Die Quadrocopter fliegen weiter

Die Quadrocopter, die das Ars Electronica Futurelab bei der voestalpine Klangwolke 2012 eingesetzt hat, haben nicht nur direkt vor Ort für Stimmung, sondern haben auch im Internet für recht ordentliche Wellen gesorgt. Da Lorbeeren aber bekanntlich nicht dazu da sind, um sich auf ihnen auszuruhen, wird das Konzept Spaxels schon fleißig weiterentwickelt.

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Die Quadrocopter, die das Ars Electronica Futurelab bei der voestalpine Klangwolke 2012 eingesetzt hat, haben nicht nur direkt vor Ort für Stimmung, sondern auch im Internet für recht ordentliche Wellen gesorgt. Da Lorbeeren aber bekanntlich nicht dazu da sind, um sich auf ihnen auszuruhen, wird das Konzept Spaxels schon fleißig weiterentwickelt.

Neues Trackingsystem von inmotiotec

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Gerade eben wurde im Futurelab-Studio eine neue Testumgebung installiert. Kern dieser Umgebung ist das lpm (local position measurement) von inmotiotec, ein funkbasiertes Ortungssystem, das sowohl Indoor, als auch Outdoor zum Einsatz kommen kann. Bis jetzt waren die Quadrocopter in ihrer Positionierung ja von GPS-Empfang abhängig und somit nur unter freiem Himmel einsatzfähig, mit dem neuen Ortungssystem gehört diese Einschränkung der Vergangenheit an.

Schnellere und komplexere Manöver


Der Transponder, einmal ohne Gehäuse, so wie er an den Quadrocoptern montiert wird, einmal die Variante, die beispielsweise im Sport eingesetzt wird, und die orangene Antenne

Das neue Trackingsystem bedeutet einen Quantensprung hinsichtlich der Navigation der Fluggeräte: Die Positionsbestimmung verbessert sich um eine beträchtliche Größenordnung im Vergleich zur reinen Nutzung von GPS. Anstatt von 5 bis 6 Metern Genauigkeit kommt man auf 5 – 15 cm. Stellt man nun auch noch in Rechnung, dass ein Quadrocopter in etwa 30 Zentimenter Durchmesser hat, wird schnell klar, wie präzise ab sofort geflogen werden kann – oder anders gesagt: Jetzt kann sich die Kreativabteilung so richtig austoben.

Für Analysen im Spitzensport erfunden

Entstanden ist lpm wie alle guten Ideen aus einer gewissen Faulheit heraus. Die Analyse von Handballspielen und Trainings ist an Hand von TV-Bildern eine recht langatmige Geschichte, außerdem erhält man so gut wie nie vollständige Daten. So entstand die Idee, die Position von jedem Spieler per Funk feststellen und dokumentieren zu lassen. Die Dokumentation der Laufwege wurde dadurch auf eine neue Stufe gehoben.


Der Transponder in einem Gehäuse, wie es beispielsweise beim Handball oder Fussball verwendet wird

Heute wird die Technik im Sport, in der Unterhaltungsbranche und eben auch für Spaxels eingesetzt. Die Funktionsweise ist verhältnismäßig simpel: Mindestens 12 Empfänger werden um einen Raum aufgestellt und auf einen Referenztransponder geeicht, der von allen 12 Empfängern sichtbar sein muss. Pro Sekunde können 1000 Positionssignale erfasst werden, fliegt man wie im Fall des Futurelabs mit 50 Quadrocoptern, wird die Position jedes Fluggeräts mittels Triangulation 20 Mal pro Sekunde bestimmt, genug Daten, um exakte Flugbahnen zu erlauben. Und zwecks Gewichtersparnis teilt sich der Transponder seinen Akku mit dem jeweiligen Quadrocopter, auf der er sitzt, energieversorgungstechnisch ist das kein Problem.

lpm + Quadrocopter = Zukunftsmusik?

Die Kombination aus lpm und Quadrocopter wird die Performance der letzteren deutlich verbessert. Zusammen mit dem GPS-System ist das neue sehr zuverlässig und genau, Auftritte der Quadrocopter beschränken sich damit nicht mehr nur auf große offene Gebiete, sondern können auch in vergleichsweise kleinen Räumlichkeiten Indoor über die Bühne gehen. Beispielsweise im Deep Space des Ars Electronica Center, wo die Tür für multimediale, virtuelle Anwendungen nun ganz weit offen steht.

Weiters könnte man die Spaxels künftig für die Visulisierung von Architektur einsetzen. Das 3D-Modell eines Gebäudes könnte dabei die Flugbahnen der Quadros vorgeben, mittels Langzeitbelichtung ein Bild davon entstehen, das genau zeigt, wie das Gebäude, die Brücke oder das Monument wirken wird. Würden als 50 Quadros gleichzeitig in der Luft sein, wäre es sogar möglich, solche Visualisierungen in Echtzeit zu schaffen.

Das Projekt Spaxels steckt also durchaus noch in den Kinderschuhen. Mit der Verbesserung von Hardware und Steuersoftware geht die Erschließung eines völlig neuen kreativen Feldes Hand in Hand, gemeinsam mit anderen Technologien, wie dem erwähnten Tracking, oder auch mittels interaktiver Smartphoneapps, können die Spaxel ein großer Player werden, was die Erschaffung virtueller Welten angeht.

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