen, ansehen:

  • von historischen Prothesen bis zu Gehirnimplantaten und futuristischen Nanorobotern, die durch unsere Blutbahnen reisen;
  • von aufziehbaren Spielzeugrobotern bis zu Therapie- und Telekommunikationsrobotern;
  • ein Labor für die Fragen nach den sozialen Beziehungen zwischen Mensch und Maschine

Seit Tausenden von Jahren entwickeln wir Menschen nun schon Maschinen. Doch was treibt uns dabei an? Ist es unser Drang, die Natur und ihre Prozesse zu verstehen und nachzuempfinden? Ist es unser Streben, ja unsere Anmaßung, die Natur verbessern zu wollen? Oder sind wir einfach nur neugierig? Die ideal zum Festivalthema 2011 passende Ausstellung „Wovon Maschinen träumen“ versammelt Kunstmaschinen, die verglichen mit ihren Pendants aus Industrie und Wirtschaft rein gar nichts mit Rationalität und Perfektion zu tun haben. Maschinen, die von atemberaubender Schönheit sind und schlichtweg verzaubern.

 

Kinder beim Ausprobieren was kleine, insektenartige Roboter alles können.
Robotinity playfully approached by children. Credit: Ars Electronica Futurelab

 

Der Begriff Robotinity und die gleichnamige Ausstellung wiederum bringen das Zusammenwachsen von „Robotics“ und „Humanity“ auf den Punkt. Zu sehen sind exemplarische Beiträge aus Kunst, Design und Wissenschaft. Sie führen vor Augen, wie intensiv sich das Zusammenleben und -wirken von Maschinen und Menschen heute schon gestaltet.

 

Drei Arbeiten von Hiroshi Ishiguro (JP) und Ryota Kuwakubo (JP) in diesen Ausstellungen sind exemplarisch auch als Beiträge zur Ars Electronica 2011 zu verstehen.

 

Der Roboter TELENOID auf dem Schoß eines Besuchers der Robotinity-Ausstellung.
Credit: rubra

Telenoid ist die jüngste Schöpfung des Robotikexperten Hiroshi Ishiguro (JP), die neue Formen der Telekommunikation unter verhaltenspsychologischen Parametern ins Zentrum rückt. Der Telenoid gleicht einem Baby, das mensch während eines Gesprächs im Arm hält. Jede Veränderung der Tonlage spiegelt sich in der Mimik des Roboters wider. In der Kommunikation von Mensch zu Mensch dient er als dreidimensionales Medium, das auch mimischen Ausdruck übertragen kann.

 

 

 

 

 

Ryota Kuwakubo präsentiert mit SiliFulin, einen Roboterschweif, der den Menschen mit dem Repertoire eines Tieres mit entsprechendem Körperteil ausstattet.
Credit: rubra

Der Mensch mit seinem Verhalten, Bewegungsapparat und Körperbau ist häufig das Maß der Dinge im Roboterbau. Ryota Kuwakubo (JP) geht einen ganz anderen Weg und präsentiert mit SiliFulin (zu Deutsch etwa: “Hüftschwung”) einen mit einem Schweif ausgestatteten Roboter mit einem entsprechenden Bewegungsrepertoire.

 

 

 

 

 

 

Dank einer speziellen projektionstechnologie bringen die Schatten ganz normaler Alltagsgegenstände poetische Objekte und geheimnisvolle Landschaften hervor.
Credit: KIOKU Keizo

In Lost #2 löst Ryota Kuwakubo (JP) die Verknüpfung von Gebrauchswert und Funktionalität auf. Hier lässt er die Schatten ganz normaler Alltagsgegenstände Wände entlangtanzen und poetische Objekte und geheimnisvolle Landschaften ausformen. Ein schlichtes Nudelsieb verwandelt sich dabei in einen majestätischen Wolkenkratzer, eine Glühbirne in ein ganzes Kraftwerk.