Eine kreative Reise für uns alle

In diesem Interview erzählen uns Robert Devcic, Direktor von GV Art, und Oscar Abril, Direktor von LABoral, von ihren Erwartungen zum „European Digital Art and Science Network“.

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LABoral_Frank Gehry exhibitionFrank Gehry Exhibition (Credit: LABoral)

Der Open Call des „European Digital Art and Science Network“, bei dem Künstlerinnen und Künstler die Möglichkeit haben eine Residency bei der Europäische Südsternwarte (ESO, European Southern Observatory) und im Ars Electronica Futurelab zu gewinnen, endet am 9. Februar. Teil dieses Netzwerkes sind der wissenschaftliche Partner ESO in Chile und sieben europäische Kunst- und Kulturpartner.

Einige davon wurden auf unserem Blog bereits vorgestellt. In diesem Interview erzählen uns Robert Devcic, Direktor von GV Art, und Oscar Abril, künstlerischer Leiter von LABoral, von ihren Erwartungen über das Aufeinandertreffen von Wissenschaft und Kunst und über die Zusammenarbeit mit Ars Electronica, ESO und den anderen Kunstpartnern. Zu guter Letzt geben sie auch noch einige gute Ratschläge für Künstlerinnen und Künstler, die überlegen ein Projekt beim Open Call einzureichen.

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Hallo Oscar und Robert! Was erwartet ihr vom Aufeinandertreffen von Wissenschaft und Kunst?

Oscar Abril: Ich glaube, das ist eines der interessantesten Themen, die uns momentan beschäftigen. Nicht nur in der Kunst, sondern generell im Hinblick auf den Wissensaustausch zwischen zwei unterschiedlichen Bereichen. In Bezug auf diese Herausforderung ist jetzt der richtige Zeitpunkt, um so ein Projekt wie Art & Science ins Leben zu rufen.

Robert Devcic: Meine Erwartung ist, dass es eine kreative Reise, sowohl für die Künstlerinnen und Künstler, als auch für die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler wird – ohne eine Vorhersage über das Ziel der Reise treffen zu wollen. Eine Reise die es beiden – den Künstlerinnen und Künstlern und den Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern – erlaubt, etwas aus der Erfahrung der Zusammenarbeit zu gewinnen. Das Ziel soll sein, dass sie sich gegenseitig bereichern und nicht nur einer vom anderen profitiert.

20141124_HIM42070_himKick-off-Meeting der Kunstpartner im Ars Electronica Center (Credit: Martin Hieslmair)

Was denkt ihr über die Zusammenarbeit zwischen Ars Electronica, ESO und den anderen Kulturpartnern?

Robert Devcic: Es ist für uns alle eine Reise, bei der wir Partner zunächst einmal lernen müssen zusammenzuarbeiten und Wege finden müssen, damit Kunst und Wissenschaft effektiv und sinnvoll miteinander kooperieren können. Ich würde auch den wissenschaftlichen Partner, ESO, gerne besser kennenlernen. Ich habe bereits mit Künstlerinnen und Künstlern zusammengearbeitet, die dort eine Residency  gemacht haben, aber ich freue mich jetzt selbst mit ESO in Kontakt zu treten. Projekte wie diese, die die Vorteile des interdisziplinären Arbeitens außerhalb des Bildungsbereichs hervorheben, werden auch andere dazu anregen, solche disziplinübergreifenden Experimente zu machen und das kann nur eine gute Sache sein.

Der internationale Open Call ermöglicht es uns herauszufinden was weltweit momentan in Bezug auf die Kooperation von Kunst und Wissenschaft passiert. Die Ars Electronica ist dazu bestens geeignet das Epizentrum des Geschehens dieser interdisziplinären Praxis zu sein. Durch die vereinten Kenntnisse unseres Netzwerks können wir ausloten, wer wo welche interdisziplinären Arbeiten macht.

Das ist für mich sehr wichtig, weil es in den letzten sechs Jahren eine starke Zunahme am Interesse in interdisziplinären Projekten gab. Momentan werde ich sehr oft gefragt, ob ich an neuen Projekten interessiert bin, bei denen die interdisziplinäre Zusammenarbeit zwischen unterschiedlichen Partnern erforscht werden soll. Vor fünf Jahren wusste ich noch über all diese Projekte in diesem Bereich bescheid, aber seit kurzem ist es unmöglich geworden alle zu kennen, weil es mittlerweile so viele geworden sind. Es ist also die richtige Zeit dafür Daten darüber zu sammeln, wer was tut und wie man sich als Partner dafür engagieren und andere dabei unterstützen kann, um auf diesem Wissen aufzubauen.

artsciencepartnerKick-off-Meeting der Kunstpartner im Ars Electronica Center (Credit: Martin Hieslmair)

Wie passen eure Institutionen in dieses European Digital Art and Science Network?

