Virtuelles Millionenzimmer 2004

Das Ars Electronica Futurelab unternimmt mit der Medieninstallation “Millionenzimmer” den Versuch, das Erlebnis Schönbrunn in einer virtuellen Umgebung zu inszenieren, und erstellte damit eine mobile Repräsentanz für das Schloss – einen mobilen Einblick in die österreichische Kultur.

 

Virtual Million Chamber: A mobile representation of Schloss Schönbrunn.

 

Gleichzeitig konnten mit dem Pilotprojekt neue Maßstäbe für die digitale Konservierung unwiederbringlicher Kulturgüter im Sinne der *cultural heritage* gesetzt werden. Diesen Ansatz vor Augen, wurde für die grafische Darstellung eine zukunftsweisende 3D-Software entwickelt und neueste Techniken aus dem Bereich der Echtzeit-Computergrafik (etwa Pixelshader etc.) implementiert. Über die reine Visualisierung der historischen Umgebung hinaus konzentrierte sich die Forschungsarbeit bei der Entwicklung des virtuellen Pendants auf die Rekonstruktion des authentischen Raumeindrucks.

 

Das virtuelle Millionenzimmer im Schloss Schönbrunn in seiner virtuellen Reinkarnation.
Credit: Ars Electronica Futurelab

 

Das originale Millionenzimmer in der Wiener Schlossanlage Schönbrunn erhielt seinen Namen aufgrund der – selbst in diesem Umfeld auffällig kostbaren – Wandvertäfelung und der seltenen indisch-persischen Miniaturarbeiten. Diese künstlerische und materielle Qualität in einer virtuellen Umgebung erfahrbar zu machen, war eine der Zielsetzungen, die sich das Ars Electronica Futurelab bei der Visualisierung des historischen Kulturguts stellte. Die durchgängige Verwendung höchstauflösender Digitaltechniken, von der Laserpunktvermessung über das eigens akribisch erstellte fotografische Material bis zur finalen Visualisierung, ermöglicht es, alle Miniaturen überlebensgroß und aus nächster Nähe zu betrachten. Wollte man die

 

Beim Tag der offenen Tür im AEC. Im Bild die Installation: Millionenzimmer.
ARS ELECTRONICA 2005: Tag der offenen Tür iin the AEC. Credit: rubra

 

Informationsdichte eines durchschnittlichen touristischen Besuchs des Millionenzimmers, der des Besuchs der virtuellen Variante gegenüberstellen, so wäre hier die Simulation im Vorteil. Im Rahmen einer Schlossbesichtigung ist man bei seinen Betrachtungen nicht nur an die Schwerkraft gebunden und damit auf die unteren Wandabschnitte beschränkt, sondern wird zur Schonung der Substanz innerhalb von Absperrungen durch den Raum geleitet. Dieser Umstand fällt jedoch nicht wirklich ins Gewicht, da es im Allgemeinen beim Rundgang durch die Prunkräume der Residenz eher um das Einatmen der kaiserlichen Atmosphäre geht – um das Erlebnis, einmal dort gewesen zu sein. Die (digitale) Replica kann sich nicht mit einer über Jahrhunderte gewachsenen kaiserlichen Atmosphäre messen. Einmal dort – also im virtuellen *Millionenzimmer* – gewesen zu sein, birgt durch die im Zuge des Projekts erzielte Qualität jedoch ein zumindest vergleichbares Erlebnispotenzial.


Senior Executive Developer:

Horst Hörtner

Keyresearcher / Visualization:

Andreas Jalsovec

Development:

Florian Berger, Friedrich Kirschner, Peter Freudling, Martin Bruner, Stefan Feldler, Erwin Reitböck