Ars Electronica Festival 2018:
Error – The Art of Imperfection

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Gerfried Stocker über Error – the Art of Imperfection / Ars Electronica Blog
Pressefotos / Flickr
Website Ars Electronica Festival 2018

(Linz, 12.4.2018) Wann wird aus einem Irrtum ein Fehler, ein Versagen und wodurch wird er zur gefeierten Quelle unvorhergesehener Ideen und Erfindungen?

Wann ist ein Irrtum ein Versehen und wann absichtliche Täuschung, Fake?

Ein Error ist die Abweichung von dem, was wir erwarten, eine Abweichung von der Norm … aber was ist die Norm und wer legt sie fest? Ein Error muss kein Fehler sein, er kann eine Chance sein!

Doch wie viel Toleranz bringen wir für solche Abweichungen auf und reicht sie für die nötigen Spiel- und Freiräume, um die darin liegende Produktivkraft für gesellschaftliche und wirtschaftliche Innovation auch nutzen zu können? Oder lassen wir uns von populistischer Angstrhetorik und Social Scoring ins Bockshorn jagen?

Beobachtet man die aktuelle Situation, dann kommt sehr schnell der Eindruck auf, dass einiges schief gelaufen ist mit der digitalen Revolution und dem 21.Jahrhundert. Millionen von Menschen fühlen sich um ihre Datenhoheit und Privatsphäre betrogen, Täuschung und Fake sind Alltagsrealität geworden und beeinflussen öffentliche Stimmung und politische Meinungsbildung. Und über allem schwebt eine diffuse Angst, in der rasanten Dynamik der Entwicklung auf der Strecke zu bleiben. War der Traum von der schönen digitalen Welt ein Irrtum und wie können wir diesen Traum retten?

Unsere Zeit ist gekennzeichnet von Perfektionswahn und einer, wie es scheint, unerschütterlichen Technologiegläubigkeit. Im Wunsch nach Optimierung, Effizienz- und Produktivitätssteigerung und viel öfter noch für das bloße Vergnügen an den Möglichkeiten, die uns digitale Technologien und soziale Medien verschaffen, liefern wir uns einer Maschinerie aus, die alles daran setzt, uns zu digitalen Konsum-Lemmingen machen.

Big Data Surveillance spürt präventiv jede Abweichung von unseren Gewohnheiten auf und Social Scoring soll in Zukunft unser Verhalten noch besser an den gesellschaftlichen Normen und Standards optimieren. Umso perfekter und leistungsfähiger die dafür eingesetzten Technologien werden, umso enger wird es für uns. Wer nicht rein passt, fällt raus.

Dabei liegt doch gerade in der Unvollkommenheit das größte Potential für neue Lösungen. Nicht die Optimierung sollte unser Ziel sein, denn sie ist bloß eine bestmögliche Annäherung und Anpassung an das, was wir jetzt denken können und für richtig halten. Optimierung lässt keinen Spielraum für Unerwartetes und damit auch keinen Spielraum, um tatsächliche Fehlentwicklungen zu erkennen und zu korrigieren oder mit besseren neuen Ideen, andere Wege einzuschlagen.

Fehlerkultur, Risikobereitschaft und Kreativität sind die vielleicht wichtigsten Zukunftskompetenzen unserer Zeit.

Wie viele Irrtümer musste die Evolution in den genetischen Sequenzen der Lebewesen machen bis aus LUCA (dem Last Universal Common Ancestor vor 3,5 Mio Jahren) Homo Sapiens wurde? Und aus wie viel Irrtümern musste der Homo Sapiens lernen, um den heutigen Entwicklungsstand zu erlangen? Um wie viele Erfahrungen und Erkenntnisse wäre die Menschheit ärmer, hätte es immer nur „normale“ Menschen und statistisches Mittelmaß gegeben … keine Andersartigen, Andersdenkenden, Andersfarbigen, Andersgläubigen?

Von Artificial Intelligence to Social Intelligence

Irren ist menschlich, sagt man. Streben wir deswegen ständig nach Perfektion und glauben immer wieder diese mit Technologie und Wissenschaft erreichen zu können, obwohl wir uns dann doch wieder vor nichts so sehr fürchten, als unter die Räder einer perfekten und ohne uns funktionierenden Maschinenwelt zu kommen?

Wie können wir unsere sehr ambivalente Beziehung zu Technologie als treibende Kraft der Gestaltung unserer Zukunft neu denken und welche Irrtümer sollten wir vielleicht nicht wiederholen?

Der Begeisterung für die digitale Welt und künstlicher Intelligenz stellen wir die Aufforderung zu sozialer Intelligenz zur Seite.

Wir propagieren den Mut zur Unvollkommenheit, denn vielleicht ist es ja gerade das, was uns immer von den Maschinen unterscheiden wird?

Ars Electronica Festival 2018 …

Von 6. bis 10. September ruft Ars Electronica wieder hunderte KünstlerInnen, WissenschaftlerInnen, IngenieurInnen, DesignerInnen, TechnologInnen, Entrepreneurs und Social Activists aus der ganzen Welt nach Linz. Gemeinsam fragen sie nach aktuellen technologischen und gesellschaftlichen Wechselwirkungen und ihren möglichen Ausprägungen in der Zukunft. All das geschieht in und gemeinsam mit einer breiten Öffentlichkeit. Denn Ars Electronica geht hinaus aus den klassischen Räumen der Kultur und Wissenschaft und setzt sich als weltweit einzigartiges Festival für Kunst, Technologie und Gesellschaft mitten in Linz in Szene. Bespielt wird eine Festivalmeile quer durch die Innenstadt, die das ehemalige Post- und Paketverteilzentrum am Areal des Linzer Hauptbahnhofs, den Linzer Mariendom, das OK, das Moviemento, das CENTRAL, die Kunstuniversität Linz, das LENTOS Kunstmuseum, das Brucknerhaus, das Ars Electronica Center und die Anton-Bruckner-Privatuniversität, umfasst. Ideen und Visionen, Kunstwerke und Prototypen, Performances und Konzerte schaffen hier temporäre Frei- und Spielräume, die möglichst viele Menschen inspirieren sollen.

… in der POSTCITY

Festival-Hotspot wird einmal mehr die POSTCITY. Ars Electronica bekommt dieses Jahr noch einmal die Chance, das stillgelegte Post- und Paketverteilzentrum der österreichischen Post AG zu bespielen und hier Festival-Highlights wie die Große Konzertnacht mit Chefdirigent Markus Poschner und dem Bruckner Orchester Linz, das große u19 – CREATE YOUR WORLD-Festival oder das ebenso dichte wie hochkarätige Konferenzprogramm stattfinden zu lassen. Darüber hinaus eröffnet die POSTCITY wieder die Möglichkeit, die Linzer Ars Electronica als eine der größten und spannendsten internationalen Messen für Kreativität und Innovation zu positionieren und damit Fachvereinigungen und –verbände, Unternehmen und Universitäten aus aller Welt anzusprechen.

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Sujet Ars Electronica Festival 2018 / Fotocredit: Ars Electronica – Martin Hieslmair / Printversion

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Ars Electronica Center / Fotocredit: Ars Electronica – Robert Bauernhansl / Printversion

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Mehr als eine halbe Million bei Ars Electronica
Bilanz 2017 zeigt noch nie dagewesenen Publikumszuspruch

Pressetext „Mehr als eine halbe Million bei Ars Electronica“ / PDF
Ars Electronica Blog: Rückblick auf das Jahr 2017

(Linz, 17.1.2018) 180.654 BesucherInnen im Linzer Ars Electronica Center, 100.076 beim Ars Electronica Festival und 273.792 bei der großen Schau „Ars Electronica in Berlin“ – allein bei ihren drei Hauptaktivitäten verzeichnete Ars Electronica 2017 mehr als 550.000 Besuche. Dazu kamen eine ganze Reihe weiterer Präsentationen, Talks und Workshops weltweit wie jene bei der Frankfurter Buchmesse, der Dutch Design Week in Eindhoven, der Digital Design Week in London, bei Rock in Rio, in der Tokyo Midtown oder der Knowledge Capital in Osaka. „Jetzt, da die Digitalisierung in jedem Bereich unseres Lebens spürbar ist, steigt das Interesse an Ars Electronica und ihrer über Jahrzehnte aufgebauten Expertise exponentiell“, so Doris Lang-Mayerhofer, Beiratsvorsitzende der Ars Electronica Linz GmbH & Co KG. „Wir bemerken das sowohl im wachsenden Publikumszuspruch als auch an der steigenden Zahl von Labs, Forschungseinrichtungen und Unternehmen aus allen Branchen und Ländern, die mit uns zusammenarbeiten wollen“, ergänzen Diethard Schwarzmair und Gerfried Stocker, die Geschäftsführer der Ars Electronica Linz GmbH & Co KG: „Es herrscht zurzeit eine Dynamik, die uns für die Zukunft sehr optimistisch stimmt.“

Plus 5 Prozent – Ars Electronica Center steigert erneut BesucherInnenzahl

180.654 BesucherInnen verzeichnete das Ars Electronica Center 2017 – um 5 Prozent mehr als im Jahr davor. Die hohe Zufriedenheit und lange Verweildauer der BesucherInnen runden das Bild ab. Publikumsmagnet Nummer 1 war auch 2017 wieder der Deep Space 8K, dessen Mix aus technischem State-of-the-Art, riesigen Bildwelten und fachkundigem Kommentar einzigartige Erlebnisse schafft.

Stark nachgefragt wurden auch die edukativen Programme. 40.700 Kindergartenkinder (2.200), SchülerInnen aller Schultypen und -stufen (33.000) sowie Studierende (5.500) waren im Vorjahr im Ars Electronica Center. Hunderte Lehrlinge von Wacker Neuson, Fronius, Greiner, KTM, Engel, Rosenbauer und anderen Unternehmen aus der Region besuchten das Museum der Zukunft im Rahmen der Lehrlingstage.

