TIME OUT .07 – Zwischen Individuum und Gesellschaft

Derzeit läuft die 7. Ausgabe der Ausstellungsreihe „TIME OUT“ im Ars Electronica Center. „TIME OUT“ findet zweimal jährlich in Zusammenarbeit mit der Kunstuniversität Linz statt. Dabei zeigt das Ars Electronica Center aktuelle Medienkunstprojekte des Studiengangs „Zeitbasierte und Interaktive Medien“. Am Blog stellen wir Ihnen einige der ausstellenden StudentInnen vor. Dieses Mal erzählt uns Katharina Pichler von ihrer Arbeit.

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Credit: Martin Hieslmair

Die Ausstellungsreihe „TIME OUT“ findet nun schon zum siebten Mal statt und bietet den BesucherInnen im Ars Electronica Center erneut spannende Einblicke in die studentischen Arbeiten des Studienzweigs „Zeitbasierte und Interaktive Medien” der Kunstuniversität Linz. Das künstlerische Bachelorstudium bietet umfassende und professionelle Zugänge zu Theorie, Technik und Gestaltung von digitalen Medien und wendet sich damit an Studierende, die sich intensiv und umfassend mit den Bereichen Video, Audio, Installation, Interface und Interaktion beschäftigen wollen. Kuratiert wurde die Ausstellung erneut von Gerhard Funk, Leiter dieses Studiengangs, und Gerfried Stocker, künstlerischer Leiter der Ars Electronica. Sie wählten insgesamt neun StudentInnen aus, die ihre Arbeiten im Ars Electronica Center präsentieren.

Katharina Pichlers Arbeit „REFRAMING“ ist ein interaktives Spiegelobjekt, indem verschiedene größere und kleinere Spiegel übereinander und nebeneinander angeordnet sind. Die Spiegel sind jeweils nicht flach an der Wand montiert. Durch den Winkel in dem sie angebracht sind, zeigen sie das Spiegelbild des Betrachters aus unterschiedlichen Perspektiven. Das manipulierte Spiegelbild lädt zum Spielen und Experimentieren mit Selbstbild und Selbstwahrnehmung – und letztlich mit der Realität – ein. Katharina hat mit uns über ihre Arbeit gesprochen.

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Die Künstlerin Katharina Pichler vor ihrer Installation „REFRAMING“. Credit: Martin Hieslmair

Hallo Katharina, eine provokante Frage zum Einstieg: was unterscheidet deine Spiegelinstallation von einem normalen Spiegel, den jeder zu Hause hat? Kannst du das bitte näher erklären?

Katharina Pichler: Es geht bei dieser Installation nicht wirklich darum, den Spiegel aus dem Alltagskontext zu lösen. Ich finde es sogar eher spannend, ein alltägliches Medium neu zu inszenieren. Der Fokus liegt für mich bei diesem Projekt auf dem Hinterfragen von Zusammenhängen und Denkmustern. Das Selbstbildnis der Rezipientinnen und Rezipienten dient dabei als Ausgangspunkt und wird weiters auch Thema der Installation. Zwei eingebaute Bildschirme ermögliche das visuelle Integrieren von Texten.

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Besucher betrachten „REFRAMING“ während der Ausstellungseröffnung. Credit: Magdalena Sick-Leitner

Der Perspektivenwechsel fällt uns in unserer heutigen überindividualisierten Gesellschaft oft schwer. Eine andere Perspektive einzunehmen, indem man im Spiegel weiterhin sich selbst ansieht, klingt nach einem Widerspruch. Ist es aber nicht, oder?

Katharina Pichler: Ich denke, dass es ein großes Spannungsfeld zwischen Individuum und Gesellschaft gibt und dass es eine fundamentale Herausforderung ist, sich in diesem als Selbst zu definieren und auch zu behaupten. Teilweise setzt man sich persönliche Grenzen des Denkens und Handelns.

Für mich versinnbildlicht REFRAMING einen gewissen Ausnahmezustand. Man wird angeregt, die eigenen Rahmen zu definieren und zu hinterfragen, sich selbst aus einer anderen Perspektive zu beleuchten. Die Rezipientinnen und Rezipienten sind dazu aufgefordert, visuell und im übertragenen Sinn mit ihrer Wahrnehmung zu experimentieren. Durch den Formwandel des Bildes, der durch die autonom verstellbaren Spiegelteile angepasst werden kann, kommt es auch tatsächlich zu perspektivischen Veränderungen. Der persönliche, gewohnte Blick in den Spiegel wird thematisiert und auf gewisse Weise auch verfremdet.

REFRAMING versucht auf subtile Weise Fragen nach Individualität und Existenz aufzugreifen, indem es mit unserem Verständnis dieser Begriffe spielt. Die Vorstellung, dass schon ein einzelner Gedanke unsere Wahrnehmung in eine andere Richtung lenken kann, finde ich sehr spannend. Es geht mir dabei um Denkanstöße die individuell weitergedacht werden können und nicht um konkrete Stellungnahme oder Kritik. Jeder und jede soll sich auf seine und ihre Art und Weise auf die Installation einlassen.

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Zwei Bildschirme sind in die Installation integriert und stellen dem Betrachter Fragen. Credit: Magdalena Sick-Leitner

Ist das deine erste interaktive Installation? Hast du vor noch mehr in diese Richtung zu machen?

Katharina Pichler: REFRAMING ist meine erste installative Arbeit. Bei der Durchführung des Projektes war besonders der haptische Aspekt für mich spannend und das Zusammenführen von analogen und digitalen Mitteln. Ich kann mir gut vorstellen wieder an einer Installation zu arbeiten, derzeit ist aber noch nichts Konkretes geplant.

Woran arbeitest du aktuell?

Katharina Pichler: Aktuell arbeite ich vermehrt mit Sound und Video, wobei ich es auch hier spannend finde, verschiedene Ausdrucksmittel und Materialien einzubinden.

Die Ausstellung TIME OUT .07 wurde am 23.5.2017 eröffnet. Die Arbeiten der Studierenden können jederzeit während der Museumsöffnungszeiten besichtigt werden.

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