Industrieroboter abseits ihres natürlichen Lebensraums

Roboter erobern immer mehr Raum in unserem Alltag. Sie saugen unser Zuhause oder mähen unseren Rasen. Wie lange haben wir schon davon geträumt, dass maschinelle Helfer autonom handeln, uns verstehen und mühselige Arbeiten für uns erledigen?

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RWTH Aachen University

Doch Viele stellen sich, durch den schnellen technischen Fortschritt im Bereich Robotik, immer wieder die Frage: Nehmen uns Roboter die Arbeit ab, oder nehmen sie sie uns irgendwann auch weg? Oder sind sie doch vielmehr ein Werkzeug, mit dem wir unsere Fähigkeiten verbessern und den Horizont unserer Möglichkeiten erweitern können?

Mehr Möglichkeiten durch Roboter entstehen auf jeden Fall im künstlerischen Bereich, was die Ausstellung „Kreative Robotik“ zeigt, die am DO 9.2.2017 im Ars Electronica Center eröffnet wird. Es ist bereits der zweite Teil der Ausstellungsreihe und wie auch bei der ersten Ausgabe letztes Jahr, zeigt die Ausstellung Industrieroboter abseits ihres natürlichen Lebensraums, der Fabrikhallen, als Werkzeuge kreativen Ausdrucks.

Auch diesmal konnten wir wieder zahlreiche Partner aus der Robotik und Kreativszene gewinnen, die sich mit den vielfältigen Möglichkeiten von Robotern, außerhalb des Industriesektors, befassen. So werden Roboterarme nicht wie sonst für die Massenfertigung eingesetzt, sondern als Katalysator für Innovation in bildender Kunst, Design und Architektur.

Einer dieser Partner, der auch letztes Jahr schon mit dabei war, ist das Institut für Robotik der Johannes Kepler Universität Linz, das uns die Weiterentwicklung des selbständig balancierenden Würfels präsentiert. Während der Würfel letztes Jahr selbständig auf einer Kante balancierte, balanciert er nun nur noch auf einer Ecke. Der Roboterwürfel kann externe Störungen und Veränderungen der Umgebung eigenständig ausgleichen. Möglich macht dies ein Kreiselstabilisator, oder auch Gyroskop genannt, der normalerweise bei Satelliten und Drohnen eingesetzt wird. Wir haben mit Univ.-Prof. Dr.-Ing. habil. Andreas Müller, Institutsvorstand des Instituts, über Roboter und ihre Rolle in der Zukunft gesprochen.

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Letztes Jahr balancierte Würfel auf einer Kante… (Credit: Magdalena Sick-Leitner)

Wenn man diesen selbststabilisierenden balancierenden Würfel sieht, denkt man eigentlich nicht an einen Roboter. Was unterscheidet Roboter von herkömmlichen Maschinen?

Müller_120x120Andreas Müller: Die Anwendung! Ein Roboter ist eine intelligente Maschine. Der Begriff Roboter wird in Zukunft noch mehr verschwimmen. Entsprechend der akzeptierten Definition ist ein Serviceroboter ein bewegter programmierbarer Mechanismus mit einem gewissen Grad an Autonomie, der für seinen Anwender nützliche Aufgaben erledigt. Das sagt eigentlich schon alles. Es ist vielleicht interessant, sich in Erinnerung zu rufen, wo der Begriff ursprünglich herkommt. Es war der tschechisch-slowakische Autor Karel Čapek, der in seinem Theaterstück „Rossum’s Universal Robots (R.U.R.)“ den Begriff „Robot“ verwendet. Der Begriff ist abgeleitet vom tschechischen Wort „Robota“. Damit ist auch schon die Aufgabe eines Roboters umrissen: er soll den Menschen von schwerer Arbeit befreien. Das Ziel haben wir heute weitgehend erreicht und davon profitieren wir alle.

Bisher stehen Roboter fast nur in Fabriken. Glauben  Sie, das wird sich ändern?