Ungebrochen ist zudem der Run auf die Eventlocation Ars Electronica Center. 180 Veranstaltungen mit 27.151 BesucherInnen wurden 2017 vom hauseigenen Veranstaltungsservice betreut.

Festival knackt erstmals 100.000er-Marke

Jahr für Jahr reisen tausende BesucherInnen aus aller Welt zur Ars Electronica nach Linz, besonders viele aus China, Japan und Südkorea. 2017 verzeichnete das Festival erstmals 100.076 Besuche – mehr als im Linzer Kulturhauptstadtjahr 09. Ebenfalls eine Bestmarke stellten die mehr als 1.000 KünstlerInnen und WissenschaftlerInnen aus über 40 Ländern dar, die rund 600 Einzelveranstaltungen an 12 Schauplätzen in ganz Linz gestalteten. Mehrere Programmhighlights waren dennoch „made in Linz und OÖ“ – die erstmals von Markus Poschner gestaltete Große Konzertnacht und gleichzeitig sein erster Auftritt als Chefdirigent des Bruckner Orchesters oder das Kinder- und Jugendfestival CREATE YOUR WORLD. Als zentrale Location trug die PostCity ihren Teil dazu bei, dass sich das Festival voll entfalten konnte und als Plattform für Innovation und Zukunftsfragen noch stärker als bisher ins Blickfeld von Wirtschaft und Industrie rückte.

273.792 bei Ars Electronica in Berlin

„Ars Electronica in Berlin“ lautete der Titel einer großen, von der Volkswagen AG beauftragten und zur Gänze finanzierten Ausstellung, die von Ars Electronica EXPORT im DRIVE Volkswagen Group Forum in Berlin Mitte in Szene gesetzt wurde. Waren die fünf gemeinsamen Ausstellungen in den Jahren davor noch thematisch gebrandet, wurde die jüngste Zusammenarbeit, die neben der Ausstellung ein umfangreiches Veranstaltungs- und Vermittlungsprogramm beinhaltete, offensiv als Berlin-Auftritt der Linzer Ars Electronica promotet. Von Ende Juli bis Ende Oktober verzeichnete die Schau 273.792 BesucherInnen. Darüber hinaus konzipierte Ars Electronica EXPORT vergangenes Jahr eine Vielzahl weiterer Auftritte und Präsentationen in aller Welt, häufig in Zusammenarbeit mit dem österreichischen Außenministerium.

Weltweit gefragt als Dienstleister und Forschungspartner

Nicht nur in Gestalt des Festivals oder großer internationaler Auftritte, auch als Dienstleister und Forschungspartner ist Ars Electronica weltweit gefragt.

Das Ars Electronica Futurelab etwa entwickelte für das Audi Training Center ein Programm rund um Digitalisierung und Mobilität der Zukunft, wurde von SAP mit der Gestaltung des neuen DATA SPACE in Berlin Mitte beauftragt oder befasste sich für den japanischen Telekommunikationsgiganten NTT mit animierten Orientierungshilfen für den urbanen Raum. Gemeinsam mit Hakuhodo, einer der größten Werbe- und PR-Agenturen Asiens, entwickelt der Linzer ThinkTank schon seit 2014 neue Wege des kollektiven Brainstormings und der kreativen Prototypenentwicklung. Weiters war das Ars Electronica Futurelab 2017 mit einer ganzen Reihe von Forschungsprojekten befasst, die aus EU- sowie nationalen Fördertöpfen finanziert wurden.

Die Ars Electronica Solutions wiederum gestaltete die neue Palfinger World in der Salzburger Konzernzentrale, den wichtigsten Jahresevent von Silhouette oder einen Messeauftritt für Fronius. Darüber hinaus wickelte Solutions große Aufträge ab, die drei weltbekannte Wiener Sehenswürdigkeiten betrafen: das Riesenrad, das Hotel Sacher und das österreichische Parlament. Aktuell konzipiert das Linzer Team eine Ausstellung für das Europäische Institut für Weltraumforschung in Frascati/Rom.

Den prominentesten Auftritt absolvierten aber die SPAXELS: Mit spektakulären Flügen stimmte der Linzer Drohnenschwarm bei Rock in Rio, dem weltweit größten Musikfestival, Hundertausende Fans auf die Headliner des jeweiligen Tages ein. Justin Timberlake ließ es sich dann auch nicht nehmen, ein Foto der Linzer SPAXELS zu posten.

Wichtigster Werbepreis und höchstdotierter Kunstpreis in Österreich

Dass diese vielen Aktivitäten der Ars Electronica nicht nur international, sondern auch in Österreich auf ein sehr positives Echo stießen, unterstrichen gleich drei Awards: der Forschungspreis des Kuratoriums für Verkehrssicherheit, der Goldene AUSTRIACUS der WKÖ sowie der Große Kunstpreis der Bank Austria, der höchstdotierte Kunstpreis Österreichs.

Ziel 2018: Internationale Aktivitäten weiter ausbauen, regionale Verankerung forcieren

2018 wird Ars Electronica ihren Kurs beibehalten. Zum einen sollen die internationalen Aktivitäten weiter ausgebaut, neue Märkte und Geschäftsfelder offensiv bearbeitet werden. „Der Fokus liegt auf Asien und Australien“, sagt Diethard Schwarzmair: „Insbesondere in Japan herrscht zur Zeit eine Aufbruchsstimmung, in der wir sehr viel Potential für Ars Electronica sehen.“ Zum anderen soll die regionale Verankerung weiter vorangetrieben werden. Der Brückenschlag zur Wirtschaft wird forciert, Zukunftsthemen sollen mit Partnern aus unterschiedlichen Bereichen und Branchen für die breite Öffentlichkeit aufbereitet werden. Im Rahmen des Festivals soll beides noch intensiver miteinander verknüpft werden: „Wir wollen das Festival noch stärker als eine Plattform etablieren, auf der Kunst- und Kreativszene, Wissenschafts- und Forschungseinrichtungen sowie Start-Ups und Unternehmen aus der Region in einen gewinnbringenden und inspirierenden Austausch mit unseren internationalen Partnern treten können“, so Gerfried Stocker.

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Deep Space 8K im Ars Electronica Center / Fotocredit: Florian Voggeneder / Printversion

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Ars Electronica Festival in der PostCity / Fotocredit: Florian Voggeneder / Printversion

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Ars Electronica in Berlin 2017 / Fotocredit: Florian Voggeneder / Printversion

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Ars Electronica SPAXELS bei Rock in Rio 2017 / Fotocredit: Wesley Allen / Rock in Rio / Printversion

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Fronius: Schweißen und Schneiden 2017 / Fotocredit: Ars Electronica Solutions / Gerald Priewasser-Höller / Printversion

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Ars Electronica Center / Fotocredit: Ars Electronica / Robert Bauernhansl / Printversion

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Einreichungen bis 2. März 2018 möglich:
Prix Ars Electronica 2018 startet heute

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Einreichungen und Infos zum Prix Ars Electronica: https://www.aec.at/prix/
Prix Ars Electronica am Ars Electronica Blog

(Linz, 17.1.2018) Ab sofort können Projekte zum Prix Ars Electronica 2018 eingereicht und nominiert werden. Die diesjährigen Wettbewerbskategorien lauten „Computer Animation“, „Digital Communities“, „Interactive Art + “ und „u19 – CREATE YOUR WORLD“. Zu gewinnen sind eine Goldene Nica sowie Preisgelder von bis zu 10.000 Euro pro Kategorie und ein prominenter Auftritt beim Ars Electronica Festival Anfang September. Die Einreichung zum Prix Ars Electronica 2018 ist kostenlos und bis 2. März möglich.

Wettbewerbskategorien 2018

Computer Animation …

… ist offen für unabhängige Kunst- und Wissenschaftswerke ebenso wie für kommerzielle High-End-Produktionen der Film-, Werbe- und Unterhaltungsindustrie. Künstlerische Originalität zählt dabei genauso viel wie exzellente technische Leistung. Auch Experimente und Ansätze, die auf einer erweiterten Interpretationen der Computeranimation beruhen und sowohl in künstlerischer als auch technischer Hinsicht über den Bildschirm hinausgehen, können eingereicht werden.

Digital Communities …

… ist offen für politische, soziale, künstlerische und kulturelle Projekte, Initiativen, Gruppen und Szenen aus aller Welt, die mit dem mittels digitaler Technologie gesellschaftliche Initiative ergreifen und soziale Verantwortung beweisen. Sie wendet sich an InitiatorInnen und BetreiberInnen von Communities ebenso wie an die EntwicklerInnen relevanter Technologien und würdigt Beiträge, die der Verbreitung und Etablierung sowie dem Verständnis und der Erforschung von Digital Communities dienen.

Interactive Art + …

… legt den Fokus auf interaktive Arbeiten jeglicher Art und jeglichen Formats – von Installationen über Performances bis hin zu Netzprojekten. Im Vordergrund stehen die künstlerische Qualität in der Entwicklung und Gestaltung der Interaktion sowie ein stimmiger Dialog zwischen der inhaltlichen Ebene und den zum Einsatz kommenden Interaktionsprinzipien und Interfaces. Von besonderem Interesse sind einschlägige Projekte mit einer gesellschaftspolitischen Agenda, Arbeiten, die technologische oder wissenschaftliche Errungenschaften repräsentieren sowie Werke, die den Handlungsspielraum und Wirkungsbereich des Menschen erweitern. Weitere Schlüsselkriterien sind Innovation sowie Einzigartigkeit der eingereichten Arbeiten.
Als Antwort auf die zunehmende Vielfalt der künstlerischen Arbeiten und Methoden wurde dem Titel der Kategorie ein „+“ hinzugefügt, das die Offenheit für neue Experimente und erweiterte Interpretationen interaktiver Kunst zum Ausdruck bringt.

