Engineering the Future – Ein Wochenende in London

Das diesjährige Digital Design Weekend fand Samstag, 24. und Sonntag, 25. September in London statt. Mit dabei waren das dortige österreichische Kulturforum, das Victoria and Albert Museum und die Linzer Ars Electronica. Gemeinsam präsentierten sie sechs aktuelle Projekte von MedienkünstlerInnen aus Österreich.

8-bit Mixtape
Credit: Victoria and Albert Museum, London

„Engineering the Future“ lautete der Titel des Digital Design Weekends und war zugleich das Thema der von Ars Electronica gestalteten Auftaktveranstaltung im Kulturforum London. Drei Live-Performances und eine Ausstellung standen dabei auf dem Programm:

Retro Product-Vacuum Cleaner Instrument

Retro Product-Vacuum Cleaner Instrument / Yen Tzu Chang (TW), Credit: Victoria and Albert Museum, London

Den Beginn machte die in Linz lebende Taiwanerin Yen Tzu Chang mit einer Live-Session auf ihrem Retro Product – Vacuum Cleaner Instrument. Das ungewöhnliche Instrument ist ein umgebauter Staubsauger, dem die Künstlerin analoge und digitale Sounds entlockt, deren Mix sie gekonnt improvisiert.

Danach folgte der indonesische Künstler Andreas Siagian mit seinem 8-bit Mixtape. Auch bei seiner Performance spielte das Umfunktionieren alter Gegenstände eine gewichtige Rolle. Andreas Siagian verwandelt alte Musikkassetten in Synthesizer, die sprichwörtlich „alle Stücke“ spielen. Wie das geht, stellt der Künstler als „Open Source“ zur Verfügung und lädt dabei andere Kreative ein, sich auch ihre eigenen Synthesizer zu bauen. Im Österreichischen Kulturforum London gab Andreas Siagian eine 10-minütige Kostprobe, die erahnen ließ, wieviel Auseinandersetzung und Wissen, um die Soundmöglichkeiten des selbst geschaffenen Mediums hinter 8-bit Mixtape steckt.

Den Abschluss der Live-Performances bildete schließlich der österreichische Künstler Stefan Tiefengraber mit seiner WM_EX10 WM_A28 TCM_200DV BK26. Seine audiovisuelle Live-Performance ließ den historischen Salon, mitsamt seinem riesigen Kronleuchter mitvibrieren: Sounds und Visuals produzierte der Künstler indem er mit nassen Fingern in die Stromkreise diverser offener Devices – wie einem alten Walkman oder einem Bontempi-Keyboard – eingriff. Der Widerstand der Haut und die Leitfähigkeit des menschlichen Körpers waren dabei die maßgeblichen Momente und hatten außerdem Einfluss auf die rhythmisch aufflackernden, in Schwarz-Weiß gehaltenen Projektionen.

drawer

Draw:er//16 / Verena Mayrhofer (AT), Credit: Andreas Zingerle

Im Anschluss an die Performances wurde das Publikum in den Galerieraum im Keller geladen, wo die Arbeiten Draw:er//16 von Verena Mayrhofer und die Flashlightinstallation #1 von Dawid Liftinger präsentiert wurden: Draw:er//16 ist eine interaktive Audio-Installation, die Österreich-Stereotypen auf den Grund geht und dafür eine (Zeit-)Reise in einen Gewürzschrank packt. Die Künstlerin führte Interviews, die beim Herausnehmen der einzelnen Gewürzbehälter aktiviert werden: Brösel, Mehl, Kümmel oder Paprika, jedes Fach steht für eine Erkundung der österreichischen Seele und das zynische Hinterfragen stereotypischer Zuschreibungen. Die Arbeit wurde für die Präsentation im Kulturforum in London um Interviews von Flüchtlingen erweitert, die in Linz auf ihren Asylbescheid warten.

flashlight

Flashlightinstallation #1 / Dawid Liftinger (AT), Credit: Florian Voggeneder

Flashlightinstallation #1 von Dawid Liftinger besteht aus 64 analogen Blitzlichtern, die eine raumgreifende, begehbare Matrix bilden. Sobald man die Installation betritt, wird das System aktiviert und ein Blitzlichtgewitter wird ausgelöst. Hat sich das Auge an die Lichter gewöhnt, werden plötzlich Sounds hörbar: Ein scheinbar durchorchestriertes Werk, das sich aus den Entladungsmomenten der einzelnen Blitzlicht-Kondensatoren speist.

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