Große Konzertnacht

SO 11.9.2016, Einlass: 19:30, Beginn: 20:00
Ground Floor
POSTCITY
Große KonzertnachtCredit: Florian Voggeneder

Das musikalische Highlight jedes Ars Electronica Festival ist die Große Konzertnacht. 2002 von Dennis Russell Davies, Chefdirigent des Linzer Bruckner Orchesters, initiiert, treffen hier klassische und elektronische Musik auf computergenerierte Visualisierungen. Eindrucksvoller Schauplatz für dieses einzigartige Konzert ist heuer die riesige Gleishalle in der POSTCITY.

PROGRAMM

19:30PM Audible Entrance Sam Auinger (AT/DE): GLEISHALLE – Ambient 1
20:00 Simone Zaunmair (AT): La Lucha
Performed by Bruckner Orchester Linz (AT)/ Dennis Russell Davies (US/AT)
20:15 Marc Reibel (AT):Rendez-vouz avec Claude
Performed by Bruckner Orchester Linz (AT) / Dennis Russell Davies (US/AT)
Visualisation by Akiko Nakayama (JP)
20:30 Spiral Falls FM Einheit (DE): Mene, Mene, Tekel, upharsin
21:20 Maurice Ravel (FR): Ma mére l’Oye
Performed by Bruckner Orechester Linz (AT) / Dennis Russell Davies (US/AT)
Visualization by Ars Electronica Futurelab
21:50 Igor Stravinsky (RU): Le Sacre du Printemps
Performed by Bruckner Orchester Linz (AT) / Dennis Russell Davies (US/AT)
Visualization by Cori O´lan (AT)
22:30 XBlade Allstars get Radical: Drone Race
22:35 Pause, Train Hall Sam Auinger (AT/DE): GLEISHALLE – Ambient 2
22:55 AROTIN&SERGHEI (AT/RU), Mikhail Rudy (RU/FR): Light Impulse – Radical Atoms1016/ Vers la Flamme 1914
23:25 AGF (DE): The Radical Self
23:45 Sam Auinger (AT/DE) / Hannes Strobl (AT/DE) (tamtam): GLEISHALLE – a concert Cycle

La Lucha
Simone Zaunmair (AT)

Performed by Bruckner Orchestra Linz (AT)/ Dennis Russell Davies (US)

La Lucha – entre dos hombres celosos y la mujer (Der Kampf zweier eifersüchtiger Männer – und die Frau) beschreibt den Kampf zweier eifersüchtiger Männer um ein und dieselbe Frau. Ein leidenschaftlicher, schwülstiger Streit im Stile breiter Mariachi-Machos!

Einfühlsame Posaunen-Soli wechseln sich mit anspruchsvollen Trompetenpassagen und kraftvollen, energischen Orchesterstellen ab. Furios, schnell und einprägsam! Eine Geschichte voll Leidenschaft, Schmerz, Stolz und Wehmut, mitten in Mexico – oder wie sie überall stattfinden kann.

Rendez-vous avec Claude
Marc Reibel (AT)

Performed by Bruckner Orchestra Linz (AT) / Dennis Russell Davies (US)
Visualization by Akiko Nakayama (JP)

Meine Komposition entstand vor 20 Jahren, geschrieben unter dem starken Einfluss von Wolfgang Dauner, dem sie auch gewidmet ist. Sie verbindet ein eigenes Thema im Stil von Claude Debussy mit Elementen aus dem Bereich des Jazz-Rock-Funk. Gleichsam einer musikalischen Zeitreise zusammen mit Claude durch die 1970er und 80er Jahre wird das Thema stets neu beleuchtet. Dazwischen eingebettet sind instrumentale Solo-Improvisationsteile, die durch die jeweilige Persönlichkeit der Ausführenden eine zusätzliche Bereicherung bieten.

Mene, mene, Tekel, upharsin
FM Einheit

Der nächste Programmpunkt führt das Publikum aus der Gleishalle zu den eindrucksvollen, 13 Meter hohen, in sich gewundenen Paketrutschen der POSTCITY: FM Einheit, Musiker, Komponist und Soundkünstler, versetzt diese Rutschen in Schwingung und zitiert dabei das Dröhnen, Rauschen und Tosen, das die riesige Anlangen der POSTCITY jahrelang erfüllte. Als rund um die Uhr Millionen Pakete hier ankamen, abgeladen und aufgenommen wurden, über tausende Meter Förderbänder liefen, Paketrutschen hinuntersausten, bis zu den Laderampen, wo das Gebäude sie neu sortiert wieder freigab. FM Einheits Soundperformance inszeniert diese Logistik und Massenabfertigung als Sinnbild einer Gesellschaft, die sich im Konsumrausch befindet: „Das Ergebnis dieses Rausches spucken die Paketrutschen aus und jeder für sich selbst kann zählen und wiegen – und es für zu leicht befinden?“

Ma mére l’Oye
Maurice Ravel (FR)

Performed by Bruckner Orchester Linz (AT)/ Dennis Russell Davies (US)Visualization by Ars Electronica Futurelab (AT)

Ma mère l’Oye ist Teil einer fünfteiligen Suite, die von den Werken und Märchen von Charles Perrault, Marie-Catherine d’Aulnoy and Jeanne Marie Leprince de Beaumont inspiriert ist. Der französische Komponist Maurice Ravel widmete Ma mère l’Oye (Mutter Gans), eine Klaviermusik zu vier Händen, der sechsjährigen Mimi und dem siebenjährigen Jean Godebski. Das Klavierduett hatte seine Premiere beim ersten Konzert der Société Musicale Indépendante am 20. April 1910. Im Jahr 1911 adaptierte und erweiterte Ravel das Klavierstück zu einer Orchestersuite. Diese wurde vom New York Symphony Orchester am 8. November 1912 in der Aeolean Hall uraufgeführt. Dies ist die Form, in der Ma mère l’Oye bis heute am meisten gespielt wird.