„u19 – CREATE YOUR WORLD“ …

… ist die österreichweit ausgeschriebene Kinder- und Jugendkategorie des Prix Ars Electronica. Eingereicht werden können künstlerische Animationsfilme, Soundkreationen, Websites, Apps, wissenschaftliche Projekte und innovative Ideen für die Zukunft.

Prix Ars Electronica – traditionsreichster Medienkunstwettbewerb weltweit

Seit 1987 ist der Prix Ars Electronica eine interdisziplinäre Plattform für alle, die den Computer als universelles Gestaltungsmedium in ihrer künstlerischen Arbeit an der Schnittstelle zwischen Kunst, Technologie und Gesellschaft einsetzen. Der jährlich ausgeschriebene Wettbewerb umfasst mehrere Kategorien, die stets tausende Einreichungen aus aller Welt verzeichnen. Die besten werden mit der Goldene Nica ausgezeichnet, eine der wichtigsten Auszeichnungen für Kreativität und Pioniergeist im digitalen Medienbereich. Das alljährliche TeilnehmerInnenfeld reicht von weltweit anerkannten KünstlerInnen bis hin zu jungen kreativen Shootingstars.
Der Prix Ars Electronica wird von der Ars Electronica Linz GmbH & Co KG in Zusammenarbeit mit dem OK Offenes Kulturhaus Oberösterreich und dem Brucknerhaus Linz veranstaltet.

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Die Goldenen Nicas / photocredit: tom mesic / Printversion

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Einreichungen ab sofort möglich:
STARTS Prize der Europäischen Kommission

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Einreichen zum STARTS Prize
Website STARTS Prize
Fotoalbum STARTS 2017 / Flickr
Video STARTS Prize

(Linz/Brüssel, 10.1.2018) Ab heute können sich KünstlerInnen, WissenschaftlerInnen, TechnologInnen, Labs, Institutionen und Unternehmen um den diesjährigen STARTS Prize bewerben. Gesucht werden innovative Projekte an der Schnittstelle von Wissenschaft, Technologie und Kunst. Ausgeschrieben wird der STARTS Prize 2018 von Ars Electronica, BOZAR und Waag Society im Auftrag der Europäischen Kommission. Den GewinnerInnen winken die STARTS Trophy, Preisgelder von 20.000 Euro und prominente Auftritte beim Ars Electronica Festival in Linz, beim BOZAR Electronic Arts Festival in Brüssel und bei der Waag Society in Amsterdam. Gesucht und prämiert werden wegweisende Projekte zwischen Wissenschaft, Technologie und Kunst, die zur wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Innovation beitragen. Die Online-Einreichung für den STARTS Prize 2018 startet heute, 10. Januar und endet am 2. März, die Teilnahme ist kostenlos.

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STARTS Trophy / Fotocredit: Peter Verplancke / Printversion

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Members of the project Rock Print: a Manistone / STARTS Prize 2017 – Grand Prize – Innovative Collaboration / Fotocredit: tom mesic / Printversion

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Rock Print: a Manistone / STARTS Prize 2017 – Grand Prize – Innovative Collaboration / Fotocredit: Florian Voggeneder / Printversion

http://www.flickr.com/photos/arselectronica/34065785530/
Etsuko Yakushimaru / STARTS Prize 2017 – Grand Prize – Artistic Exploration / MIRAI records, foto: MIRAI seisaku / Printversion

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Beim Prix Ars Electronica ausgezeichnete JungfilmerInnen zeigen ersten Kinofilm
Premiere für den weltweit ersten stereonarrativen Film im Megaplex in Pasching

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(Linz, 9.1.2018) Eine berührende Geschichte über Demenz feiert am 13.1.2018, 18:00 Uhr, im Hollywood Megaplex in Pasching Premiere. Mittels der beim Ars Electronica Festival 2017 erstmals vorgestellten Technologie der Stereonarrativität können Kino-BesucherInnen den Kurzfilm „merk|würdig“ aus zwei unterschiedlichen Perspektiven erleben. Gestaltet wurde der Film vom jungen Team der Krmpf Krmpf Studios, mittlerweile gute Bekannte von Ars Electronica, die 2006 beim Prix Ars Electronica in der Kategorie u19 – CREATE YOR WORLD mit einer Goldenen Nica für den Clip „Abenteuer-Arbeitsweg“ ausgezeichnet wurden.

Stereonarrativität – unterschiedliches Bild, selber Ton

„Stereonarrativität“ ist der Versuch, 3D Technologie künstlerisch so einzusetzen, dass sie einen unmittelbaren Beitrag zur Erzählweise eines Filmes leistet: Dem Publikum wird dabei das Geschehen aus zwei völlig unterschiedlichen Versionen gezeigt – welchen Perspektive die ZuseherInnen zu sehen bekommen hängt davon ab, welche Brille getragen wird. „Obwohl das Publikum den Film im Kino gemeinsam erlebt und denselben Ton wahrnimmt, kann man visuell zwei Geschichten erzählen. So wird es möglich, die Handlung des Films aus zwei unterschiedlichen Perspektiven zu betrachten. Diese neue Möglichkeit hat uns extrem fasziniert“, fasst Regisseur Alexander Niederklapfer zusammen. Die „Stereonarrativität“ rückt damit nicht zuletzt den Austausch über das Gesehene wieder vermehrt in den Mittelpunkt.

merk|würdig

Anlass für dieses Projekt waren persönliche Erfahrungen der FilmproduzentInnen mit dem Thema Demenz. In dem 25-minütigen Film trifft eine demente Frau namens Margarethe auf ihre junge Enkelin Diana, erkennt diese aber nicht wieder. Während sich eine Perspektive der Welt Margarethes widmet, können andere ZuschauerInnen wiederum Diana‘s Sichtweise verfolgen. In den Hauptrollen zu sehen sind Lena Berenberg-Goßler, Anita Koplinger und der Kabarettist Günther Lainer, bekannt aus der TV-Sendung „Was gibt es Neues?!“, der in die Rolle des leidgeprüften Sohnes von Margarethe schlüpft.

Filmpremiere am 13.1.2018

Die Premiere des Kurzfilms geht am 13. Jänner 2018 um 18:00 Uhr im Hollywood Megaplex in der PlusCity in Pasching über die Bühne. Im Anschluss findet eine Premierenfeier statt. Tickets sind unter tickets@krmpfkrmpf-studios.com verfügbar.

Krmpf Krmpf Studios

Die Krmpf Krmpf Studios sind ein 2003 in Linz gegründetes, nichtkommerzielles Filmstudio. Die Gründungsmitglieder Alexander Niederklapfer, Ehrentraud Hager sowie David und Magdalena Wurm kennen sich seit ihrer Kindheit und arbeiten stets gemeinsam an (Film-) Projekten. Seit 2015 ist Liesa-Marie Wondrascheck als fünftes Kernmitglied mit dabei. Alles begann mit den Arbeiten zu „Abenteuer-Arbeitsweg“, einem Lego-Animationsfilm, der 2006 Premiere feierte und auch gleich beim Prix Ars Electronica, mit einer Goldenen Nica in der Kategorie u19 – CREATE YOUR WORLD, ausgezeichnet wurde. 2008 folgte dann „IOCC – Die Polizei im Rennen gegen die Zeit“, der zweite Stop-Motion-Film der Studios. Mit „Verwohnt“ erschien 2012 der erste Kurzspielfilm. In den folgenden Jahren wirkten die Mitglieder der Studios vor allem an zwei großen Projekten mit – „Ende Mai“ von Maria Schwab sowie „Bootstrapping“ von Elena Zhivun. 2014 begannen die Arbeiten für den Film „merk|würdig“, der nun im Jänner 2018 präsentiert wird.

http://www.flickr.com/photos/arselectronica/24723271147/
merk|würdig / Fotocredit: Krmpf Krmpf Studios / Printversion

Die GewinnerInnen des Prix Ars Electronica 2017

Pressetext: Die GewinnerInnen des Prix Ars Electronica 2017 / PDF
Alle Fotos zum Prix Ars Electronica 2017 / Flickr

(Linz, 22.5.2017) Die PreisträgerInnen des diesjährigen Prix Ars Electronica kommen aus der Demokratischen Republik Kongo/Belgien/Deutschland, aus Kanada, Irland sowie aus Slowenien und Österreich: David OReilly (IE) erhält für seine Animation „Everything“ die Goldene Nica in der Kategorie Computer Animation, Cedrik Fermont (CD/BE/DE) und Dimitri della Faille (BE/CA) dürfen sich für „Not Your World Music: Noise In South East Asia“ über eine Goldene Nica in der Kategorie „Digital Musics“ freuen, die Goldene Nica in der Kategorie Hybrid Art geht an Maja Smrekar (SI)für das Projekt „K-9_topology “. Die Gewinnerin der österreichweit ausgeschriebenen Kategorie „u19 – CREATE YOUR WORLD“ heißt 2017 Lisa Buttinger und kommt aus Schalchen in Oberösterreich.
Insgesamt verzeichnete der Prix Ars Electronica dieses Jahr 3.677 Einreichungen aus 106 Ländern. Die meisten Einreichungen gab es in der Kategorie Computer Animation/Film/VFX (1.157), gefolgt von Hybrid Art (1.063), Digital Musics (792) und der Kategorie u19 – CREATE YOUR WORLD (665). Überreicht werden die Goldenen Nicas im Rahmen der traditionellen Ars Electronica Gala am 8. September 2017 im Linzer Brucknerhaus.