Andreas Müller: Ja, definitiv! Robotische Systeme in ganz verschiedenen Ausprägungen werden unser alltägliches Leben erleichtern, sicherer machen und ganz neue Erfahrungshorizonte eröffnen. Autonom fahrende Autos, intelligente Mähdrescher, autonome Zuliefersysteme, Staubsauger, assistive Roboter als Begleiter für ältere Menschen, das alles sind Roboter. Und eine ganz wichtige Komponente ist die Vernetzung. Man spricht heute zum Beispiel oft von Industrie 4.0 und meint damit, dass alles mit jedem vernetzt ist. Viele kennen das bereits von dem Handy, das den Fernseher und die Stereoanlage bedient und vielleicht schon mit dem Kühlschrank und dem E-Auto verbunden ist. Durch die inhärente Vernetzung können die Produktionssysteme nicht nur optimal ausgelastet und deren Versorgung reibungslos sichergestellt werden, sondern auch überwacht und notwendige Wartungsarbeiten frühzeitig initiiert werden.

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… dieses Jahr balanciert der Würfel nur auf einem Eck (Credit: Institut für Robotik, Johannes Kepler Universität Linz)

Müssen wir Angst haben, dass wir unseren Arbeitsplatz bald an einen Roboter verlieren?

Andreas Müller: Die Arbeitswelt wird sich weiter verändern und die Automatisierung wird auch in Zukunft weiter fortschreiten. Das ist unentbehrlich für die Steigerung der Produktivität und für die Sicherung der Wettbewerbsfähigkeit unserer Wirtschaft.  Diesem Wandel muss man sich stellen und ihn aktiv mitbetreiben. Das eröffnet mehr Chancen, als es Gefahren birgt. So werden Roboter noch enger mit dem Menschen zusammen arbeiten – man spricht von „kollaborativer Robotik“. Das heißt auch, dass nicht nur die hochqualifizierten Berufsgruppen die Gewinner sein werden, sondern auf allen Ebenen von einer breiten Durchdringung durch die Robotik profitiert werden kann.

Werden Roboter in Zukunft, wie in etlichen Hollywood-Science-Fiction-Filmen dargestellt, wirklich menschliche Züge annehmen?

Andreas Müller: Da bin ich sehr skeptisch. Persönlich sehe ich auch keine Notwendigkeit dazu. Es ist sogar oft nicht wünschenswert, dass anthropomorphe Roboter – und hier geht es eher um Humanoide – realistisch ein menschliches Erscheinungsbild annehmen. Es ist bekannt, dass die Akzeptanz eines Humanoiden schlagartig abnimmt sobald sich dessen äußere Erscheinung sehr stark der eines Menschen annähert, da das als abschreckend empfunden wird – der Humanoide wird zum Zombie. Was fehlt ist Empathie. In naher Zukunft werden Serviceroboter hilfreiche Kumpanen sein, die als Maschinen erkennbar bleiben und relativ kleinwüchsig sind und keine bedrohlichen Riesen, wobei die Benutzer die volle Kontrolle behalten.

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Credit: Institut für Robotik, Johannes Kepler Universität Linz

Die JKU entwickelt unter anderem auch einen humanoiden Roboter. In welchen Bereichen soll dieser Roboter eingesetzt werden und was kann dieser?

Andreas Müller: Unser humanoider Roboter heißt „Awaro“. Er kann gehen, seine Umgebung erkennen und so auf Hindernisse reagieren. Awaro ist natürlich sehr beliebt bei unseren Studierenden. Er dient als Ideenschmiede und zur Demonstration neuer Konzepte. Es kommt immer zu einem Aha-Effekt, wenn klar wird, dass es sich um eine Kombination von Computer, Antriebstechnik und Mechanik handelt. Da ist also für jeden technisch interessierten etwas dabei.

 

Ausstellungseröffnung „Kreative Robotik“: DO 9.2.2017. Eintritt frei!

Exklusiv am Eröffnungsabend mit dabei: PRINT A DRINK – das weltweit erste 3D-Druckverfahren für Getränke. Dabei werden feine Öltropfen mit einem Roboterarm präzise in einen „Cocktail“ injiziert.

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