Le Sacre du Printemps
Igor Stravinsky (RU/FR/US)

Performed by Bruckner Orchester Linz (AT) / Dennis Russell Davies (US)Visualization by Cori O’lan (AT)

Le Sacre du Printemps (Die Frühlingsweihe) wurde 1913 von Igor Stravinksky komponiert. Das Hauptthema wird bereits durch den Titelzusatz  Bilder aus dem heidnischen Russland in zwei Teilen angedeutet: Um den Frühlingsgott gnädig zu stimmen wird ein junges Mädchen als Opfergabe bestimmt und tanzt sich zu Tode.  Le Sacre du Printemps wurde für die Pariser Saison 1913 des Ballets Russes unter Sergei Djagilew geschrieben, die Choreografie dazu stammte von Vaslav Nijinsky. Obwohl Le Sacre du Printemps heute eines der bekanntesten Orchesterstücke ist, verursachte die Premiere am Théâtre des Champs-Élysées damals einen Skandal. Die scharfen Dissonanzen und eigentümlichen Rhythmen von Stravinskys Werk entsprachen nicht den Erwartungen der ZuhörerInnen. Erst die spätere Rezeption des Werks erkannte Le Sacre du Printemps als visionäres und höchst einflussreiches Meisterwerk an.

Light Impulse—Radical Atoms 2016 / Vers la Flamme 1914
AROTIN & SERGHEI (AT/RU), Mikhail Rudy (RU/FR)

Echtzeit-Sound und Video-Animation mit einer Aufführung der späten Klavierstücke Op. 72-74 von Alexander Skrjabin

Light Impulse basiert auf dem radikal-innovativen Konzept des Komponisten Alexander Skrjabin (1872-1915), dem Schöpfer eines eigenen Licht-Notensystems für ein fiktives “Lichtklavier” und Erfinder des mystischen “synthetischen Hexachords” als Ursprung aller Klänge. Gemeinsam mit Mikhail Rudy, Pianist und Experte für die Russische Avantgarde und Scriabins Oeuvre, bringen AROTIN & SERGHEI diese Vision in die Zukunft und zeigen die visuellen Impulse und Umwandlungen leuchtender, versprengter Klänge und Lichtpartikel  in den subliminalen Zellstrukturen des “Infinite Screen”.

In Zusammenarbeit mit dem Museum in Progress, Klangforum Wien, Wiener Konzerthaus, Ars Electronica, Biennale di Venezia, Fondation Beyeler Basel und dem Kunsthistorischen Museum Wien. Installation and Performance: AROTIN & SERGHEI; Piano: Mikhail Rudy

The Radical Self
AGF (DE)

AGF {poemproducer} performs works from ‘Kon:3p>UTION to: e[VOL]ution’, ‘The Self / The Other’ and ‘if*true~time[x]1+2=you.\<‘ The RADICAL SELF. shadow musical systems. beat structure per minute. action networks. sculpted sound. THE self / the OTHER. voice noise. sonic umwelt. rhyme greim. network-mycelium. radical friendships. transformation capa-cities. wildness re-club flexion. fluxion. flux-internetness. glitch cyborging. public reverberation. non-human spaciouness. capita-lis-monsters. vision-wither-beauty. poetess extravanganza. breaking the grid. to ACT. ACTION: love enforcement.

XBlade Allstars get Radical
Drone Race

Tornado XBlades, die aktuellen Weltmeister im Drone Racing, werden während der Großen Konzertnacht eine First-Person-View-Vorführung eines Rennens durch einen dystopischen Nachtkurs darbieten. Die digitalen Sounds der Dronen, die Geschwindigkeiten bis zu 120 Km/h erreichen, verbinden sich mit Orchestermusik, Live-Elektronik und Visualisierungen und schaffen so einen einzigartigen Einblick in diese explosive Sportart.

Gleishalle – ein Konzertzyklus
Sam Auinger (AT/DE) / Hannes Strobl (AT/DE)

In der Gleishalle setzen nun Sam Auinger und Hannes Strobl fort. Ersterer ist ein Linzer Soundkünstler und lehrt derzeit an der Universität der Künste Berlin, zweiterer stammt aus Innsbruck, ist Bassist und Komponist, beide zusammen bilden das Künstlerkollektiv tam tam, das sich vor allem mit dem Klang von (Stadt-)Architektur und Räumen beschäftigt. Im Rahmen der Konzertnacht widmen sie sich der POSTCITY und hier im Speziellen der Gleishalle, die mit mehr als 200 Metern Länge, 50 Meter Breite und 8 Metern Höhe über eine beachtliche Nachhallzeit von 6 Sekunden verfügt. tam tam machen die Topografie dieses Raumes und seine ganz spezifischen akustischen Eigenschaften hörbar. Mittels eines komplexen Lautsprechersystems werden Architektur und Materialität der Gleishalle in Beziehung zueinander gesetzt und Farben, Tiefen und Bewegungen dieses Raumes akustisch erlebbar. Sam Auinger und Hannes Strobl machen den Raum zum Instrument – und umgekehrt.