Hybrid Art

Goldene Nica

K-9_topology / Maja Smrekar (SI)
http://majasmrekar.org/

„ K-9 TOPOLGY is a true hybrid artwork with profound bio-political message and is certain to bring a lot of discussion to the audience from both art and science sides.” (Statement der Jury)
Wo kommen wir her? Was sind wir? Und wo gehen wir hin? Maja Smrekars künstlerisches Werk kreist um diese ewigen Fragen der Menschheit. Für ihre Werkreihe “K-9_topology” erhält die slowenische Künstlerin die Goldene Nica in der Kategorie Hybrid Art. “K-9_topology” fasst mehrere Projekte zusammen, die sich aus jeweils anderen Perspektiven mit dem Wesen und der Rolle des Menschen und im speziellen der Frau in einer zunehmend biopolitischen und postpanoptischen Welt befassen. Die Arbeit “Ecce Canis” etwa rückt Prozesse des Stoffwechsel in den Mittelpunkt: Aus dem Gewebshormon und Neurotransmitter Serotonin der Künstlerin und ihrem Hund Byron schufen ChemikerInnen einen Duftstoff, der die chemische Essenz der Beziehung zwischen Menschen und Hund symbolisiert. Die im Rahmen einer Residency in den französischen JACANA Wildlife Studios entstandene Performance “I HUNT NATURE AND CULTURE HUNTS ME” dagegen dreht sich um die Phylogenetik des Wolfs sowie die Beziehung zwischen Wolf, Hund und Mensch und fragt nach einer Tierethik. Das Projekt “Hybrid Family” thematisiert die soziale und ideologische Instrumentalisierung des weiblichen Körpers und des Stillens. Für die Dauer von drei Monaten unterzog sich Maja Smrekar einer milchtreibenden Diät und stimulierte durch das systematische Abpumpen ihrer Brust die Produktion des Hormons Prolactin. Nebeneffekt dieses Prozesses war die Produktion des Hormons Oxytocin, das eine wichtige Rolle hinsichtlich des zwischenmenschlichen Vertrauens und der Empathie zwischen Mutter und Kind spielt. “ARTE_mis” ist das vierte Projekt der Reihe, bei dem eine Eizelle der Künstlerin entkernt wurde und als Wirt für eine Körperzelle ihres Hundes diente. Ergebnis ist eine hybride Zelle, der ein dystopisches Szenario innewohnt, die gleichzeitig aber eine neue Species schaffen könnte, deren Überlebenschancen auf dem Planeten Erde besser sind als unsere – nicht zuletzt deswegen, weil dieses Mischwesen seine Umwelt humaner behandeln würde als wir das tun.

Auszeichnung

The America Project / Paul Vanouse (US)
http://www.paulvanouse.com/ap/

“Vanouse produces the very icon of the melting pot, the US Flag, as the result of a live scientific experiment (…)”. (Statement der Jury)
Im Zentrum der Bio-Art-Installation „America Project“ steht die Idee einer gemeinsamen Identität oder Gesamtheit wie sie einst Teil einer Utopie von Amerika war, in dem das harte Landleben zur Nivellierung aller sozialen Unterschiede und damit zur Gleichberechtigung der Menschen führt. BesucherInnen werden gebeten, ihren Mund mit einer Kochsalzlösung zu spülen und diese dann in einen Napf zu spucken, in dem so die DNA von hunderten Leuten gesammelt wird. Die DNA all dieser unterschiedlichen Menschen wird weder individualisiert noch gespeichert, sondern als Mix verarbeitet. Mittels „DNA Fingerprinting“ entwickelt Paul Vanouse daraus ikonische Bilder von Macht – von Kronen über Kampfflugzeuge bis zu Flaggen – die als Live-Video-Projektionen visualisiert werden.

Auszeichnung

A Study into 21st Century Drone Acoustics / Gonçalo Freiria Cardoso (PT), Ruben Pater (NL)

“The Jury recognized and appreciated the project’s critical stand and goal to spread awareness and contribute to the debate in connection to future technologies and their relation to warfare.” (Statement of the Jury)
http://droneacoustics.org/

Designer Ruben Pater und Komponist Gonçalo Freiria Cardoso widmen sich mit „A Study into 21st Century Drone Acoustics“ der auditiven Dimension von Drohnen. 2016 als Langspielplatte veröffentlicht, enthält die Seite A Tonaufnahmen von 17 verschiedenen Drohnen-Typen – von Spielzeug-Drohnen bis hin zu Drohnen für den militärischen Einsatz. Auf der B-Seite findet sich eine Klangwelt von Gonçalo Freiria Cardoso, die vom Missbrauch und dem destruktiven Potential von Drohnen beeinflusst ist und auf das konzeptionelle Leben und Sterben einer Drohne im 21. Jahrhundert fokussiert.

Digital Musics & Sound Art

Goldene Nica

Not Your World Music: Noise In South East Asia / Cedrik Fermont (CD/BE/DE), Dimitri della Faille (BE/CA)
http://words.hushush.com/
https://syrphe.bandcamp.com/album/not-your-world-music-noise-in-south-east-asia

“(…) an outstanding book and CD compilation project.” (Statement der Jury)
“Not Your World Music: Noise In South East Asia” ist ein Buch über Kunst, Politik, Identität, Gender und globalen Kapitalismus. Und es ist eines der ganz wenigen Werke über Noise und Sound Art, über elektroakustische, experimentelle und Industrial-Musik der Vergangenheit und Gegenwart im südostasiatischen Raum. Das Buch enthält politische, historische und soziologische Aufsätze und Interviews mit KünstlerInnen sowie eine umfangreiche Bibliographie rund um südostasiatische Musik und eine Discographie von Noise- und ExperimentalmusikerInnen. „Not Your World Music: Noise In South East Asia“ versteht sich als ein politischer, antisexistischer und antikolonialer Beitrag zu einem Diskurs über Gesellschaft, soziale Repräsentation, Ungleichheit, Marginalisierung und Kolonialismus.

Auszeichnung

Corpus Nil / Marco Donnarumma (IT/DE)
http://marcodonnarumma.com/works/corpus-nil/

“The striking scenography of the performance deconstructs the body, inviting the audience to witness the birth of a sonically augmented cyborg creature.” (Statement der Jury)
„Corpus Nil“ ist eine Performance, die hybride Formen von Identität und musikalischem Können untersucht. Dreh- und Angelpunkt dabei ist der Körper des Darstellers, der teils nackt, teils schwarz bemalt, einer steten Verwandlung unterworfen ist. Tragbare Biosensoren schicken körperbezogene Daten an eine Software, kleine Mikrophone fangen die Geräusche der Muskeln und inneren Organe, Elektroden jene der Muskelspannungen ein. Ein Maschine wiederum verwendet spezielle Filter, um sowohl eine Beschreibung der Amplituden und Frequenzen aller im Körper des Performers entstandener Sounds als auch ihrer Veränderungen zu generieren. All diese Geräusche werden mittels eines Feedback-Netzwerks aus zwanzig digitalen Oszillatoren zu neuen Klängen geformt. Auf diese Weise entsteht eine Musik, die langsam und rekursiv ist und lediglich aus mikrotonalen Variationen einer geringen Anzahl von Tonhöhen besteht.

Auszeichnung

Gamelan Wizard / Lucas Abela (AU), Wukir Suryadi (ID) und Rully Shabara (ID)

http://dualplover.com/gamelanwizard/

“(…) a skillful piece of interactive design in the public space.” (Statement der Jury)
„Gamelan Wizard“ ist ein Musikinstrument, das wie ein Flipper-Automat aussieht. Bis zu acht Personen können ihre Spielkugeln gleichzeitig über diesen Spieltisch „flippern“, stoßen sie dabei eines der zahlreichen Hindernisse, entstehen Klänge. Ohne es sofort zu bemerken, spielen die BenutzerInnen des „Gamelan Wizard“ kein Pinball- Game, sondern ein Musikinstrument.


Computer Animation / Film / VFX

Goldene Nica

Everything / David OReilly (IE)
http://everything-game.com
https://www.youtube.com/watch?v=HdJk8ROpuEo

“(…) a unique and innovative approach to animation that pushes the boundaries between linear, nonlinear, and interactive experience. (…) also serves a highly educational purpose and includes an important political statement (…)” (Statement der Jury)
Die Goldene Nica in der Kategorie Computer Animation / Film / VFX geht dieses Jahr an “Everything” von David OReilly. Ohne bestimmte Aufgaben, Ziele oder Punktevorgaben können die SpielerInnen in dieser Natursimulation – halb Spiel halb Kunstwerk – alles was sie sehen auch selber spielen. Per Tastendruck verwandeln sich die SpielerInnen vom Einzeller in einen Marienkäfer, Heißluftballon oder eine ganze Galaxie. „Everything“ steht für einen ganz speziellen Trip, der ein Hin- und Hergleiten zwischen Mikro- und Makrokosmos einschließt und die Betrachtung des ganzen Universums aus der Sicht tausender Subjekte wie Objekte erlaubt. Unwillkürlich stellen sich während des Spielens dann auch Gedanken rund um das eigene Dasein ein und nicht nur das – es lassen sich auch die Gedanken vieler Objekte im Spiel lesen, die vom Philosophischen bis zum Absurden reichen. Die Stimme des Erzählers von „Everything“ stammt vom 1973 verstorbenen Philosophen Alan Watts. Everything ist für PC, Mac, Linux und die PS4 erhältlich.

Auszeichnung

Out of Exile / Nonny de la Peña (US), Emblematic Group (US)
https://www.youtube.com/watch?v=TiSKz2Wa9w8

“(…) a visceral experience, and very powerful.” (Statement der Jury)
„Out of Exile“ ist eine eindrucksvolle Parabel auf die Anfeindungen, denen sich viele Lesben, Schwule, Bisexuelle und Transgender-Personen ausgesetzt sehen. Der Clip besteht aus einer Computer-Animation und einer Original-Audioaufnahme, die der Teenager Daniel Ashley Pierce speicherte, als er seiner Familie erstmals von seiner Homosexualität erzählte. „Out of Exile“ konfrontiert die ZuseherInnen mit jener emotional aufgeladenen und gewalttätigen Szene, die auf dieses Coming-Out folgte und der Tatsache, dass Daniel Ashley Pierce am Ende sogar sein Zuhause verlor und auf der Straße leben musste. Zum Schluss erzählen er und andere Jugendliche davon, wie sie ihre Obdachlosigkeit erlebt haben. Dass sie ihr Schicksal dennoch meistern und über ihre Verzweiflung triumphieren konnten, macht am Ende doch noch Hoffnung und Mut, uns selbst treu zu bleiben.