Oscar Abril: In meinem Fall – ich bin der künstlerische Leiter von LABoral – sind wir speziell an performativen Kunstprojekten interessiert und das ist sehr stark mit dem, worüber wir gerade sprechen, verbunden. Deshalb können wir vor allem in diesem Bereich zur Zusammenarbeit im Netzwerk beitragen. Wir sind auch gerade dabei ein Wissenschaftslabor in LABoral zu eröffnen. Es ist also eine gute Möglichkeit für uns sich an einer Kollaboration mit Ars Electronica und anderen „kreativen Helden“ zu engagieren.

Robert Devcic: Das Besondere, warum GV Art in dieses Netzwerk passt ist, dass ich Erfahrung am Markt habe und das könnte uns dabei helfen, Wissen und Kapazitäten aufzubauen. Bis jetzt gibt es keinen offiziellen Markt für interdisziplinäre Kunst. Wir versuchen aber einen zu etablieren und ich kann mit Stolz sagen, dass mehr als die Hälfte unserer Kundinnen und Kunden aus dem Bereich der Wissenschaft kommen. Das ist eigentlich sehr ungewöhnlich für eine Galerie, aber wir würden das gerne noch weiter ausbauen. GV Art arbeitet mit vielen unterschiedlichen Institutionen zusammen, ich repräsentiere Künstlerinnen und Künstler und kuratiere beziehungsweise produziere Ausstellungen. Deshalb habe ich bereits viele Erfahrungen gesammelt, die ich gerne mit den anderen Partnern im Netzwerk teilen würde.

Welche Ratschläge würdet ihr Künstlerinnen und Künstlern geben, die ein Projekt beim Open Call einreichen wollen?

Oscar Abril: Ich würde einfach sagen, seien Sie sie selbst!

Robert Devcic: Ich würde auf jeden Fall jedem, der überlegt mitzumachen, dazu raten es zu machen! Reichen Sie eine aussagekräftige Bewerbung ein, um die Jury zu überzeugen. Vergewissern Sie sich, dass sie die Einreichungskriterien und Richtlinien gelesen haben und dass Sie zu Verfügung stehen, denn es wird viel Zeit in Anspruch nehmen und harte Arbeit erfordern. Es ist eine fantastische Gelegenheit, um herzuzeigen, was in Zusammenarbeit mit Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern entstehen kann. Die eigene Arbeit am Ars Electronica Festival zu präsentieren, könnte der Beginn eines großen Abenteuers werden. Also reichen Sie ihre Bewerbung bis spätestens 9. Februar ein!

Robert Devcic for HTA 300dpiRobert Devcic ist Gründer und Direktor der GV Art Galerie, London. GV Art ist die einzige unabhängige Galerie, die sinnvolle Dialoge zwischen zeitgenössischen Künstlern und Wissenschaftlern fördert. Da Entwicklungen in Kunst, Wissenschaft und Technik den Weg für neue ästhetische Empfinden ebnet, strebt GV Art einen Gedankenaustausch über die Entwicklungen zwischen diesen Schnittpunkten an. Robert Devcic arbeitet mit internationalen Künstlern, Wissenschaftlern und Mitarbeitern im Rahmen eines Programms zusammen, bei dem Messen und Events kuratiert werden. Aus diesem Grund ist GV Art das Zentrum für den Diskurs von Kunst und Wissenschaft in London.

Oscar AbrilOscar Abril ist Kunsthistoriker, Kurator und Kulturproduzent, der mehr als 20 Jahre Berufserfahrung im Kuratieren von Ausstellungen und der Teilnahme an Kongressen, Seminaren, Symposien und Workshops hat. Er war 13 Jahre lang künstlerischer Leiter des Sonar Festival in Barcelona und seit vier Jahren arbeitet er als Kurator an der L’Estruch Creation Factory in Sabadell. Wichtig ist auch seine Tätigkeit als Forscher und seine Teilnahme an kulturellen Innovationsplattformen wie Zzzinc oder Copyfight, die er gemeinsam mit der Künstlergruppe Elastico und Zeppelin kuratiert. In den letzten Jahren konzentrierte er seine Forschungen auf das Gebiet performative Studien.

Hier geht es zum Open Call: www.aec.at/artandscience/de/open-call/

Weitere Infos zu “art & science”  finden Sie auf: www.aec.at/artandscience

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