Auszeichnung
Light Barrier 3rd Edition / Mimi Son (KR), Elliot Woods (UK) / Kimchi and Chips
https://vimeo.com/177651793

“With this prize, the jury would like to encourage others to further technologies and ways we create and experience animation.” (Statement der Jury)
Mimi Son und Elliot Woods dürfen sich über eine Auszeichnung in der Kategorie Computer Animation / Film / VFX freuen. Ihre Installation besteht aus acht starken Video-Projektoren, die in insgesamt 630 Unterprojektoren aufgeteilt sind und sich einer Apparatur aus unterschiedlichen Konkavspiegeln bedienen. Zahllose kalibrierte Lichtstrahlen verdichten sich dabei zu einem Nebel und lassen Formen entstehen. 40 Audio-Kanäle bilden gleichzeitig ein Klangfeld, das die Sinne des Publikums zusätzlich anspricht. „Light Barrier 3rd Edition“ erzeugt einen surrealen Eindruck, der das menschliche Gefühl für Zeit und Raum sprengt.

u19 – CREATE YOUR WORLD

Goldene Nica

nonvisual-art / Lisa Buttinger (AT)

“(…) hat ein neues Medium entwickelt, eine neue Materialität, die KünstlerInnen anwenden können, um Bilder umzusetzen.“ (Statement der Jury)
„nonvisual-art“ ist ein Bild, das sichtbar und unsichtbar zugleich ist. Mittels Zellophan-Folien und in Kleber festgesetzten Luftbläschen wird das einfallende Licht kunstvoll gebrochen. Naturwissenschaft wird dabei zum bildnerischen Werkzeug: Zunächst unsichtbares Licht wird per Polarisationsfilter in sichtbare Farben zerlegt und anschließend zu einem Bild geformt. Durch eine 3D-Brille betrachtet wird das Bild sogar zum Raum. Lisa Buttinger hat diese „Zauberwelt“ Stück für Stück akribisch zusammengebaut. Entstanden ist „nonvisual-art“ als Gestaltungsprojekt an der HBLA für Künstlerische Gestaltung Linz, die theoretischen Kenntnisse eignete sich Lisa Buttinger im Rahmen ihrer Diplomarbeit an.

Auszeichnung
LARES – A Puzzle Action Adventure Game / Florian Buger, Sonja Futterknecht, Maria Raser, David Holy, Mario Kerndler (alle AT)

„(…) Videospiel, das in dieser Form unverändert auf den Markt gebracht werden könnte. (…) ziemlich anspruchsvolles Gameplay.“ (Statement der Jury)
LARES ist ein Action Adventure Computerspiel und in einer Fantasy-Welt angesiedelt. Durch seine einfache Handhabung, zahlreichen Puzzle-Elemente, herausfordernde Gegner und unterschiedlich gestalteten Levels ist ein ebenso abwechslungsreiches wie lang anhaltendes Spielerlebnis garantiert. LARES ist ein gemeinsames Projekt mehrerer DiplomandInnen, die dabei ihre jeweiligen Kompetenzen einbrachten.
Auszeichnung

NERVE – Lessons on Demand / Clemens Großberger, Thomas Übellacker (alle AT)
http://nerve.education

„(…) eine spannende Idee für ein konkretes Problem und Thema.“ (Statement der Jury)
Mit „NERVE – Lessons on Demand“ haben Clemens Großberger und Thomas Übelacker eine zeitgemäße Bildungs-Webplattform entwickelt. Das Ziel: Verpasste Unterrichtsstunden können im Nachhinein online angesehen und nachgeholt werden. Die Einheiten werden übersichtlich strukturiert dargestellt und können von den LehrerInnen mit weiterführenden Lernmaterialien versehen werden. Den SchuladministratorInnen wird zudem eine übersichtliche und benutzerInnenfreundliche Oberfläche geboten, um NERVE für die jeweilige Schule eigens konfigurieren zu können.

Sachpreis u14

PSE-Lernspiele / Arian Hoseini, Sasan Hoseini (alle AT)

Das spielerische Kennenlernen und schrittweise Erarbeiten des Periodensystems mittels Karten, Würfel, Atommodellen und anderen Spielideen, steht im Mittelpunkt der Lernspiele von Arian und Sasan Hoseini. Alle ihre Spiele sind Open Source und stehen sowohl für LehrerInnen zur Gestaltung des Unterrichts, als auch für SchülerInnen zum eigenständigen Lernen zum freien, kostenlosen Download zur Verfügung.

Sachpreis u10

Ninja Training / Jonathan Wimmer (AT)

Jonathan Wimmers „Ninja Training“ ist ein Stop-Motion-Film, der mit dem Sachpreis u10 ausgezeichnet. Mittels Legosteinen und -figuren, iPad und Stop-Motion-Software erstellte Jonathan Wimmer einen 2 Minuten und 30 Sekunden langen Trickfilm, der aus 700 Einzelbildern besteht und auf humorvolle Weise die Ausbildung eines jungen, überaus höflichen Ninja-Anwärters zeigt.

netidee SPECIAL PRIZE 2017

Big Poop Data / Robert Miller, Nico Rameder, Daniel Wetzelhütter, Max Wolschlager (alle AT)

https://bigpoopdata.com/

„(…) satirischer Zugang zum Thema Privacy im Internet sowie saubere technische Umsetzung.“ (Statement der Jury)
Die Toilette des Wiener Metalab ist Brennpunkt des Projekts „Big Poop Data“. Robert Miller, Nico Rameder, Daniel Wetzelhütter und Max Wolschlager haben das „stille Örtchen“ mit zahlreichen Sensoren versehen und auf diese Weise Informationen rund um den Verbrauch von Klopapier und Wasser bis zur durchschnittlichen Verweildauer der ToilettenbenutzerInnen gesammelt. „Big Poop Data“ versteht sich als kritischer Kommentar zur um sich greifenden Sammelwut hinsichtlich digitaler Daten und Plädoyer für den Schutz unserer digitalen Privatsphäre.

http://www.flickr.com/photos/arselectronica/34632198042/
K-9_topology – Maja Smrekar / Fotocredit: BORUT PETERLIN / Printversion / Album

http://www.flickr.com/photos/arselectronica/34754135276/
Everything / David OReilly / Fotocredit: David OReilly / Printversion / Album

http://www.flickr.com/photos/arselectronica/34795362775/
Not Your World Music: Noise in South East Asia, Book & CD – Cedrik Fermont, Dimitri della Faille / Fotocredit: Dimitri della Faille / Printversion / Album

http://www.flickr.com/photos/arselectronica/33952507544/
nonvisual-art – Lisa Buttinger / Fotocredit: Ars Electronica – Martin Hieslmair / Printversion / Album


Corpus Nil / Marco Donnarumma


Gamelan Wizard / Lucas Abela, Wukir Suryadi, Rully Shabara


Light Barrier 3rd Edition – Mimi Son, Elliot Woods / Kimchi and Chips

Prix Ars Electronica 2017:
Medienkunstwettbewerb startet heute – Einreichungen bis 3. März möglich

Pressetext Prix Ars Electronica 2017 / PDF
Prix Ars Electronica
Online-Einreichung Prix Ars Electronica
Fotoalbum Prix Ars Electronica 2017 / Flickr

(Linz, 16.1.2017) Heute startet der Prix Ars Electronica 2017. Bis einschließlich 3. März können Projekte in den Wettbewerbskategorien „Computer Animation/Film/VFX“, „Digital Musics & Sound Art“, „Hybrid Art“ und „u19 – CREATE YOUR WORLD“ eingereicht werden. Den GewinnerInnen winken die begehrten Goldenen Nicas, Preisgelder von bis zu 10.000 Euro je Kategorie und ein prominenter Auftritt beim diesjährigen Ars Electronica Festival in Linz. Dank seiner Kontinuität, seiner internationalen Reichweite und der hohen Expertise seiner Jury zählt der Prix Ars Electronica zu den wichtigsten Medienkunstwettbewerben weltweit.

Vier Wettbewerbskategorien

„Computer Animation / Film / VFX“ rückt herausragende Leistungen in unabhängigen Kunst- und Wissenschaftswerken ebenso wie in kommerziellen High-End-Produktionen der Film-, Werbe- und Unterhaltungsindustrie ins Rampenlicht. Künstlerische Originalität zählt dabei genauso viel wie exzellente technische Leistung.

„Digital Musics & Sound Art“ widmet sich zeitgenössischen digitale Klangproduktionen aus dem breiten Spektrum des „Electronica“. Es geht um Werke, die Klang und Medien kombinieren, Computer-Kompositionen, die von elektro-akustisch bis experimentell reichen, sowie Klanginstallationen. Gleich welche Medien oder Genres dabei zum Einsatz kommen, bei den Arbeiten im Vordergrund steht die musikalische und klangkünstlerische Qualität.

„Hybrid Art“ legt den Fokus auf hybride und transdisziplinäre Medienkunstprojekte. Gefragt sind die Verbindung unterschiedlicher Medien und Genres zu neuen künstlerischen Ausdrucksformen sowie das Überschreiten der Grenzen von Kunst zu Forschung, zu sozialem und politischem Engagement, aber auch popkulturellen Bereichen. „Hybrid Art“ kann und soll den Rahmen aller anderen Prix-Kategorien sprengen.

„u19 – CREATE YOUR WORLD“ ist die österreichweit ausgeschriebene Kinder- und Jugendkategorie rund um die Welt von Morgen. Hier können künstlerische Animationsfilme, Soundkreationen, Websites, Apps, wissenschaftliche Projekte und innovative Ideen eingereicht werden.

Trendbarometer der Medienkunst: der Prix Ars Electronica

1987 initiiert, ist der Prix Ars Electronica eine interdisziplinäre Plattform für alle, die den Computer als universelles Gestaltungsmedium in ihrer künstlerischen Arbeit an der Schnittstelle zwischen Kunst, Technologie und Gesellschaft einsetzen. Der alljährlich durchgeführte Wettbewerb wird in mehreren Kategorien ausgeschrieben, die stets mehrere tausend Einreichungen aus aller Welt verzeichnen. Die besten darunter werden mit einer Goldene Nica ausgezeichnet, die zu den wichtigsten Auszeichnungen für Kreativität und Pioniergeist im digitalen Medienbereich zählt. Das breite TeilnehmerInnenfeld reicht deshalb von international anerkannten KünstlerInnen (Karlheinz Stockhausen, Roy Ascott, Lynn Hershman, Toshio Iwai / Ryuichi Sakamoto, Chris Cunningham / Aphex Twin) über Oscar-Preisträger (John Lasseter, Chris Landreth) bis hin zu jungen kreativen Pioniergeistern (Graffiti Research Lab). Der Prix Ars Electronica wird gemeinsam von der Ars Electronica Linz GmbH und dem ORF Oberösterreich in Zusammenarbeit mit dem OK Offenes Kulturhaus Oberösterreich und dem Brucknerhaus Linz veranstaltet.

http://www.flickr.com/photos/arselectronica/14968276997/

Die Goldenen Nicas / Fotocredit: Florian Voggeneder / Printversion

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Logo des Prix Ars Electronica 2017 / Fotocredit: Ars Electronica / Printversion

Science, Technology & Arts – STARTS:
Im Auftrag der Europäischen Kommission schreiben Ars Electronica, BOZAR und Waag Society den STARTS-Prize 2017 aus

Pressetext STARTS-Prize 2017 / PDF
Online-Einreichung STARTS-Prize 2017
Fotoalbum STARTS-Prize 2016 / Flickr
Interview zum STARTS-Prize mit Gerfried Stocker und Veronika Liebl

(Linz/Brüssel, 11.1.2017) Ab heute können sich KünstlerInnen, WissenschaftlerInnen, TechnologInnen, Teams, Kollektive und Unternehmen um den diesjährigen STARTS-Prize der Europäischen Kommission bewerben. Gesucht und prämiert werden Projekte, die die Zusammenarbeit von Wissenschaft, Technologie und Kunst erfolgreich proben und das Potential haben, zur wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Innovation beizutragen. Den GewinnerInnen winken Preisgelder von 20.000 Euro und prominente Auftritte beim Ars Electronica Festival in Linz sowie am Brüsseler BOZAR Electronic Arts Festival und bei der Amsterdamer Waag Society. Prämiert werden die Siegerprojekte am 10. April von einer internationalen Jury, erstmals öffentlich vorgestellt werden sie im Rahmen eines Pressegesprächs Anfang Mai. Die offizielle Preisverleihung findet am 8. September bei der großen Prix Ars Electronica Gala in Linz statt. Die Online-Einreichung für den STARTS-Prize 2017 startet heute, 11. Jänner und endet am 4. März, die Teilnahme ist kostenlos.

STARTS-Prize: mehr Innovation für Europa

Mit dem STARTS-Prize rückt die Europäische Kommission Menschen und Projekte ins Rampenlicht, die dazu beitragen, Europas soziale, ökologische und ökonomische Herausforderungen meistern zu können. Wesentliche Impulse dafür sollen vor allem aus dem Schnittfeld von Science, Technologie und Arts – kurz STARTS – kommen. In Form zweier Kategorien fokussiert der prestigeträchtige Wettbewerb einerseits künstlerische Arbeiten, die unseren Blick auf Technologie beeinflussen sowie andererseits zukunftsweisende Kooperationen zwischen Industrie und Kunst und Kultur. In jeder dieser beiden Kategorien wird ein Gewinnerprojekt ausgewählt und mit 20.000 Euro unterstützt. Präsentiert werden die Projekte schließlich beim Ars Electronica Festival in Linz, am BOZAR Electronic Arts Festival in Brüssel und bei der Waag Society in Amsterdam.

Ars Electronica meets STARTS

Seit 1979 forscht die Linzer Ars Electronica zu den vielschichtigen Auswirkungen der Digitalisierung und Vernetzung unserer Welt. Kunst, Technologie und Gesellschaft werden dabei nie allein, sondern stets zusammengedacht. Die künstlerische Reflexion brisanter Entwicklungen, das Fragen nach alternativen Zukunftsszenarien und den dafür nötigen Rahmenbedingungen, Strategien und Personen sowie die Aufforderung sich aktiv an der Gestaltung unserer Zukunft zu beteiligen, machen Ars Electronica zum idealen Partner des STARTS-Programms. Nachdem Ars Electronica bereits den STARTS-Prize 2016 sehr erfolgreich durchgeführte, wurde die Linzer Medienkunstplattform von Europäischen Kommission auch mit der Ausschreibung und Umsetzung des STARTS-Prize für die Jahre 2017 bis 2020 beauftragt.

http://www.flickr.com/photos/arselectronica/28534905014/

STARTS-Prize Trophy / Fotocredit: Peter Verplancke / Printversion / Album

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Artificial Skins & Bones Group – Winners of the STARTS-Prize 2016 / Fotocredit: tom mesic / Printversion / Album

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Visible Strength / Lisa Stohn and Jhu-Ting Yang of the Artificial Skins and Bones Group / Fotocredit: Bernardo Aviles-Busch / Prinversion / Album

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Iris van Herpen – Winner of the STARTS-Prize 2016 / Fotocredit: tom mesic / Printversion / Album

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Close-Up of Magnetic Motion Collection by Iris van Herpen / Fotocredit: Morgan O’Donovan / Printversion / Album

Prix Ars Electronica 2016:

Von Emails an die NSA über ein Entscheidungsspiel bis zur Pionierin der Medienkunst – das sind die Goldenen Nicas 2016

Pressetext Prix Ars Electronica 2016 / PDF

(Linz, 10.5.2016) 2016 gehen die Goldenen Nicas des Prix Ars Electronica an KünstlerInnen aus Frankreich, der Schweiz, den Niederlanden, Österreich und Großbritannien: Boris Labbé (FR) erhält die Goldene Nica in der Kategorie Computer Animation/Film/VFX, Christoph Wachter und Mathias Jud (beide CH) dürfen sich über die Goldene Nica in der Kategorie Interactive Art + freuen, die P2P Foundation bekommt die Goldene Nica in der Kategorie Digital Communities, der 17-jährige Jonas Bodingbauer (AT) aus Linz gewinnt in der Kategorie u19 – CREATE YOUR WORLD und die profilierte Kunstkritikerin und Ausstellungsmacherin Jasia Reichardt (UK) wird mit einer Goldene Nica als „Visionary Pioneer of Media Art“ ausgezeichnet. Insgesamt zählte der Prix Ars Electronica heuer 3.159 Einreichungen aus 84 Ländern. Die meisten Einreichungen verzeichnete die Wettbewerbskategorie Computer Animation/Film/VFX (1.327 Einreichungen), gefolgt von Interactive Art + (896 Einreichungen), u19 – CREATE YOUR WORLD (637 Einreichungen) und der Kategorie Digital Communities (299 Einreichungen). Offiziell überreicht werden die Goldenen Nicas im Rahmen der traditionellen Ars Electronica Gala am 9. September 2016.

Computer Animation, Film, VFX

Goldene Nica

RHIZOME / Boris Labbé (FR)

http://www.borislabbe.com/

„Rhizome is a very complex and complete piece of artwork, blending complementary techniques in a post-digital painting-like visual poem.“ (Statement der Jury)

Die Goldene Nica in der Kategorie Computer Animation, Film, VFX geht heuer nach Frankreich: In seiner in Schwarz-Weiß gehaltenen Animation kreiert Boris Labbé ein sich ständig veränderndes Universum von dynamischen Figuren. Letzte muten wie kleine grazile geometrische Skulpturen an, deren Gestalt und Struktur sich permanent verändern, die sich aneinanderreihen und dabei schier endlose Ketten bilden. Je mehr dieser Wesen auftauchen, desto größer wird auch der Abstand zum Betrachter, der schließlich in einen vermeintlich unendlichen Raum voller mikroskopisch kleiner Wesen blickt. Im Zentrum dieses Kosmos befindet sich ein Wirbelsturm, der alle Wesen ansaugt und in die Höhe zieht.

Auszeichnung

Peripheria / David Coquard Dassault (FR)

http://coquarddassault.tumblr.com

„This work has been awarded for its own subtle but strong way of storytelling, cinematography, artistic direction and technical achievement which are extremely successful in every level and angle.“ (Statement der Jury)

David Coquard Dassaults dystopische Animation zeigt eine riesige, verlassene Hochhaussiedlung. Aus dem Off sind Kinderstimmen und einzelne Wortfetzen zu hören, im Bild ist ein Rudel streunender Hunde zu sehen, die das ehemals von Menschen besiedelte Gebiet zu ihrem Revier gemacht haben. Doch auch sie erwartet in dieser Umgebung keine rosige Zukunft: Türen fallen zu und versperren den Hunden ihren Rückweg, wieder andere Hunde darben gefangen in leeren Swimmingpools ihrem sicheren Hungertod entgegen. Plötzlich nimmt die Geschichte aber eine unerwartete Wendung und lässt das Geschehen in völlig neuem Licht erscheinen.

Auszeichung

Nosaj Thing / Cold Stares ft. Chance The Rapper + The O’My’s / Daito Manabe (JP), MIKIKO (JP), TAKCOM (JP), ELEVENPLAY (JP), Rhizomatiks Research (JP)

http://www.rzm-research.com/works/nosajthing_coldstares

„An outstanding music video that introduces innovative technologies from 3D scanning, motion capture and drone controlling, adding a layer of sensitive notion with live recorded choreography and augmented reality. Japanese artist Daito Manabe and his creative collective has come up with a complex artistic concept that introduces the switch between the real and the virtual, blurring the line between human and machine interaction and data analyzation.“ (Statement der Jury)

Das Musik-Video Cold Stares ist ein beeidruckendes Wechselspiel von Realität und Illusion. Das Video thematisiert die Suche nach dem Sinn des Lebens und persönlichen Erinnerungen. Zu sehen sind zwei Tänzerinnen, einmal als Akteurinnen in der realen Welt und dann wieder als computergenerierte Figuren in einer abstrakten Umgebung.

Interactive Art +

Goldene Nica

„Can you hear me?“ / Christoph Wachter & Mathias Jud (beide CH)

„Can you hear me? is a powerful and playful act that engages in questions challenging who gets access to information and data, privacy and the state of surveillance. It is a testament to the importance of artists who use the medium of interaction in a way that allows them to leave the traditional space for artistic discourse and occupy the space for dialogue currently used by a system of governance known for overriding basic rights of the democratic society – personal privacy and freedom of speech.“ (Statement der Jury)

Edward Snowdens Enthüllungen ließen Berlins Regierungsviertel als einer jener Spots in den Blickpunkt der Öffentlichkeit geraten, die von Geheimdiensten lückenlos überwacht und ausspioniert werden. Genau hier wollten Christoph Wachter und Mathias Jud deshalb auch mit einer temporären Installation nach Macht und Machtlosigkeit im digitalen Zeitalter fragen. Auf dem Dach der Akademie der Künste, also genau zwischen den Horchposten der Amerikanischen und Britischen Botschaft, brachten sie improvisierte Antennen an und installierten ein unabhängiges Wifi-Kommunikations-Netzwerk, das über den Reichstag und das Kanzleramt bis zur Schweizer Botschaft reichte. Jeder und Jede konnte mittels einem eigenen Wifi-fähigem Gerät Teil des Netzwerks werden, chatten, Text-Nachrichten senden und File-Sharing betreiben. Auch die Angestellten der Botschaften und des Regierungszentrums wurden eingeladen, mitzumachen. Wer wollte, konnte zudem auf genau den Frequenzen, die von der amerikanischen NSA und dem britischen GCHQ abgehört wurden, Nachrichten an die Geheimdienste schicken. Anstelle des geheimen Abhörens entstand so eine kollektive Konversations-Sphäre, in der alle dieselben Rechte hatten. 33 Tage lang wurde dieses anonyme und unabhängige Netzwerk von tausenden Menschen genutzt und wurden mehr als 15.000 Nachrichten an NSA und GCHQ übermittelt. Es wurden sogar geheime Informationen einer parlamentarischen Untersuchungskommission über das Netzwerk übermittelt, die schließlich auf Wikileaks landeten.

Auszeichnung

OpenSurgery – a do-it-yourself surgery robot for domestic laparoscopy / Frank Kolkman (NL)

„[…] Frank Kolkman’s surgical robot presents a potentially accessible and cost-effective alternative to the expensive professional healthcare services, particularly relevant to the public in the US where the gap between those who can afford health insurance and those who cannot is rapidly widening. But more significantly, this critical and conceptual work, which creates new conditions for interaction within the highly regulated and controlled sector of health care, raises important questions about inequality, ethics and the lack of access to essential health services for a growing number of people around the world.“ (Statement der Jury)

Mit seiner „OpenSurgery Initiative“ geht Frank Kolkman der Frage nach, ob sich chirurgische Do-It-Yourself-Werkzeuge als Alternative zu den oft zu teuren Gesundheitsdiensten eignen. Seine Idee fußt auf der großen Anzahl von Youtube-Videos, in denen sich US-AmerikanerInnen ohne Krankenversicherung selbst verarzten. Frank Kolkman hat ein chirurgisches System für den Hausgebrauch entworfen, dessen Komponenten allesamt im Internet bestellt und zuhause zusammengebaut werden können. Mit seiner „OpenSurgery Initiative“ will Frank Kolkman weniger einen voll funktionsfähigen Operationsroboter schaffen als vielmehr eine Diskussion über das Spannungsverhältnis zwischen sozioökonomischen Aspekten und ethischen Werten im Bereich der Medizinischen Versorgung anstoßen.

Auszeichnung

Parasitic Symbiotic / Ann-Katrin Krenz (DE)

„The milling machine, as a technological intervention, appears to invade the tree, much like the often aggressive intervention that humans perpetrate on nature. At the same time, this parasitic machine encodes marks derived from a poem about unity and oneness – a non disturbing act of love – that becomes integrated in nature.“ (Statement der Jury)

In einem immer größeren Ausmaß scheint sich die Technologisierung unserer Welt auf Kosten der Natur zu vollziehen. Mit „Parasitic / Symbiotic“ widmet sich Ann-Katrin Krenz genau diesem Spannungsverhältnis. Sie bringt Fräsen an den Stämmen von Bäumen an und lässt sie einen codierten Text – ein romantisches Gedicht rund um das Eins-Werden mit der Natur – in die Rinde ritzen. Wie Parasiten kleben die technischen Gerätschaften an den Bäumen und fügen ihnen auch Schaden zu – wenngleich in einer derart moderaten Form, dass es den Baum nicht ernstlich bedroht. Gleichzeitig lässt dieser – parasitische – Eingriff etwas Neues entstehen, das durch die – symbiotische – Verbindung von Technik und Natur eine ganz eigene Ästhetik entfaltet.

Digital Communities

Goldene Nica

P2P Foundation

http://wiki.p2pfoundation.net/Main_Page

„P2P Foundation“ is a new generation of communities that help to build communities. It is dedicated to advocacy and research of peer to peer dynamics in society. Established ten years ago, it evolved into one of the main drivers of the ‚commons transition‘.” (Statement der Jury)

Die 2005 von Michel Bauwens initiierte Digital Community widmet sich dem gesellschaftlichen Potential von Peer-to-Peer-Technologien. Als dezentrale und selbstorganisierte Non-Profit-Organisation analysiert, dokumentiert und promotet Peer-to-Peer-Strategien, die geeignet erscheinen, den Herausforderungen und Problemen unserer Zeit auf eine zukunftsfähige Weise zu begegnen. Im Mittelpunkt steht dabei das Verbinden von Nachhaltigkeit, Offenheit sowie Solidarität. Seit dem Launch 2006 hat die Community der „P2P Foundation“ mehr als 30.000 Einträge erstellt, die die Entwicklung und Geschichte der Peer-to-Peer-Bewegung dokumentieren. Einer der allerersten Artikel über die Kryptowährung Bitcoin wurde etwa auf der Website der „P2P Foundation“ veröffentlicht. Seit dem Launch im Jahr 2006 wurde die „P2P Foudation Wiki“ mehr als 27 Millionen Mal aufgerufen und ist damit jene Plattform, die weltweit das meiste Wissen über P2P bündelt.

Auszeichnung

Refugee Phrasebook

http://www.refugeephrasebook.de/

„Refugee Phrasebook is an open collaborative project to provide important vocabulary to refugees, helpers, and citizens. Together with a global network of volunteer translators, editors, designers, printers, publishers, lawyers, doctors, etc. and with partner institutions in Germany, Greece and the Netherlands, Refugee Phrasebook develops sustainable communication tools to share useful phrases, icons, links and important information.“ (Statement der Jury)

„Refugee Phrasebook“ ist ein offenes Gemeinschaftsprojekt für Flüchtlinge, HelferInnen und Interessierte weltweit. Das Buch ist eine Sammlung relevanter Informationen zu verschiedenen Aktivitäten, Behördengänge und Besorgungen im täglichen Leben. Auf lokale Bedürfnisse und Besonderheiten hin angepasst und mit freien Lizenzen vertrieben, will das „Refugee Phrasebook“ die Kommunikation zwischen Flüchtlingen und HelferInnen fördern. Am Projekt beteiligt sind freiwillige ÜbersetzerInnen, GrafikerInnen, ÄrztInnen, VerlegerInnen, RechtsanwältInnen und LektorInnen sowie verschiedene Institutionen in Deutschland, Griechenland und den Niederlanden.

Auszeichnung

SAZAE bot

https://twitter.com/sazae_f

„Is it a crowd that acts as their collective self that is intelligent, or is it the machine that acts like a human? The SAZAE bot asks us questions of the boundary of self and others, and the collective consciousness of a community. SAZAE bot even did a TED talk!“ (Statement der Jury)

Ein Bot – Kurzform für „Robot“ – ist ein Computerprogramm, das bestimmte, sich stets wiederholende Aufgaben automatisch abarbeitet, ohne dabei auf einen menschlichen User angewiesen zu sein. Der „SAZAE bot“ ist so ein Computerprogramm. Der Bot ging im Sommer 2010 online und ist seither auf Twitter aktiv. Er präsentiert sich als Parodie, der in Japan äußerst populären Mangafigur SAZAE-San (Hauptprotagonist der gleichnamigen Manga-Serie, die seit 5. Oktober 1969 ohne Unterbrechung im Japanischen TV gezeigt wird und den Guinness World Rekord für die am längsten laufende TV-Serie der Welt hält). Der „SAZAE-bot“ reagiert auf Tweets und Retweets und ist bei seinen Followern vor allem seiner Witze wegen beliebt. 2014 wurde schließlich Hitoyo Nakano „geboren“ und der anonyme menschliche User hinter dem „SAZAE-bot“ mit einer vermeintlichen Identität versehen. Der „SAZAE-bot“ wird seither via Google-Forum gesteuert, in dem jede und jeder völlig anonym als „SAZAE-bot“ Tweets posten kann. Ausgetauscht werden auf diese Weise nicht nur Meinungen und Witze, man verabredet sich durchaus auch zu Treffen und Aktionen in der realen Welt – sei es zur Verteilung von Süßigkeiten rund um Weihnacht, zu Luftballonstarts, für Guerilla-Aktionen, dem Ted-Talk oder einem Auftritt bei der Berliner UN|COMMONS-Konferenz.

u19 – CREATE YOUR WORLD

Goldene Nica

Die Entscheidung / Jonas Bodingbauer (AT)

http://jonasbodingbauer.jimdo.com

„Die Entscheidung ist eine Referenz auf das Milgram-Experiment und ein kritischer Kommentar zum blinden Befolgen von Regeln. Jonas Bodingbauer übt damit einerseits Kritik daran, wie viele Videospiele funktionieren und was sie mit den SpielerInnen machen, aber diese Kritik lässt sich auch auf alle anderen Lebensbereiche übertragen. Nicht nur die Beschäftigung mit dieser ernsthaften Thematik, sondern auch die originelle Umsetzung des Spielprinzips zeichnen Die Entscheidung aus: als spannendes Videospiel, das dem zeitgemäßen Stand des Mediums entspricht, aber vor allem als gekonnte Verknüpfung all dessen, wofür der Prix Ars Electronica steht.“ (Statement der Jury)

Die Goldene Nica in der Kategorie u19 – CREATE YOUR WORLD geht 2016 nach Linz. Jonas Bodingbauer, 17 Jahre alt, entwickelte das Spiel „Die Entscheidung“. Zwei SpielerInnen treten dabei gegeneinander an: Eine Person widmet sich dem Leben eines an Krebs erkrankten Menschen, die andere Person kümmert sich um einen Tumor und sorgt mittels gesammelter Credits für dessen Wachstum. Erst im Verlauf des Spiels erfährt der Tumor-Spieler, dass der an Krebs erkrankte Patient gute Heilungschancen hätte, wenn sich die Krankheit – sprich der Tumor – nicht weiterentwickeln würde. Abhängig davon, wie sich der Tumor-Spieler nun entscheidet, überlebt der Patient – oder stirbt. Inspiriert vom berühmten Milgram-Experiment versteht Jonas Bodingbauer sein Spiel nicht zuletzt als Kritik an vielen Computerspielen, deren Ziel im Töten von virtuellen Personen oder der Vernichtung ganzer Staaten ist.

Auszeichnung

Blackout / Jasmin Selen Heinz, Tanja Josic, Emily Poulter (alle AT)

https://vimeo.com/130924820

„Blackout bietet etwas, was bei jungen Menschen heute angeblich so gar nicht mehr Thema ist: nämlich eine große Portion „Gesellschaftskritik“, die dem Publikum hier allerdings mit spielerischer Leichtigkeit serviert wird. […] Im Zusammenspiel von atmosphärisch dichten Bildern, interessanten Spezialeffekten, Musik und selbst gesprochenen Statements entsteht ein assoziativer Sog, der diese Arbeit auszeichnet.“ (Statement der Jury)

Für ihren gesellschaftskritischen Experimentalfilm Blackout wurden heuer Jasmin Selen Heinz, Tanja Josic und Emily Poulter aus Wien, mit einer Auszeichnung bedacht. In beeindruckenden Bildern fragt der Film nach dem Sinn des Lebens und zeichnet das Bild einer Welt, in der kein Platz mehr für Individualität gegeben ist, sondern nur noch perfekte Körper gefragt sind und das „Funktionieren“ des Menschen an oberster Stelle steht.

Auszeichnung

Flucht / Dimitri Teufl (AT)

„Eines der wesentlichen Merkmale von Kunst ist die Veränderung von ‚etwas‘ in ‚etwas anderes‘, um uns die Welt ein bisschen begreiflicher zu machen. Dimitri Teufl gelingt dieses Kunststück auf eindrucksvolle Weise. Aus Legosteinen schafft er ein Modell unserer Gegenwart, indem er die Geschichte einer syrischen Familie erzählt, die vor dem Krieg nach Europa flieht und dort Hilfe und Asyl findet. Dimitri Teufl verwandelt Spielzeug in ‚Ernstzeug‘ und entwickelt damit gleichzeitig eine Utopie.“ (Statement der Jury)

„Flucht“ ist ein mit Lego-Figuren und Stop-Motion-Technik erstellter Film des 13-jährigen Dimitri Teufl aus Salzburg. Der rund sechs-minütige Film besteht aus insgesamt 2592 Einzelaufnahmen und zeigt das Leben einer Familie, die aus ihrer Heimat flüchten muss und nach einer ereignisreichen Reise per Schlepperboot schließlich in Österreich ankommt, wo sie freundlich aufgenommen wird. Mehr als 55 Stunden arbeitete Dimitri Teufl an seinem Film – der Lohn: eine Auszeichnung in der Prix-Kategorie u19 – CREATE YOUR WORLD.

Sonderpreis netidee

kameleon.ws / Ulrich Formann, Kilian Hanappi und Simon Wesp (alle AT)

http://www.kameleon.ws

„Kameleon, das GewinnerInnen-Projekt des diesjährigen netidee-Spezialpreises, überzeugt mit einer interessanten Designidee. Die Projektgruppe liefert, indem sie tagesaktuelle „News“ auf T-Shirts bringt, eine greifbare Antwort auf die Frage „Wie kommt das Neue in die Welt?“ (Statement der Jury)

Im Rahmen des diesjährigen Prix Ars Electronica wurde erstmals auch der Spezialpreis „netidee“ vergeben. Mit dem Preis werden Arbeiten gewürdigt, die sich auf innovative Weise mit dem Internet der Zukunft auseinandersetzen oder das Internet als Impulsgeber zur regionalen Entwicklungen nutzen. „netidee“ ist eine Förderplattform der Internet Foundation Austria. 2016 geht der Preis an „kameleon“, ein Projekt der drei Wiener Schüler Ulrich Formann, Kilian Hanappi und Simon Wesp. Sie haben einen völlig autonom funktionierenden Webshop entwickelt, über den T-Shirts mit individuellem Aufdruck erworben werden können. Die Motive werden von einem lernfähigen Computerprogramm generiert und basieren auf Daten des aktuellen Tagesgeschehens. Nach dem Kauf eines T-Shirts wird ein neues Design erstellt, das vorherige hingegen ist ab diesem Zeitpunkt nicht mehr verfügbar. Dank des Generative Designs stellt jedes Kleidungsstück ein Unikat dar, das seine eigene Geschichte erzählt. Neben der Verwendung von nachhaltig produzierten Stoffen setzt die On-Demand-Produktion auch ein Zeichen gegen die im Überfluss produzierte Stangenware. Am 15. Juni 2016 wird der Webshop von Ulrich Formann, Kilian Hanappi und Simon Wesp gelauncht.

Visionary Pioneer of Media Art / Goldene Nica

Jasia Reichardt (PL/UK)

Als Visionary Pioneer of Media Art wird heuer die profilierte Kunstkritikerin und Ausstellungsmacherin Jasia Reichardt ausgezeichnet. Ihr wegweisendes Werk und ihre zahlreichen Verdienste um die Medienkunst werden damit in Form einer Goldenen Nica gewürdigt. Untrennbar verbunden ist der Name Jasia Reichardt vor allem mit einer bahnbrechenden Ausstellung, die 1968 am Londoner Institute of Contemporary Arts und danach in der Corcoran Gallery of Art in Washington, D.C. sowie im Exploratorium in San Francisco gezeigt wurde. „Cybernetic Serendipity“ lautete der Titel dieser aufsehenerregenden Schau, die an Stelle von Menschen plötzlich Computer, Maschinen und Algorithmen als „Künstler“ in Szene setze. Die verblüfften BesucherInnen konnten in ein Mikrophon singen und damit einen Computer zu einem Musikstück inspirieren, ein hydraulisches Ohr beobachten, das sich jeder neuen Geräuschquelle im Ausstellungsraum zuwandte, einer Drawing Machine beim Malen eindrucksvoller Bilder zusehen, kybernetische Skulpturen bewundern, die durch blaues Licht aktiviert und durch rotes Licht deaktiviert wurden oder miterleben, wie das Bild eines herkömmlichen TV-Geräts mithilfe von Magneten manipuliert und verzerrt wurde. Unter Jasia Reichardts Leitung arbeiteten damals KünstlerInnen mit MathematikerInnen, IngenieurInnen, TechnologInnen zusammen und schufen gemeinsam eine völlig neuartige Form der Präsentation – lange bevor die Kooperation zwischen Kunst und Wissenschaft wegen ihres großen Potentials an Innovation in aller Munde war. Zahlreiche interaktive Exponate ließen die BesucherInnen hautnah erleben, um was es Jasia Reichardt ging: das ungeheure Potential, das neue Technologien mit sich bringen und die Frage, wie Menschen und Maschinen künftig wohl zusammenwirken und -arbeiten werden. Jasia Reichardt setzte Maschinen und Programme nicht länger nur als ausführende Werkzeuge in Szene, sondern zeigte sie als Teil kreativer Prozesse. Jasia Reichardt wurde 1933 in Warschau geboren. Sie floh mit ihren Eltern vor den Nazis und lebt seit 1946 in England. Hier besuchte sie die Old Vic Theatre School in Bristol und war danach als Kunstkritikerin und Ausstellungsmacherin tätig. Zwischen 1963 und 1971 war sie als Assistant Director am Institute of Contemporary Arts in London tätig, von 1974 bis 1976 als Director der Whitechapel Art Gallery. Heute lebt sie in London.

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Can you hear me? / Fotocredit: Christoph Wachter, Mathias Jud / Printversion / Fotoalbum

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Rhizome / Fotocredit: Boris Labbé / Printversion / Album

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P2P Foundation / Fotocredit: P2P Foundation / Printversion / Album

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Die Entscheidung / Fotocredit: Jonas Bodingbauer / Printversion / Album

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